Karlsbad: mondäner Kurort in Tschechien

Karlsbad Karlovy Vary

Wer meine Reiseberichte kennt, der weiß, dass ich mondäne Orte mit altehrwürdigem Flair liebe. Zwar stand Karlsbad auf meiner Liste der möglichen Reiseziele nicht besonders weit oben, aber Mitte März bin ich einer spontanen Eingebung gefolgt und habe mir eine fünftägige Tschechien-Slowakei-Tour organisiert – mit Karlovy Vary, wie der Kurort auf Tschechisch heißt, als erster Station.

Zugfahrt zum Europa-Sparpreis

Knapp sieben Wochen vor Reiseantritt ergattere ich bei der Deutschen Bahn ein supergünstiges Ticket zum Europa-Sparpreis von nur 20 Euro und ein paar Zerquetschten. Am 26. April kurz nach sieben Uhr am Morgen geht’s los: Mit dem Eurocity Richtung Prag fahre ich vom Berliner Hauptbahnhof bis Ústi nad Labem und steige dort um. Dank über 20 Minuten Aufenthalt brauche ich mir keine Gedanken zu machen, den Anschlusszug in Richtung Cheb zu verpassen.

Kurort Karlsbad
Foto: Reise-Liebe

Aber hoppla, was soll denn diese Ansage im Waggon bedeuten? Habe ich richtig gehört, dass zwischen Ostrov und Karlovy Vary Schienenersatzverkehr mit Bussen besteht? Meine Kroatisch-Kenntnisse sind Gold wert, auch in anderen slawischen Sprachen Zusammenhänge zu verstehen.

„Fuck!“, denke ich mit Graus an den nervigen SEV in Berlin und erkundige mich mit den paar Tschechisch-Vokabeln, die ich mir während der Fahrt beigebracht habe, bei der Schaffnerin. Ja, mein sprachliches Verständnis war leider richtig, aber alles halb so wild: Am Ende komme ich nach fünfeinhalb Stunden der Anreise nur zehn Minuten verspätet in Karlsbad an – nicht überall ist Berlin, zum Glück! 😉

Karlovy Vary
Foto: Reise-Liebe

Zwei Bahnhöfe in Karlsbad

Was ich vorher nicht wusste: Meine erste Station in Tschechien hat zwei Bahnhöfe – einen am Rande des Zentrums (dolní nádraží) und einen zweiten, der etwas höher und am anderen Ufer der Eger (Ohře) liegt. Dort hält der Bus und ich könnte mich gleich mit einem Stadtbus ins Tal chauffieren lassen. Ich gehe zu Fuß – schließlich habe ich mir bei Google Maps die genaue Wegbeschreibung inklusive Karte ausgedruckt.

Trotzdem wird der zweite Bahnhof am nächsten Tag noch interessant für mich. Nach dem Checkout ist es nicht möglich, meinen Koffer in der Unterkunft zu deponieren, also lasse ich ihn für 50 tschechische Kronen (rund zwei Euro) in der Gepäckaufbewahrungsstation, um ohne schweren Ballast schöne Dinge zu unternehmen.

Zentrum von Karlsbad
Foto: Reise-Liebe

Kräuterschnaps Becherovka

Ich logiere in einem Hostel in der Nähe des Jan-Becher-Museums. Den Schluckspechten unter Euch dürfte der Karlsbader Kräuterbitterschnaps Becherovka ein Begriff sein. Vor der Gründung der Tschechoslowakei nach dem Ersten Weltkrieg, als Böhmen noch fast komplett deutschsprachig war, hieß das Gesöff aus Kräutern, Ölen und Alkohol „Karlsbader Becherbitter“.

Ich bechere lieber nicht. Wer neulich meinen Reisebericht über Wolfenbüttel gelesen hat, kennt meine Abneigung gegen Schnäpse – egal ob sie Becherovka oder Jägermeister heißen! Liebhaber harter Spirituosen können am Becherplatz in Karlovy Vary das Jan-Becher-Museum besuchen.

Jan Becher Museum Karlsbad
Foto: Reise-Liebe

Karlsbader Thermalquellen

Meine Becher-Aktivitäten bleiben nicht-alkoholischer Natur, immerhin ist Karlsbad seit dem 14. Jahrhundert für seine Thermalquellen bekannt. Über deren Entdeckung kursiert eine Sage über einen durstigen Hirschen, der mit seinen Hufen die erste warme Quelle freigestoßen haben soll.

Bestimmt ist es auch diesem Zauberwasser zu verdanken, dass der böhmische König und römisch-deutsche Kaiser Karl IV. Karlsbad am 14. August 1370 zur Königsstadt erklärt hat – daher rührt bis heute ihr Name. In den Quellen wurde zunächst nur gebadet, ab dem 16. Jahrhundert kam das Wasser auch bei Trinkkuren zum Einsatz.

Sprudel in Karlsbad
Foto: Reise-Liebe

Wenn man durch den charmanten, kaiserlich königlichen Kurort flaniert, kann man an vielen prachtvollen Plätzen seinen Durst stillen. Um das mit Stil zu tun, werden an Souvenirständen und in anderen Geschäften Schnabeltassen aus Porzellan verkauft. Sie kosten umgerechnet zwischen fünf und sieben Euro, es gibt sie in allen möglichen Formen und Farben und meist mit kitschigen Aufdrucken. Ich besorge mir eine Katze – zu Ehren von Kater Umi, dem meine Eltern ein schönes langes Leben ermöglichen.

Thermalquelle in Karlsbad
Foto: Reise-Liebe

Ob auch das Karlsbader Thermalwasser bei regelmäßigem Genuss das Leben verlängert? Ich bin mir – ganz ehrlich – nicht sicher, ob ich das täglich trinken könnte. Es ist zwischen 30 und über 60 Grad warm und schmeckt leicht salzig. Nach dem ersten Schluck bekomme ich sofort Assoziationen mit einer gelben Körperflüssigkeit, was wenig dazu beiträgt, dass ich das Wasser lecker finde.

Da das alles nur merkwürdige Gedanken sind, probiere ich es immer wieder – die eindrucksvollsten Orte mit Quellen sind die Kolonnaden im Zentrum: die Mühlenkolonnade mit ihrem Säulengang, die Marktkolonnade aus weiß lackiertem, geschnitzten Holz und die Parkkolonnade, in deren Nähe am 26. und 27. April Kirschbäume sattrosa blühen.

Marktkolonnade Karlsbad
Foto: Reise-Liebe

Ungefähr jeder Dritte hält in Karlsbad eine Schnabeltasse in der Hand – wie viele Liter Thermalwasser wohl täglich durch die Kehlen der Touristen und Kurgäste strömen? In der Sprudelkolonnade, einem funktionalen Bau von 1975, schießt es wie ein Geysir aus der Erde. Dieses Spektakel kann ich leider nur am Brunnen vor dem Gebäude erleben. In der Kolonnade finden zurzeit ein paar Bauarbeiten statt.

Jugendstil in Karlsbad
Foto: Reise-Liebe

Beliebt in Russland

Egal – das malerische Stadtzentrum mit seinen bunten, fabelhaft instandgehaltenen Jugendstilgebäuden entschädigt für die Tatsache, dass mir der Anblick, der größten Fontäne von Karlovy Vary verwehrt bleibt. In der Stadt, die mit Baden-Baden verpartnert ist, wimmelt es nur so von Edelboutiquen und Juwelieren, in deren Schaufenstern fette Klunker und teuere Uhren funkeln.

Vor den Läden stehen immer auch Schilder mit kyrillischen Buchstaben, auf der Straße höre ich mehr Russisch als Tschechisch. Solltet Ihr an dieser Stelle Böses denken, lasst Euch gesagt sein, dass reiche Russen dazu beitragen, dass die alten Häuser so tiptop renoviert sind. Schon Zar Peter der Große förderte in den Jahren 1711 und ’12 mit seinen Besuchen die Beliebtheit von Karlsbad in Russland und noch heute zieht der Ort seine Landsleute magnetisch an. Was ich gut verstehen kann!

Im Zentrum entdecke ich nur eine Bausünde: das Hotel Thermal, bei dem es sich um einen düsteren Klotz der kommunistischen Ära handelt. Obwohl man es in so einem Bunker nicht gerade erwartet, werden die Gäste auch hier mit luxuriösen Wellness-Angeboten verwöhnt.

Hotel Thermal Karlsbad
Foto: Reise-Liebe

Ein Bad in Karlsbad

Natürlich will ich auch die eine oder andere Kur-Anwendung mitmachen, wenn ich schon mal in der Stadt bin. Normalerweise sind Thermalbäder, Massagen und Co. auf die Hotels und Sanatorien beschränkt, doch in der Touristen-Information erfahre ich, dass zwei Spas eine Ausnahme machen: das Schloss-Spa (Zámecké Lázně) und das Elisabeth-Spa (Lázně V).

Schloss-Spa Karlsbad
Foto: Reise-Liebe

Im Schloss-Spa müsste ich ein mindestens zweistündiges Programm buchen, was mit Swimming-Pool, Sauna, Massage und Bädern echt verlockend erscheint. Zu romantisch ohne romantische Zweisamkeit! Also entscheide ich mich für ein 20-minütiges Sprudelbad im Elisabeth-Spa und zahle für diesen Spaß 398 Kronen (rund 16 Euro), eine Investition, die mir jeden Cent wert ist.

Das 1905 erbaute Jugendstil-Kurhaus liegt am Smetana-Park, wo gerade Tulpen ihre volle Blütenpracht zur Schau stellen. Eine echte Wohlfühloase! Wenn Ihr dort auch ins wohlig warme Karlsbader Thermalwasser eintauchen wollt, beachtet bitte, dass Ihr nicht sofort an die Reihe kommt, sondern an der Kasse Termine vergeben werden.

Elisabeth-Spa Karlsbad
Foto: Reise-Liebe

Am 27. April um 12:30 Uhr ist es so weit. Eine freundliche Bademeisterin geleitet mich in einem der vielen Badezimmer zu meiner ganz privaten Wanne, in der das pure Karlsbader Wasser meine Haut umspült. Wichtig ist, unmittelbar vor und nach dem Bad nicht zu duschen. Es war also völlig unnötig, mein Duschgel einzupacken, ebenso den Badeanzug. In die Wanne steigt man komplett nackt. Eine YouTube-Dokumentation über Karlsbad hat mich anderes vermuten lassen – da trug die Dame im Sprudelbad einen Bikini. Auch von mir gibt es jetzt keine Nacktfotos, sondern nur ein Bild der Wanne. 😉 Meinen Aufenthalt darin genieße ich von der ersten bis zur letzten Sekunde.

Thermalbad im Elisabeth-Spa Karlsbad
Foto: Reise-Liebe

Aussichtsturm Diana

Vor dem Bad betrachte ich das von grünen Wäldern umsäumte Städtchen von oben – vom Aussichtsturm Diana, zu dem für 60 Kronen (rund 2,50 Euro) pro Richtung eine Standseilbahn fährt. Ich bin faul und nehme sie für den Hinweg, um dann durch den Wald zurück ins Tal zu wandern.

Auf dem Berg gibt es nicht nur den Turm, sondern auch ein Restaurant, ein Schmetterlingshaus, einen Streichelzoo und prächtige Pfauen, die stolz ihr Gefieder präsentieren. Ein Ausflugsziel für die ganze Familie! Ich habe unglaubliches Glück mit dem Wetter und erlebe eine super Aussicht über Karlovy Vary und Umgebung.

Aussicht auf Karlsbad vom Diana Turm
Foto: Reise-Liebe

Was die Wanderwege betrifft, gilt anscheinend: Alle Wege führen nach Rom bzw. nach Karlsbad. Ich habe mehrere zur Auswahl und komme am Ende genau an der Sehenswürdigkeit an, die mir noch fehlt – die russisch-orthodoxe Kirche St. Peter und Paul mit den goldenen Zwiebeltürmen und der himmelblau verzierten Fassade, ein Bauwerk wie aus einem Märchen.

Kirche St. Peter und Paul Karlsbad
Foto: Reise-Liebe

Das Kaiserbad

Aber nein, dieses Märchen ist Realität, genau wie das Kaiserbad, das zurzeit renoviert und für 50 Kronen besichtigt werden kann. Ende des 19. Jahrhunderts wurde es von den Wiener Architekten Ferdinand Fellner und Hermann Helmer errichtet und 1895 in Betrieb genommen.

Kaiserbad in Karlsbad
Foto: Reise-Liebe

Seit 1958 steht es unter Denkmalschutz, doch die Zeiten der repräsentativen Kureinrichtung für betuchte Gäste gehören erst einmal der Vergangenheit an. Einen Blick kann man trotz der Renovierungsarbeiten in die wertvollste Badekabine werfen. Sie war für den Kaiser und andere Prominente bestimmt. Ein zweites Highlight in diesem ehemaligen Kurhaus ist der holzvertäfelte, mit Gemälden umrahmte Zandersaal im ersten Stock. Ein wirklich prunkvoller Ort für eine Turnhalle, wo ich mir eher klassische Konzerte vorstelle!

Zandersaal Kaiserbad Karlsbad
Foto: Reise-Liebe

Karlsbader Konzerte

Die bekommt man in Spa 3 (Lázně III) zu hören. Am 26. April spielt ein Streichorchester Werke des tschechischen Komponisten Antonín Dvořák. Außerdem treten in der Kirche St. Maria Magdalena die Sopranistin Karolina Janů, der Organist Josef Popelka und der Oboenspieler Jiři Sejkora auf.

Kirche St. Maria Magdalena Karlsbad
Foto: Reise-Liebe

Diese Dreier-Kombo sorgt unter dem Motto „Ave Maria“ mit Werken von Komponisten wie Bach, Händel, Haydn und Schubert für Abendunterhaltung. Die reich verzierte Kirche mit ihrer gewaltigen Akustik wird jeden Donnerstag zum Konzertsaal, der offenbar bei der russischen Gemeinde extrem beliebt ist. Ich freue mich auch über die Klänge, eine Hörprobe habe ich auf meinem Instagram-Kanal veröffentlicht.

Natürlich gibt es in Karlsbad noch so viel mehr zu sehen – Museen, Galerien, doch das Wetter ist einfach zu herrlich, um die Zeit in geschlossenen Gebäuden zu verbringen. Über eines werde ich noch berichten, allerdings erst im nächsten Artikel – seid gespannt! (as)

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