Lissabon: drei Tage in der Stadt des Lichts

Lissabon Kurztrip

Im März habe ich einen Plan: meinen Geburtstag in Lissabon verbringen und ein paar Tage später mit meinen Freunden in Berlin feiern. Die Planung geht auf. Einen Tag vor dem Ereignis steige ich in Porto in einen Zug und erreiche die portugiesische Hauptstadt ungefähr vier Stunden später. Es regnet, der Himmel ist wolkenverhangen – das richtige Wetter für eine lange Zugfahrt. Das Ticket habe ich schon Ende Januar online gebucht und einen fetten Rabatt eingeheimst.

Ankunft in Santa Apolonia

Am Reiseziel gibt es zwei große Bahnhöfe: Oriente und Santa Apolonia. Letzterer befindet sich am Rande der historischen Altstadt, dort steige ich aus. Nach meiner Ankunft könnte ich die blaue der vier U-Bahn-Linien nehmen, um zu meinem B&B im hippen Stadtteil Chiado zu gelangen. Eine einfache Fahrt kostet 1,50 Euro. Ich gehe aber zu Fuß und lasse Lissabon zum ersten Mal live auf mich wirken. Es ist viel milder als im nördlichen Porto und am Himmel zeigen sich blaue Wolkenlücken, durch die eine wärmende Sonne strahlt.

Wundervolles Licht in Lissabon

Schon jetzt wird mir klar, warum Lisboa (sprich: Lischbua) den Beinamen „Stadt des Lichts“ trägt. Meine innerliche Sonne, die in Porto aufgegangen ist, beginnt zu glühen – nach einem dunklen Berliner Winter, den ich mit täglichen Vitamin-D-Tabletten halbwegs depressionsfrei überstanden habe.

Berühmter Platz in Lissabon
Handelsplatz in Lissabon, Foto: Reise-Liebe

Überfüllte Tram 28

Lissabons Licht tut meiner Seele gut. Die sieben Hügel, auf denen sich die Stadt am Fluss Tejo erhebt, trainieren meine Bein- und Arschmuskeln. Es geht ständig auf und ab. Durch die hügeligen engen Straßen tuckert eine altehrwürdige Tram, die auf unzähligen Lissabon-Fotos festgehalten ist: die Linie 28. Eine Fahrt quer durch die Altstadt steht auf meiner Liste weit oben. Am Ziel angekommen, verwerfe ich den Plan, denn in der Straßenbahn stapeln sich Touristen wie in einer Sardinenbüchse. Würde ich das genießen? Definitiv nicht! Apropos Sardinenbüchsen: Die werden in so manchen Läden als stylisch designte Mitbringsel angeboten, aber ich mag Fisch nun mal lieber lebend.

Tram 28 Lissabon
Tram 28, Foto: Reise-Liebe

Bootsfahrt auf dem Tejo

Als Hai im Sternzeichen Fische geboren, zieht es mich seit jeher ans Wasser. Nachdem ich den prächtigen Praça do Comércio (zu Deutsch: Handelsplatz) mit dem Triumphbogen und der Reiterstatue von König José I. bestaunt habe, folge ich den kreischenden Möwen ans Flussufer.

An der Promenade tummeln sich Straßenmusiker, denen man beim Spaziergang oder einem Absacker in den Cocktailbars und Cafés lauschen kann. Spontan mache ich eine Bootsfahrt Richtung Belém, ein Stadtteil im Lissaboner Westen.

Obwohl es am Tag meiner Ankunft recht wolkig ist, kann ich Euch solch einen Ausflug wärmstens empfehlen. Ich war zwar noch nie da, aber ich frage mich: Könnte es so in San Francisco sein? Der Grund ist eine Brücke, die über den Tejo führt und den Stadtteil Alcantara mit der Gemeinde Almada verbindet. Die Ponte 25 de Abril erinnert stark an die Golden Gate Bridge. Das Boot unterquert sie – wie zahlreiche Segelboote, auf denen man ebenfalls Ausflüge buchen kann. Bei sommerlicher Wärme im Sonnenuntergang mit Zweisamkeit sicher ein hochgradig romantisches Vergnügen!

Am Ufer warten weitere Sehenswürdigkeiten wie das Denkmal der Entdeckungen (Padrão dos Descobrimentos), das Kloster und der Turm von Belém. An letzterem könnte ich aussteigen und mit dem nächsten Boot zurück ins Zentrum schippern. Ich lasse ihn vom Wasser aus auf mich wirken – wie kurz vor meiner Rückkehr die leuchtend gelben Prachtbauten auf dem Praça do Comércio. Am nächsten Tag – der Himmel bleibt für den Rest meines Kurztrips wolkenlos – ärgere ich mich ein bisschen, dass ich mich unter dicken Wolken für Bootsfahrt entschieden habe.

Ponte 25 de Abril Lissabon
Ponte 25 de Abril, Foto: Reise-Liebe

Fado-Metropole Lissabon

Mein Herz schlägt nicht nur für Wasser, sondern auch für Musik. In Lissabon singt man Fado: Die Lieder bringen meine Seele zum Schwingen. Zwar verstehe ich Portugiesisch nur in groben Zusammenhängen, doch Sehnsucht und unglückliche Liebe strömen aus den Texten, auch ohne die genaue Bedeutung der Worte zu kennen.

Ich lasse mich Richtung Alfama treiben, dem Stadtbezirk, der für den Fado berühmt ist. Zufällig lande ich zum Abendessen im Restaurant Pastel do Fado, es ist der letzte Abend vor meinem Geburtstag. Ich genehmige mir ein zünftiges Mahl und Wein. Das absolute Highlight ist der Gesang von Maria, die vor meinem Tisch mit ihrer Gitarre Platz nimmt und sich beim Singen selbst begleitet.

Fado Lissabon
Fado-Sängerin Maria, Foto: Reise-Liebe

Ihre melancholische Vortragsweise berührt mich und sorgt dafür, dass ich länger bleibe und mir sogar ein süßes Dessert bestelle. Nicht jeder weiß das zu würdigen. Eine Gruppe an der Bar quatscht lautstark durcheinander – sehr zum Ärger von Maria, die die Leute zurechtweist. Den meisten anderen geht es wie mir. Sie hören gebannt zu und machen ihr hinterher Komplimente.

Es bleibt nicht mein einziges Fado-Erlebnis, allerdings mit Abstand das ergreifendste. Am letzten Abend habe ich keine Lust, Chiado zu verlassen und begebe mich ins Restaurant O Faia, das nur wenige Gehminuten von meiner Pension in der Rua dos Flores entfernt ist. Es stellt sich als hochpreisiger Schuppen heraus. Vier Sänger treten bis kurz vor Mitternacht auf, doch keiner kann Maria das Wasser reichen. Nach drei Tagen in Lissabon bedauere ich ein bisschen, dass ich nicht noch mehr Fado-Lokale in Alfama besucht habe.

Panorama in Lissabon
Abendstimmung in Lissabon, Foto: Reise-Liebe

Zahllose Restaurants & Bars

Es gibt aber auch wirklich massenhaft Restaurants, Bars und Cafés in der Stadt! Die Wahrscheinlichkeit, dass man zweimal in dem gleichen Laden speist, ist damit gering. Besonders angetan bin ich als Verfechterin fleischloser Kost von der portugiesischen Küche nicht. Wie bereits in meinem Reisebericht über Porto erwähnt, hat man traditionell die Wahl zwischen Carne (Fleisch) und Peixe (Fisch). Außerdem lieben Portugiesen überbackenen Toast. Begeistern können sie mich mit der Lissaboner Kalorienbome Pasteis de Nata, einem Blätterteig-Törtchen mit Puddingfüllung.

Restaurants in Lissabon
Gebratenes Gemüse, Foto: Reise-Liebe

Das dachlose Kloster

Neben Musik und Kulinarik bietet Portugals Hauptstadt Unmengen von Galerien und Museen. Bei 22 Grad und Sonnenschein beschäftige ich mich lieber in sommerlicher Garderobe mit Sightseeing unter freiem Himmel. Zwei Sehenswürdigkeiten solltet Ihr unbedingt abklappern: das Convento do Carmo und das Castel de São Jorge.

Das Convento do Carmo in der Nähe meiner Unterkunft ist ein ehemaliges Karmeliter-Kloster ohne Dach, wo man das herrliche Lissaboner Licht genießen kann. Weniger herrlich kommt seine Geschichte daher: Bei einem schweren Erdbeben im Jahr 1755 wurde das Bauwerk zerstört. Die Besichtigung der Ruinen kostet vier Euro.

Convento do Carmo
Dachlose Klosterkirche, Foto: Reise-Liebe

Castel de São Jorge

Sechs Euro mehr zahlt man für den Eintritt in die Burg Castel de São Jorge, nichtsdestotrotz lohnt sich die Investition. Dort oben auf dem Berg erlebt man einige der spektakulärsten Lissabon-Panoramen. Außerdem erhält man Zugang zu einer Festungsanlage die vor dem elften Jahrhundert entstanden sein soll – inklusive archäologischer Ausgrabungen. Der Besucherandrang ist riesig, trotzdem geht an der Kasse alles ganz schnell und auf dem Burggelände verlaufen sich die Massen.

Castel de Sao Jorge, Lissabon
Castel de Sao Jorge, Foto: Reise-Liebe

Top-Aussichtsplattformen

So spaziere ich von einem Aussichtspunkt zum nächsten. Als wahrer Touristenmagnet gilt der Elevador de Santa Justa. Unten vor dem Aufzug im Stadtteil Baixa hat sich so eine lange Schlange gebildet, dass ich frustriert das Weite suche. Später mache ich eine zufällige Entdeckung: Auch oben von Chiado aus gibt es in unmittelbarer Nähe des dachlosen Klosters einen Zugang für nur 1,50 Euro ohne Anstehen. Und die Aussicht ist einfach phänomenal!

Aufzug Elevador de Santa Justa
Elevador de Santa Justa, Foto: Reise-Liebe

Zu den Top-Aussichtsplattformen gehört ebenfalls der Triumphbogen. Für drei Euro bezwingt man mit dem Aufzug und über die Treppen die Höhe.

Auf dem Triumphbogen in Lissabon
Auf dem Lissaboner Triumphbogen, Foto: Reise-Liebe
Steinmetzarbeiten auf dem Lissaboner Triumphbogen
Figur auf dem Triumphbogen in Lissabon, Foto: Reise-Liebe

Magnet für Kreative

Die Skyline von Lissabon wird mir noch lange in Erinnerung bleiben, ebenso die Street Art. Obwohl die Stadt durch den Massentourismus ihre Authenzität verliert, bemerkt man an jeder Ecke, dass es sich um einen Magneten für Kreative und Künstler jeder Art handelt. An Gemäuern prangen farbenfrohe Kunstwerke, selbst manche Trams sind mit Graffiti verziert. Ich schlendere vorbei an bunten Türen und mit Fliesen verzierten Hausfassaden – die Azulejos sind mir bereits in Porto ins Auge gefallen. Hier glänzen sie in der Sonne, die ihre Farben wunderbar zur Geltung bringt.

Street Art in Lissabon
Lissabon Street Art, Foto: Reise-Liebe
Hauseingang in Lissabon
Bunte Tür in Lissabon, Foto: Reise-Liebe

Ausflug nach Cascais

Dennoch nervt mich der touristische Trubel irgendwann: Mit dem Doppeldecker-Bus verlasse ich die Innenstadt. Zuerst hält er in Belém, wo ich die imposante Klosterkirche besuche und an der Flusspromenade entlang flaniere. Die Besteigung des Torre de Belém klemme ich mir. Wie Ihr auf dem Foto erkennen könnt, ist hier Warten in der Schlange angesagt.

Turm von Belém, Lissabon
Torre de Belém, Foto: Reise-Liebe
Kloster Belém, Lissabon
Kloster von Belém, Foto: Reise-Liebe
Cascais, Portugal
Zentrum von Cascais, Foto: Reise-Liebe

Also nehme ich den nächsten Doppeldecker-Bus und kehre der Stadt den Rücken. Mit dem Atlantik zu meiner Linken steuere ich das malerische Seebad Cascais an. Ich bummele durch die Gassen, wate mit den Füßen am Sandstrand durchs Meer und erlebe am Felsen Boca do Inferno wieder, dass die Natur der größte Künstler aller Zeiten ist.

Boca do Inferno, Cascais
Boca do Inferno, Foto: Reise-Liebe

Bei moderatem Besucherverkehr hole ich mir einen Vorgeschmack auf den Sommer, bevor ich mich am nächsten Tag von Lissabon verabschiede. Ich fliege wieder mit Ryanair nach Berlin-Schönefeld, zum Flughafen bringt mich für zwei Euro die U-Bahn. (as)

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