Überwintern in Kroatien: Ruhe, Entspannung & Meer

Überwintern in Kroatien

Dieses Land ist wie eine komplexe Persönlichkeit. Landschaftlich und kulturell hat es so viele unterschiedliche Facetten wie kaum ein anderes in Europa, obwohl es mit 56.594 Quadratkilometer Fläche relativ klein ist. Auch die Jahreszeiten bilden einen Unterschied wie Tag und Nacht: Im Sommer immer mehr vom Massentourismus heimgesucht, fällt Kroatien spätestens Anfang November in einen Winterschlaf. Nachdem ich schon seit 2016 auf Kroatien-Liebe über das Urlaubsland gebloggt habe, entscheide ich mich für Überwintern in Kroatien.

Na ja, nicht den ganzen Winter – bis Ende Januar verbringe ich drei Monate im südöstlichen Nachbarstaat Montenegro. Mit lebhaften Erinnerungen an starke Regenfälle und Straßenkatzen reise ich nach Kroatien zurück und wohne im Februar in der Küstenstadt Makarska in Mitteldalmatien. Wie ich diese vier Wochen empfunden habe, verrate ich dir jetzt!

T-Shirts für digitale Nomaden
Bio-T-Shirt „Digital Nomad“ von Reise-Liebe

Überwintern in Kroatien in Makarska

Makarska ist ein beliebter Urlaubsort am Fuße des Biokovo-Gebirges. Seit ich im September 2013 während einer Wanderreise zum ersten Mal in die Kleinstadt gekommen bin, ist sie merklich gewachsen. Jetzt stehen deutlich mehr hässliche Hotelbunker aus Beton am Ufer der Adria, doch im Februar wirken sie ein bisschen geisterhaft. Bis die Urlaubssaison Anfang April wieder Fahrt aufnimmt, sind die Hotels dicht – genau wie die Bars an der langen Strandpromenade.



Im dalmatinisch anmutenden alten Kern von Makarska reiht sich aber ein Café und Restaurant an das andere. Diese Lokale an der Riva sind jeden Tag gut besucht. Die Einheimischen lieben es, sich dort zu treffen und Kaffee zu trinken. Auch für mich ist es längst zu einem Ritual geworden, mir nachmittags eine Tasse Cappuccino zu gönnen.

Während abends im Sommer an der Riva Hochbetrieb herrscht, werden im Winter die Bürgersteige hochgeklappt. Am Abend rauszugehen und in einer Bar ein Glas Wein zu trinken, erweist sich für mich als langweiliger Zeitvertreib. Deshalb bleibe ich nach ein paar Versuchen im Apartment, übe Gitarre und schreibe Songs – hin und wieder auf Kroatisch. Diese Sprache inspiriert mich im Gegensatz zu Englisch oder Deutsch zu Liebesliedern.

Abhängig vom Tourismus im Sommer

Beim Überwintern in Kroatien begegnen mir zwei meiner Kooperationspartner, deren Stadtführungen ich auf Kroatien-Liebe vermittele: Marko aus Dubrovnik und Ivo aus Split. Die beiden kennen sich nicht, doch unabhängig voneinander erzählen sie mir das gleiche: Der Unterschied zwischen Sommer und Winter sei zu krass. Wer vom Tourismus in Kroatien lebe, müsse zwischen April und Oktober genug Geld verdienen, um die Wintermonate finanziell zu überbrücken. Das bedeutet, dass die zwei außerhalb der Saison kaum Arbeit bekommen.

In den vergangenen Jahren habe ich diese Zyklen selbst erlebt: Von Frühling bis Herbst beschert mir die Vermittlung von touristischen Dienstleistungen einen Einkommensstrom, während im Winter lediglich ein paar Frühbuchungen in die Mailbox flattern.

Als ich mich mit Ivo in einem vollen Café in Makarska treffe, meint er: „Die Leute leben hier sehr gut vom Tourismus. Sonst könnten sie sich nicht so viel Kaffee und Kuchen leisten.“

Gradac im Winter
Gradac an der Makarska Riviera im Februar, Foto: Reise-Liebe

Das Klima in Dalmatien im Winter

Doch warum kommt der Tourismus in Kroatien zwischen November und März zum Erliegen? Fakt ist, dass die meisten Urlauber Sonnenanbeter sind und an der Adriaküste sommerliche Wärme und Meer suchen. Das Meer bleibt zwar auch im Winter, doch das Quecksilber fällt. Minusgrade sind eine absolute Seltenheit und Tage voller Dauerregen ziemlich wahrscheinlich. Im Dezember erlebe ich am eigenen Leib, wie mein Weihnachtsmarktbesuch in Dubrovnik im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser fällt.

Anfang Februar weht an der Makarska Riviera der eisige Nordwind Bura und bringt Temperaturen um den Gefrierpunkt. Glücklicherweise ist diese Phase schnell wieder vorbei. Was folgt, sind milde Tage voller Sonnenschein, an denen ich die Küste und das Gebirge erkunde. Tagsüber tanke ich bei ungefähr 15 Grad Celsius Vitamin D, genieße die Ruhe und das Meer. Auf diese Weise macht Überwintern in Kroatien eine Menge Spaß!

Überwintern in Kroatien mit Ausflug zu den Bacina Seen in Dalmatien
Ausflug an die Baćina-Seen, Foto: Reise-Liebe

Überwintern in Kroatien für digitale Nomaden

Um die Wirtschaft ganzjährig anzukurbeln, ist Kroatien zurzeit bestrebt, Menschen wie mich ins Land zu holen. Die kroatische Zentrale für Tourismus verbreitet in den sozialen Medien den Hashtag #CroatiaYourNewHome, um digitale Nomaden bis zu zwölf Monate am Stück in Kroatien anzusiedeln. Wer aus einem Nicht-EU-Land stammt, hat die Möglichkeit, sich über einen Antrag beim kroatischen Innenministerium um ein Visum für digitale Nomaden zu bewerben.



Für die einheimischen Vermieter von Ferienwohnungen hat das einen positiven Effekt: Im Gegensatz zu früher haben sie durch den Boom des digitalen Arbeitens die Chance, auch im Winter mit ihren Unterkünften Einkommen zu generieren.

Wenn du jedoch auf Sommerwetter und Party bestehst, wird dir Überwintern in Kroatien vermutlich keine allzu große Freude bereiten. Legst du dagegen Wert auf Ruhe, Natur und entspannte, gastfreundliche Menschen, solltest du das Experiment wagen. Gerade diejenigen, die mit Massentourismus auf Kriegsfuß stehen, finden außerhalb der Saison keine Gelegenheit, sich über kulturelle Gleichschaltung und Degradierung des Landes zum Konsumobjekt aufzuregen. (as)

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