Ballonfahrt in Kappadokien im Morgengrauen

Ballonfahrt in Kappadokien

Im Frühjahr 2011 habe ich zum ersten Mal von der Möglichkeit einer Ballonfahrt in Kappadokien gehört – lang ist’s her! Ich sammelte bei meinem reiselustigen Onkel Urlaubsideen und er ließ dabei verlauten, dass ihn solch ein Abenteuer unheimlich reizen würde – er habe die märchenhafte Berglandschaft in der Türkei noch nie mit eigenen Augen gesehen.

Vielleicht war es meine Bestimmung, dass ich diesen Reisetraum an seiner Stelle realisiere: Im Juni 2012 ist mein Onkel schon neun Monate tot. Ich dagegen bin noch in einem etwas anderen Leben gefangen und habe eine Türkei-Gruppenreise bei Berge & Meer gebucht – Zwangsbesichtigungen von Teppich-, Schmuck- und Leder-Shops mit aufdringlichem Verkaufspersonal inklusive!

Ballonfahrt Kappadokien
Foto: Reise-Liebe

Ballonfahrt in Kappadokien: 150 Euro

Ballonfahren in Kappadokien ist auf dieser Billig-Rundreise nicht im Preis inklusive, das kostet 150 Euro extra. Am ersten Tag zögere ich: schließlich eine schöne Stange Geld für einen so kurzen Ausflug! Während sich ein paar Mitreisende ganz früh am nächsten Morgen in die Lüfte emporschwingen, wälze ich mich unruhig im Bett hin und her. Eine innere Stimme schimpft mit mir: Wie könnte ich mir bloß eine Ballonfahrt in Kappdokien entgehen lassen? Die Kohle wäre es alle Male wert!

Ballonfahrt in Kappadokien
Foto: Reise-Liebe

Ich stehe auf, gehe zum Reiseleiter und buche meine allererste Fahrt in einem Heißluftballon, die ich per Kreditkarte bezahle. Kurz vor vier Uhr werde ich am nächsten Morgen von einem Minibus vor dem Hotel abgeholt, draußen ist es noch stockduster. Wir werden zu einem Reisebüro chauffiert, wo wir ein paar Minuten Aufenthalt haben. Dort steigt der Pilot zu und weiter geht’s zum Startplatz in der Nähe von Göreme.

Ballonfahren Kappadokien
Foto: Reise-Liebe

Adrenalin pur im Ballon

Ballonfahren in Kappadokien ist ein Spektakel, das in dieser Gegend der Türkei zahlreiche Touristen interessiert. Schon mehrere luftleere Ballonhüllen liegen zwischen fünf Uhr und halb sechs im sandfarbenen, staubigen Gelände – darauf wartend, mit Heißluft gefüllt zu werden.

Eine Menschentraube lauert mit Fotoapparaten vor den rotweißen Ballons, die mit einer Art Flammenwerfer in die Höhe getrieben werden. In dieser Menge stehe ich, kann den Finger kaum vom Auslöser nehmen und denke an meinen Onkel, der in den 52 Jahren seines Lebens viel von der Welt gesehen hat, dieses Schauspiel aber nicht.

Ballonfahrt in Kappadokien
Foto: Reise-Liebe

Meine Flugangst habe ich irgendwann vor ein paar Jahren bei meinem ersten Transatlantikflug abgestreift. Je höher die Ballons in eine abflugbereite Position aufsteigen, desto schwitziger werden wahrscheinlich meine Hände. Im Flugzeug düse ich immerhin in einer geschlossenen Kabine durch die Luft, ein Heißluftballon dagegen ist offen. Vorfreude und Abenteuerlust machen sich aber in mir breit, als ich in den Korb klettere.

Ballonfahren Kappadokien
Foto: Reise-Liebe

Berge wie Zuckerhüte & Pilze

Ganz sanft schwebe ich mit dem Piloten und bestimmt zehn weiteren Passagieren in die Höhe. Noch dämmert es am wolkenlos blauen Himmel über Kappadokiens Bergen, die aus einem surrealistischen Gemälde von Salvador Dalí stammen könnten.

Die Felsen sind geschwungen wie Wüstendünen, wie Zuckerhüte, Pilze und Indianerzelte aus sandfarbenem Gestein. In dieser Landschaft fängt die Fantasie an, sich zu erheben wie der Heißluftballon, in dem ich all diese Formationen von oben betrachten darf. Wir befinden uns vielleicht einige hundert Meter über dem Boden, ein Riesen-Geschwader an anderen farbenfrohen Ballons bevölkert um uns herum den Morgenhimmel.

Dalí hätte sich hier in Kappadokien mit Sicherheit hochinspiriert gefühlt! Mein leicht mulmiges Gefühl löst sich auf in der Luft, durch die ich ohne Ruckeln und Schaukeln gleite und wo mir ein Motiv spektakulärer als das andere erscheint.

Ballonfahren Kappadokien
Foto: Reise-Liebe

Urkunde & süßer Sekt zum Abschied

Über eine Stunde genieße ich den Ausblick auf die meisterhaften Künste der Natur, bis wir auf einer sandigen Grasfläche landen. Sacht setzt der Korb auf der Erde auf. In Herzform und mit Rosen dekoriert baut das Ballonfahrts-Personal Sektgläser vor uns auf. Das Gesöff schmeckt aber so eklig süß, dass ich nur einmal daran nippe und den Rest stehen lasse.

Jeder Teilnehmer erhält nach der Ballonfahrt in Kappadokien außerdem eine Flug-Urkunde: Meine, auf der ich „Aumike Senger“ heiße, steht bis heute neben dem Bild meines Onkels im Wohnzimmer-Regal. (as)

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