Porto: ein Tag in der Stadt des Portweins

Porto am Douro

Während Mitte März ein Sturmtief das nächste jagt, entfliehe ich dem Dauerregen und erhebe mich mit Ryanair über die grauen Wolken. Drei Stunden nach dem Start in Berlin-Schönefeld landet die Maschine am Flughafen von Porto, der zweitgrößten Stadt von Portugal.

Ich hätte die Option, mit der Metro ins Zentrum zu fahren. Weil es aber schon sehr spät am Abend ist, habe ich mir einen Uber-Fahrer organisiert, der mich schnell und bequem für 20 Euro zu meinem Airbnb-Zimmer in Vila Nova de Gaia bringt. Ich logiere also nicht direkt am Reiseziel, allerdings trennt die beiden Städte nur der Fluss Douro. Nach einem kurzen Spaziergang über die Brücke Luis bin ich schon mitten im historischen Zentrum von Porto.

Viele barocke Kirchen

Erst einmal plumpse ich in die Federn, um mich nach dem Erwachen am 16. März von morgens bis abends durch die Portwein-Metropole treiben zu lassen. Dicke Nebelschwaden hängen über dem Fluss. Auf meinem Weg über die zweistöckige Brücke, über die in der oberen Etage auch die gelbe Metro-Linie rollt, kann ich im Umkreis von drei Metern nichts mehr sehen.

Zum Glück verflüchtigt sich der Nebel ziemlich fix. Bis zum späten Nachmittag zeigt sich kaum ein Wölkchen am tiefblauen Himmel. Unter der Sonne des Südens blühen längst Magnolien und andere üppige Frühlingsblüten.

Frühling in Porto
Magnolien in Porto, Foto: Reise-Liebe

Der alte Kern von Porto erweist sich als hügelig. An zahlreichen Häuserfassaden fallen mir bunte Fliesen auf, die sogenannten Azulejos, die in den Touri-Kitschläden an jeder Ecke als Portugal-Mitbringsel verramscht werden. Auch Kirchen werden mit den glasierten Keramikplatten verkleidet. Man denke etwa an die Igreja de Santo Ildefonso. Wer gerne Gotteshäuser besucht, ist in der Kulturhauptstadt von 2001 bestens aufgehoben. Im Laufe des Tages wandele ich durch so manche prunkvoll geschmückte heilige Halle aus der Barockzeit. Bei all dem Pomp in den Kirchen wird deutlich: Portugal ist ein streng katholisches Land.

Kirche in Porto
Kirche in Porto, Foto: Reise-Liebe

Massenandrang in Porto

Als touristischer Hotspot gilt der Torre dos Clérigos, der zu der Kirche São Pedro dos Clérigos gehört. Der zwischen 1754 und 1763 errichtete Glockenturm sticht aus dem Stadtbild hervor und soll eine phänomenale Aussicht gewähren. Nicht die fünf Euro Eintritt halten mich ab, das Bauwerk des italienischen Architekten Niccolo Nasoni zu besteigen, sondern die lange Schlange von Menschen.

Fakt ist: Nach Porto strömen im März schon Massen aus der ganzen Welt! Kein Wunder – die angenehmen, frühlingshaften Temperaturen laden ein zu einem ausgedehnten Stadtbummel. Im Sommer wäre es wahrscheinlich zu heiß. Außerdem wurde die Altstadt 1996 ins UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen und 2017 landete Porto im Voting von European Best Destinations auf Platz eins.

Porto Architektur
Bunte Häuser in Porto, Foto: Reise-Liebe

Möglicherweise hat diese jährliche Wahl dazu beigetragen, dass ich das märchenhafte Innere der Buchhandlung Lello nicht zu Gesicht bekomme. Der holzverkleidete Laden mit der fantasievollen Treppe soll Joanne K. Rowling zu „Harry Potter“ inspiriert haben. Wohl auch ein Grund für den Massenandrang vor dem Geschäft, das fünf Euro Eintritt verlangt! Eines weiß ich sofort: Erstens bin ich zu ungeduldig für ewig langes Warten, zweitens verfliegt mir der Genuss, wenn selbst der prachtvollste Raum überrannt wird. Und ich möchte doch auf meinen Reisen entspannen statt verbissen von einer Sehenswürdigkeit zur anderen zu hetzen!

Mir vergeht ein wenig das Lächeln, doch auf der Prachtstraße Avenida dos Aliados gewinne ich es zurück – beim Anblick der Skulptur eines nackten Mädchens. Das Gesicht der Figur „A Juventude“ (Allegorie an die Jugend) strahlt bis über beide Ohren!

Allegorie an die Jugend, Porto
A Juventude, Foto: Reise-Liebe

Lokale Spezialität Franchesinha

Nach einiger Zeit auf den Beinen bekomme ich Hunger. In der Markthalle besorge ich mir Obst und einen Smoothie und will zum Mittagessen unbedingt Portos kulinarische Spezialität kosten: Franchesinha. Es gibt nur ein kleines Problem, denn das kalorienreiche überbackene Toast-Sandwich ist fleischig. Überhaupt hat man es in Portugal als Vegetarier nicht gerade leicht, die Einheimischen lieben Carne (Fleisch) und Peixe (Fisch). Das habe ich schon 2014 auf der Blumeninsel Madeira bemerkt.

In dem Moment erweist sich mein Smartphone als Guide. Ich googele Franchesinha-Restaurants für Vegetarier und der Navi von Google Maps lotst mich innerhalb weniger Minuten zum Lokal Franchesinhas da Baixa. Dort wird die Delikatesse sogar vegan serviert – ohne das obligatorische Spiegelei und mit milchfreiem Käse. Die Fleischfüllung besteht aus Seitan und Räucherwürstchen. Ganz ohne Tier ist mir mein Essen inzwischen eh am allerliebsten!

Zu Franchesinha isst man Pommes. Sie werden in die würzige Soße getunkt, die mir hervorragend schmeckt und Senf und Bier enthält. Apropos Bier: Zu der Kalorienbombe trinkt man die lokale Marke Super Bock. Ich bestelle ein Mädchenbier mit Beerengeschmack, obwohl mir der Psychotest eines Datingportals eine starke männliche Seite diagnostiziert hat. 😉 Wohl weniger bei der Nahrungsaufnahme.

Franchesinha, Spezialität aus Porto
Franchesinha, Foto: Reise-Liebe

Der berühmte Portwein

Mein kulinarischer Streifzug geht noch weiter. Nachdem ich in der Nähe der Kathedrale eine Super-Aussicht genossen habe, flasht mich zuerst das Fluss-Panorama auf der Brücke Luis, dann der Portwein in den Weinkellern von Vila Nova de Gaia. Spaß! Natürlich bin ich nicht zum Saufen nach Portugal gejettet. Um am anderen Ende der Brücke zum Flussufer mit den renommierten Weinhäusern wie Sandeman, Burmester, Ferreira oder Graham’s hinabzusteigen, gönne ich mir eine Fahrt mit der Seilbahn Teleferico de Gaia. Hin und zurück kostet die Tour neun und in eine Richtung sechs Euro.

Teleferico de Gaia
Teleferico de Gaia, Foto: Reise-Liebe

Ich schwebe über die Weinlokale und die Promenade, auf der es sich herrlich flanieren lässt. Derweil bewundere ich am anderen Ufer des Douro die farbenfrohen Häuser von Porto. Dort werde ich nach meiner Weinprobe noch vorbeischauen.

Die Weinhersteller geben den Besuchern die Chance, ihre Keller zu besichtigen. Bei so viel berauschendem Sonnenschein mache ich aber lieber draußen eine Verköstigung mit drei Sorten Portwein und stelle fest: Er ist süß, viel süßer als gewöhnlicher Wein.

Weinkeller in Porto
Weinkeller von Sandeman, Foto: Reise-Liebe

Der Portwein hat eine lange Tradition, die eng mit Großbritannien verknüpft ist. Im Jahr 1703 unterzeichneten die Portugiesen und die Engländer den Methuenvertrag. Daraufhin durfte England zollfrei Wolltuch nach Portugal exportieren, während für portugiesische Weine beim Import nach England ein Drittel weniger Zölle berechnet wurde als für französische. Dies beflügelte den Anbau von Wein im Hinterland von Porto und Englands Nachfrage nach Portwein stieg im 18. Jahrhundert immens.

Locker beschwingt freue ich mich über das lebendige Leben an beiden malerischen Fluss-Promenaden. Auf der Seite gegenüber der Weinkeller tummeln sich vor den Cafés und Restaurants Straßenkünstler wie Akrobaten und Musiker, während Marktstände um das Geld der Touristen buhlen.

Straßenkunst in Porto
Akrobaten in Porto, Foto: Reise-Liebe

Ausflug zum Atlantik

Am späten Nachmittag will ich endlich den Atlantik sehen. Über dem Douro kreischen Möwen und deuten an, wie nah der Ozean ist. Eine Dame in der Touristen-Information empfiehlt mir den Bus 500. Ein Deutscher, mit dem ich bei der Weinprobe plaudere, rät mir, in die altehrwürdige Straßenbahn zu steigen. Der Bus würde mit Sicherheit im Stau stehen.

Die Tram reizt mich mehr, obwohl den ganzen Tag lang Fahrgäste in ihr eingepfercht waren wie in einer Sardinenbüchse. An der Haltestelle positioniere ich mich so günstig, dass ich rasch drinnen bin und einen Platz ergattere. Nicht alle haben so viel Glück! Voreilig kaufe ich mir einen Hin- und Rückfahrschein für sechs Euro – um dann zu bereuen, nicht auf die Lady im Touri-Office gehört zu haben.

Alte Tram in Porto
Alte Tram in Porto, Foto: Reise-Liebe

Kurz vor dem Ziel kommt die alte Bahn ins Stocken und kann sich mindestens eine Viertelstunde nicht fortbewegen, weil parkende Autos die Schienen blockieren. Für die Rückfahrt kommt gar keine mehr – wider der Infos auf dem Fahrplan. Glücklicherweise ist die Haltestelle für Bus 500 nicht weit.

Trotz der Komplikationen empfehle ich Euch, in Porto einen Abstecher zum Meer einzuplanen. Gewaltige Wellen preschen an die beiden Leuchttürme. Am Horizont versinkt allmählich die Sonne im Atlantik. Die wunderbar raue Romantik solltest Du auf jeden Fall mit Deinem Partner teilen, wenn Du einen hast.

Faro von Porto
Leuchtturm von Porto, Foto: Reise-Liebe

Beste Sangria in Porto

Nach meinem Ausflug zum Strand mache ich einen Absacker in der Champanheria da Baixa. Laut einer WDR-Doku mit meiner Lieblings-Reisereporterin Tamina Kallert wird in dieser stylischen Bar Portugals beste Sangria ausgeschenkt, wahlweise mit Portwein oder Champagner. Obwohl ich die reguläre Version mit Sekt ordere, schätze ich mich glücklich, Taminas Tipp befolgt zu haben. Nie im Leben wurde mein Gaumen von perfekterer Sangria gekitzelt. Diese hat eine kräftige Erdbeer-Note, in dem Gesöff schwimmen auch Stückchen der von mir so heiß geliebten Frucht. Selig lasse ich den Tag ausklingen und bin schon voller Vorfreude auf mein nächstes Ziel Lissabon.

Bahnhofshalle Sao Bento
Bahnhofshalle, Foto: Reise-Liebe

Ein Bahnhof wie ein Museum

In Portugals Hauptstadt fahre ich mit dem Zug. Los geht’s am Bahnhof São Bento, der wie ein Museum gestaltet ist. Die Wände der Bahnhofshalle erzählen Geschichten auf Azulejos, entworfen von dem Maler Jorge Colaço. Egal ob Du Porto mit der Bahn verlässt oder bleibst, zum Betrachten der Kunstwerke lohnt es sich, Dir im Bahnhof etwas Zeit zu nehmen. (as)

3 Gedanken zu „Porto: ein Tag in der Stadt des Portweins“

  1. Interessant, das beim Import der Weine aus Portugal so viel weniger Zollgebühren fällig sind, als aus Frankreich. Ich war einige Zeit lang im Import und Export tätig. Wenn die Bahnfracht aus China kam, dann konnte ich mich immer auf hohe Zollgebühren einstellen, aber man kalkuliert das alles ja ein.

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