Ljubljana: Stadt der Brücken

Brücke in Ljubljana

Es ist eine Mammutfahrt von Berlin nach Ljubljana! Da ich der Meinung bin, dass ich zu viel fliege und damit die Umwelt verpeste, setze ich mich am 22. Mai um fünf Uhr morgens in einen Zug. Wegen Bauarbeiten ist die Abfahrt eine halbe Stunde früher als geplant. Ich versuche zu schlafen, aber wie auf langen Reisen üblich, gelingt mir das nicht.

In München muss ich umsteigen und habe anderthalb Stunden Aufenthalt. Passt wunderbar, um mir ein Mittagessen zu gönnen. Nach Slowenien bringt mich ein Eurocity mit Endstation Zagreb. Es regnet den ganzen Tag, so dass die majestätischen Bergpanoramen bei der Durchquerung Österreichs unter dicken Wolkenschwaden verschwinden.

Bei Villach geht es in den Karawankentunnel und nach einigen Minuten der Dunkelheit ändert sich die Landschaft schlagartig (und es regnet trotzdem weiter): Die Berge sind von einem kräftigen Grün überzogen. Ich bekomme sofort Lust, Slowenien mit dem Fahrrad zu erkunden – wie eine Mitreisende, mit der ich im Abteil geplaudert habe. Weil sie keine gültige Fahrradkarte hatte, musste sie in Villach aussteigen.

Ljubljanica
Verregnetes Ljubljana, Foto: Reise-Liebe

Verregnetes Ljubljana

Ich unterhalte mich weiter mit einer Slowenin, die mir ein paar Tipps für meinen Aufenthalt in Ljubljana gibt, mir allerdings keine Hoffnung auf blauen Himmel und Sonnenschein macht. Das Wetter sei schon den ganzen Monat eine Katastrophe. So bekomme ich in der slowenischen Hauptstadt kein einziges Mal die Sonne zu Gesicht. Gegen 18:30 Uhr bin ich endlich am Ziel und immer noch fit, die Stadt am Abend auf mich wirken zu lassen.

Ich habe mir ein zweckmäßiges Hostel-Zimmer mit Frühstück in der Innenstadt gebucht. Ausgerechnet in dieser Straße finden Bauarbeiten statt, der Asphalt ist komplett aufgerissen. Eine Viertelstunde laufe ich zum Bahnhof, fünf Minuten zum Markt und zum Fluss Ljubljanica.

Auf dem Markt kann man sich mit Obst und Gemüse eindecken und in den Bistros preiswert landestypisch essen. In Kroatien habe ich eine Liebe zu Štrukli entwickelt. Auch im westlichen Nachbarland gehören die süß oder herzhaft gefüllten Teigröllchen zu den nationalen Spezialitäten.

Slowenische Štrukli
Slowenische Štrukli, Foto: Reise-Liebe

Kreative Universitätsstadt

Der Markt ist der perfekte Ausgangspunkt für einen Brücken-Spaziergang am Fluss, denn Brücken bietet Ljubljana wirklich eine ganze Menge. Als Alternative kann man eine Bootstour machen. Bei meinem Rundgang fallen mir die üblichen Liebesschlösser und originelle Metall-Skulpturen von Tieren und Fantasiefiguren ins Auge.

Skulpturen in Ljubljana
Skulpturen, Foto: Reise-Liebe

Schnell wird mir klar: Diese Universitätsstadt ist jung und kreativ. Ich entdecke immer wieder Street Art an Gemäuern und lasse mich durch das alternative Kulturzentrum Metelkova treiben. Auf dem Gelände haben sich Clubs, Galerien und Off-Theater angesiedelt. Ein großer Teil dieser Kunst zieht mich vor den ehemaligen Kasernen-Gebäuden mit kreischenden Farben in ihren Bann. Wo einst die jugoslawische Volksarmee stationiert war, dürfen sich heute alle möglichen Freigeister wild und bunt austoben.

Autonomes Kunstzentrum Metelkova
Kunst in der Metelkova, Foto: Reise-Liebe

Zahlreiche Straßencafés

Wie überall in der Stadt, bleiben die Farben wegen des Wetters auch in der Metelkova ein bisschen trüb – da hilft im Nachhinein nicht einmal PhotoShop. Einige der vielen Straßencafés an der Ljubljanica haben Gasstrahler nach draußen gestellt. Die Kälte sorgt für wenig Gäste, die an lauen Sommerabenden sicherlich um Tische mit Flussblick kämpfen. Eingepackt in meine Jacke genehmige ich mir den einen oder anderen slowenischen Wein im Freien. Währenddessen frage ich mich, wie der Inhalt meines Koffers den Bedingungen der Reise standhalten soll …

Fluss Ljubljanica
Fluss Ljubljanica, Foto: Reise-Liebe

Burg von Ljubljana

Ich kann nicht leugnen, dass mich der Regen und der graue Himmel frustrieren. Dennoch beschließe ich, bei meinem Aufenthalt alles mitzunehmen, was geht. Um einen ersten Rundum-Blick zu gewinnen, mache ich den Aufstieg zur Burg. Wer nicht laufen möchte, hat die Option, mit der Standseilbahn nach oben zu fahren – oder, wie ich, später abwärts.

Auf der Burg hat man die beste Aussicht auf Ljubljana und die angrenzenden Berge. Das Zusammenspiel aus K.u.K.- und Jugo-Architektur erkennt man von oben um Längen deutlicher als unten in der Altstadt. Eine andere Perspektive aus der Höhe bietet das Café im Nebotičnik (zu Deutsch: Wolkenkratzer). Leider ist die Außenterrasse wetterbedingt geschlossen, so dass ich mich mit einem Blick aus dem Fenster begnügen muss.

Aussicht auf das Schloss von Laibach
Aussicht auf die Burg, Foto: Reise-Liebe

Der Eintritt in die Burg (aus früheren Zeiten als Schloss von Laibach bekannt) kostet 13 Euro. Es handelt sich um eine mittelalterliche Festung, die wahrscheinlich im 11. Jahrhundert zum ersten Mal erbaut wurde und heute ein wichtiges Wahrzeichen von Ljubljana ist. Teile der Anlage sind kostenlos begehbar, zum Beispiel das Gefängnis. Der Besucherandrang ist riesig, weil Busladungen von Asiaten zur Burg gekarrt werden. Diese Spezies von Touristen findet man in der Stadt zuhauf, allerdings nur an bestimmten Foto-Hotspots.

Aussicht von der Burg von Ljubljana
Aussicht von der Burg, Foto: Reise-Liebe

Die drei Brücken

Dazu gehören beispielsweise die drei Brücken (Tromostovje), die zum Prešeren-Platz mit der intensiv rosa strahlenden Franziskanerkirche Mariä Verkündigung führen. Wieso eigentlich drei Brücken direkt nebeneinander? Ljubljanas architektonische Besonderheit ist ein Werk des Architekten Jože Plečnik. Zwischen 1929 und 1932 ließ er neben der mittleren Steinbrücke von 1842 zwei weitere errichten. Die Mittelbrücke ersetzt eine Holzbrücke aus dem Mittelalter, die einst eine wichtige strategische Verbindung zwischen Nordwesteuropa und dem Balkan war.

Drei Brücken in Ljubljana
Drei Brücken, Foto: Reise-Liebe

Park Tivoli

Für mich ist sie eine gute Verbindung, um zum Park Tivoli zu gelangen. Diese größte Parkanlage von Ljubljana umfasst gigantische 500 Hektar. Sie übertrumpft den Englischen Garten in München oder das Tempelhofer Feld in Berlin, doch meine Stippvisite ist bei Regen keine sonderliche lange. Ich schaue mir das Schweizer Haus an, wo Künstler Ateliers haben und Ausstellungen veranstaltet werden. Da gerade keine Kunstwerke gezeigt werden, trinke ich nur Kaffee.

Schweizer Haus im Park Tivoli, Ljubljana
Schweizer Haus, Foto: Reise-Liebe

Slowenische Nationalgalerie

Nach einem Schwenker zum Teich mit der Fisch-Skulptur besuche ich die slowenische Nationalgalerie. Die Ausstellung enthält rund 600 Werke der europäischen und slowenischen Kunst vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert. Das Hauptgebäude erinnert an ein Schloss oder ein pompöses Theater. Kein Wunder: Der Prager Architekt František Edmund Škabrout hatte den Bau Ende des 19. Jahrhunderts an das Nationaltheater in Prag angelehnt.

Slowenische Nationalgalerie
Slowenische Nationalgalerie, Foto: Reise-Liebe

Die moderneren Bilder und Skulpturen befinden sich in einem zweiten Gebäude neueren Datums, das mit dem Komplex im Neorenaissance-Stil verbunden ist. In der Nationalgalerie kann man locker einige Stunden verbringen – nicht nur bei Regenwetter.

Slowenische Nationalgalerie
Nationalgalerie von innen, Foto: Reise-Liebe

Nachdem Ljubljana in meinem Kopf so ein graues Bild von sich hinterlassen hat, werde ich irgendwann wohl bei Sonnenschein zurückkehren. Schließlich bin ich häufig genug in Kroatien. (as)

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