Sehenswürdigkeiten in Bratislava: K.u.K. meets Kommunismus

Sehenswürdigkeiten Bratislava

Nachdem ich Tschechien am 29. April hinter mir gelassen habe, will ich wissen, was für Sehenswürdigkeiten Bratislava zu bieten hat. Ein Eurocity Richtung Budapest bringt mich von Brünn für schlappe sieben Euro in die Hauptstadt der Slowakei, die Fahrt dauert anderthalb Stunden.

Am Bahnhof halte ich es für das Beste, meinen Koffer einzuschließen, denn in mein über Airbnb gebuchtes Wohnklo kann ich erst am Nachmittag einchecken. Übrigens rate ich Euch, für die Schließfächer drei Euro passend in der Tasche zu haben. Ich lasse zwei Zwei-Euro-Stücke in den Münzschlitz wandern und bekomme kein Wechselgeld. Okay, es gibt Schlimmeres als einen Euro zu verlieren!

Architektonische Spuren der Diktatur

Der Hauptbahnhof von Bratislava liegt auf einem Hügel und wenn man aus dem Gebäude stolziert, erlebt man erst mal für eine ganze Weile eine Ernüchterung. Das sozialistische Regime der Tschechoslowakei hat sich nach US-Luftangriffen im Jahr 1944 architektonisch meisterhaft verewigt – von einer malerischen Altstadt wie in Karlsbad oder Brünn erst mal mindestens 15 Minuten keine Spur. Ich gehe zu Fuß, ins Zentrum fahren aber auch Busse und Straßenbahnen.

Palais Grassalkovich Bratislava
Foto: Reise-Liebe

Wenn man wegen der Sehenswürdigkeiten Bratislava besucht, ist das erste Highlight auf dem Spaziergang in die Altstadt das Palais Grassalkovich, der Sitz des slowakischen Präsidenten. Im Jahr 1760 wurde das pompöse Bauwerk, das sich gar nicht in die postmoderne Architektur einfügt, für Graf Antal Grassalkovich I. errichtet. Dieser Nobelmann war seinerzeit Präsident der königlich ungarischen Hofkammer und veranstaltete in dem nach ihm benannten Palais rauschende Feste. Hinter dem Eisernen Vorhang wurde die spätbarocke Partyburg zum Pionierpalast umfunktioniert.

Michaelertor Bratislava
Foto: Reise-Liebe

Sehenswürdigkeiten Bratislava: Altstadt

Die meisten anderen historischen Bauten konzentrieren sich auf die relativ kleine Altstadt von Bratislava, wo ganze Straßenzüge den Baumaßnahmen der sozialistischen Diktatur zum Opfer gefallen sind. In das schmucke Kernstück der slowakischen Hauptstadt gelangt man zum Beispiel durch das Michaelertor (Michalská brána), das einzige noch erhaltene Stadttor der mittelalterlichen Stadtbefestigung.

Sobald man es durchschritten hat, stellt man fest: Bratislava ist eine Touristenhochburg durch und durch! Ein Souvenirladen reiht sich an den anderen und unzählige Restaurants werben mit dem Slogan „Traditional Slovak Restaurant“. Gerade deshalb möchte ich definitiv nicht dort essen, authentische Landesküche vermute ich in solchen Touri-Lokalen am allerwenigsten.

In einer Nebenstraße entdecke ich das Koliba Kamzík und lasse mir dort ein wirklich vorzügliches Sonntagsmahl munden. Als Vorspeise gibt es Knoblauchsuppe mit rauchigem Käse als Einlage und als Hauptgericht eine vegetarische Pasta mit viel Gemüse, Rauchkäse und frischen Kräutern. Die Nudeln sehen aus wie Mini-Kügelchen!

Essen gehen in Bratislava
Foto: Reise-Liebe

Tourististisch überlaufen

Gestärkt kann ich dann weiter Sehenswürdigkeiten in Bratislava entdecken, was mich mehr anstrengt als kurz vorher in Karlsbad und Brünn. Die Stadt ist einfach tierisch überlaufen! Schuld daran sind nicht nur die berühmt-berüchtigten Asiatengruppen, die sich auch in Bratislava tummeln. Hier machen ebenso Donau-Kreuzfahrtschiffe Station, so dass hauptsächlich deutsche Reisegruppen im Eiltempo durch die Altstadt geschleust werden.

Hauptplatz in Bratislava
Foto: Reise-Liebe

Hauptplatz von Bratislava

Ein Muss bei solch einer Stadtbesichtigung ist der Hauptplatz (Hlavné námestie) mit dem Maximiliansbrunnen in der Mitte. Ihn umgeben hübsche Bürgerhäuser und Paläste wie das alte Rathaus, das Palais Kutscherfeld und das Statthalterpalais. Den Rathausturm kann man besteigen, ich suche mir aber nur ein schattiges Plätzchen im Innenhof und schieße ein paar Fotos.

Altes Rathaus Bratislava
Foto: Reise-Liebe

Am Rande des Platzes warten die auf alt getrimmten roten Fahrzeuge der City Tour und an einer Reihe von Markständen wird nicht etwa slowakische Handwerkskunst feil geboten, sondern übelster Touri-Kitsch.

Working Man und andere Skulpturen

Flaniert man durch die Altstadt, erfährt man ziemlich schnell mit ein bisschen Hingucken, was für spezielle Sehenswürdigkeiten Bratislava sonst noch ausmachen: die vielen Bronzeskulpturen. Die wohl bekannteste Figur ist der Working Man, der seit 1997 aus einem Gulli hervorlugt. Als sein Pendant gilt der schnöselige Bürger, der seinen Hut zückt, die einzige Statue aus Silber, wohl gemerkt.

Working Man Bratislava
Foto: Reise-Liebe

Man kann also im Zentrum von Bratislava auf eine ausgiebige Entdeckungs- und Fototour gehen, wenn man sich für Skulpturen begeistert. Euch erwarten außerdem ein Paparazzo, Napoleon oder der dänische Schriftsteller Hans Christian Andersen. Man braucht nur die Augen offen zu halten!

Martinsdom Bratislava
Foto: Reise-Liebe

Krönungskirche St. Martinsdom

Die unzähligen Reisegruppen scheinen allerdings weniger die Skulpturen anzupeilen, sondern den St. Martinsdom. Diese Kirche ist nicht nur eines von zahlreichen Gotteshäusern im Zentrum von Bratislava: Es handelt sich um DIE Krönungskirche! In ihr wurden zwischen 1563 und 1830 zehn Könige, eine Königin und sieben königliche Gemahlinnen gekrönt.

Martinsdom Bratislava
Foto: Reise-Liebe

Zu jener Zeit nannten die Slowaken Bratislava noch Prešporok, die Deutschen Pressburg und die Ungarn Poszony. Die einzige im Dom gekrönte Königin war Maria Theresia, die ihre Krone am 25. Juni 1741 feierlich in Empfang nahm. Die ungarischen Magnaten unterstützten die Habsburgerin und waren bereit, für die Regentin „Leben und Blut“ zu opfern. Daraufhin brachte sie Reformen nach Bratislava, ließ einen Teil der Stadtbefestigung abreißen und die Burg zu einer königlichen, ihr würdigen Residenz umbauen.

Burg von Bratislava
Foto: Reise-Liebe

Burg von Bratislava

Die strahlend weiße Burg sieht man wegen ihrer exponierten Lage von vielen Ecken in Bratislava. Sie ist eine der Sehenswürdigkeiten, die man unbedingt abgeklappert haben sollte. Dorthin gelangt man durch eine Unterführung, da zwischen der Altstadt und dem Burghügel eine breite Schnellstraße verläuft. Auf dem Weg dorthin kommt man auch an einigen total ramponierten alten Häusern vorbei.

Die Burg von Bratislava lässt sich für 8 Euro besichtigen. Wer im Innern prächtige royale Gemächer erwartet, wird jedoch enttäuscht. Sie beherbergt ein Museum mit detaillierten Informationen zur Geschichte der Tschechoslowakei mit Exponaten zu Werbung, Alltagsleben, Kunst und Politik. Ansonsten hat man Zugang zu einem Musiksaal, einem hochherrschaftlichen Treppenhaus mit ganz viel Marmor und zum südwestlichen Turm, wo bis 1784 die Kronjuwelen bewacht wurden.

Barockgarten Burg Bratislava
Foto: Reise-Liebe

Draußen kann man durch den Barockgarten mit Steinskulpturen schlendern, sich auf der anderen Seite im Schatten der Bäume ausruhen oder sich an der Aussicht über die slowakische Hauptstadt und die Donau erfreuen. Die ist zwar nicht so spektakulär wie in Budapest, doch der Blick fällt sofort auf einen skurrilen Aussichtsturm am Pfeiler der Brücke des Slowakischen Nationalaufstands (Most SNP): das UFO.

UFO Bratislava
Foto: Reise-Liebe

Sehenswürdigkeiten Bratislava: UFO

In 80 Meter Höhe befindet sich ein 1974 eröffnetes Restaurant, in 95 Meter eine Aussichtsplattform, wo es fürchterlich windig ist und man eine Wahnsinnsaussicht hat. Die Fahrt mit dem Lift nach oben kostet Geld, wie kaum anders zu erwarten. Ich zahle also 7,40 Euro Eintritt, um in luftiger Höhe zu fotografieren und am 30. April bei wolkenlosem Himmel den Sonnenuntergang zu erleben.

Aussichtsplattform UFO Bratislava
Foto: Reise-Liebe

In der UFO-Bar genehmige ich mir ein paar Drinks – einen frisch gepressten Orangensaft, ein Glas Rotwein und einen fruchtigen Cocktail mit dem Karlsbader Kräuterlikör Becherovka. Man sollte sein menschliches Dasein mit Genuss und Reisen aufpeppen, auch wenn das UFO leicht wackelt und ich schwitzige Hände bekomme!

Dass ich nach dem Höhenrausch um über 20 Euro erleichtert bin, macht mir nichts aus: Der Ausblick, die Getränke, die untergehende Sonne und die genialen Fotomotive sind es mir wert. Am Donau-Ufer knipse ich noch ein bisschen weiter.

UFO Bratislava bei Nacht
Foto: Reise-Liebe

Singlefrauen-Diskriminierung

Wie schon am Vorabend bei einem Spaziergang am Fluss, als ich den einzigen wirklich unangenehmen Moment meiner Tschechien-Slowakei-Rundreise erlebe: In der Bootsbar Riva will ich einen Drink ordern und bitte den Kellner, mir die Karte zu bringen. Ich warte und warte, er bedient zig andere Gäste, von einer Karte keine Spur. Als er zu meinem Platz zurücktrottet, fordert er mich ziemlich genervt auf, mir eine andere Sitzgelegenheit zu suchen – immer noch keine Karte in der Hand. Nur kurz gebe ich ihm zu verstehen, dass sein Verhalten ein absolutes No-Go ist und verschwinde.

Für einen Moment bin ich innerlich auf 180 und fühle mich als Singlefrau diskriminiert. Derweil knutschen auch noch an der Promenade verliebte Paare und halten Händchen. Als ich mir dann klar mache, dass keine meiner Beziehungen eine Bereicherung auf Reisen war und jede meiner Sehnsüchte nur eine Fantasie ist, komme ich wieder runter von meinem Trip und trinke in der City in einer anderen Bar Cider. Auswahl gibt es schließlich genug!

Donauspaziergang Bratislava
Foto: Reise-Liebe

Sehenswürdigkeiten Bratislava: blaue Kirche

Themenwechsel: Etwa zehn Gehminuten außerhalb der Altstadt von Bratislava steht eine blaue Kirche, die eigentlich St. Elisabeth-Kirche heißt und wie eine giftigblaue Hochzeitstorte für Schlümpfe wirkt. Sie ist aber ein typisches Jugendstil-Kunstwerk. Zwischen 1907 und ’08 wurde sie nach Plänen von Ödön Lechner erbaut und zählt heute zu den beliebtesten Austragungsstätten für kirchliche Trauungen im Land.

Blaue Kirche Bratislava
Foto: Reise-Liebe

Wer in der blauen Kirche Hochzeit feiern will, sollte sie Jahre im Voraus reservieren – der Andrang ist riesig! Warum eigentlich? Auf der gegenüberliegenden Straßenseite ragen an unfertigen Betonklötzen Baukräne in die Höhe und mitten in diesem Nachkriegs-Wohnviertel erscheint die Kirche einfach deplatziert wie von einem anderen Stern.

Blaue Kirche Bratislava
Foto: Reise-Liebe

Die umgedrehte Pyramide

Genauso außerirdisch, aber auf völlig andere Weise, präsentiert sich das Gebäude des slowakischen Rundfunks: eine umgedrehte Pyramide, die ich gleichzeitig als „schön“ und „hässlich“ empfinde. Im Jahr 1984 wurde dort der Probe-Sendebetrieb aufgenommen, regelmäßige Sendungen folgten ein Jahr später. Betrachtet man das sozialistische Bauwerk von außen, mag man kaum glauben, dass sich in ihm ein Konzertsaal mit einer der größten Orgeln der Slowakei befindet, oder?

Umgedrehte Pyramide slowakischer Rundfunk
Foto: Reise-Liebe

Berlin-Bratislava-Special

Beim Fußmarsch vom Hauptbahnhof in die Altstadt kann man locker einen Abstecher zur Rundfunkanstalt machen. Ich werfe einen letzten Blick darauf, ehe ich am 1. Mai mit einem Eurocity ohne Umsteigen zurück nach Berlin fahre – für nur 39 Euro, sofern man das Berlin-Bratislava-Special bei der slowakischen Bahn bucht. Die Deutsche Bahn will mich doch glatt um das Doppelte berappen!

Vor der Rückreise besuche ich noch ein Konditorei-Museum in der Altstadt und mache eine Donau-Schifffahrt nach Wien. Freut Euch also auf weitere Geschichten meiner Tschechien-Slowakei-Reise! (as)

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