Berlin-Usedom-Radweg: Auf zwei Rädern an die Ostsee

Berlin Usedom Radweg

Ohne Corona wäre ich wohl nicht auf die Idee gekommen, auf dem Berlin Usedom Radweg bis zur Insel zu fahren. Ausgerechnet während des Lockdowns Anfang April, als wir alle brav zu Hause bleiben sollen, entdecke ich die Route. Nachdem ich mit der Berliner S-Bahn nach Bernau gefahren bin, folge ich dem Radwanderweg spontan bis Joachimsthal.

Während dieser Tagestour, die ich nach dem Etappenziel in Chorin enden lasse, wird meine Begeisterung für die Landschaft entfacht. Ich durchquere dichte Wälder und werde immer wieder von klaren brandenburgischen Seen zum Halten animiert. An Gewässern wie dem Werbellinsee werden Erinnerungen an Natur-Erkundungen in Finnland wach. Im April habe ich auch noch Hoffnung, den Mittsommer in Skandinavien erleben zu dürfen …

Auf dem Fahrrad sind der nächste Fernseher, Mutti und ihr Top-Virologe weit weg. Der Fahrtwind lässt mich frei durchatmen, so dass ich Mitte Juni kurzfristig beschließe, den Berlin-Usedom-Radweg bis zur Insel fortzusetzen. Genau dort, wo die erste Etappe im Frühling endete: Zwei Regionalzüge bringen mich zurück nach Joachimsthal. Am Bahnhof finde ich auch sofort einen Wegweiser für meine Strecke.

Taubenturm Glambeck
Taubenturm in Glambeck, Foto: Reise-Liebe

Reise auf dem Berlin Usedom Radweg

Von Joachimsthal bis Prenzlau

Auf spärlich befahrenen Landstraßen leiten mich Tour-Wegweiser zum Wahrzeichen des Dorfes Glambeck: zum Taubenturm, in dem sich das Redern-Museum befindet. Da in ihm wie überall ein hochgefährliches Virus sein Unwesen treiben soll, ist die Ausstellung bis auf Weiteres geschlossen. Genau wie der Radweg zwischen Glambeck und Wolletz, allerdings wegen Bauarbeiten bis zum 30. September 2020. Schilder fordern Radler auf, eine Ausweichroute Richtung Görlsdorf zu nehmen. Ich empfehle Dir, auf dieser Straße durch den Wald rechts nach Wolletz abzubiegen. Wer geradeaus weiterfährt, verkürzt zwar die Radtour, verpasst aber eine uckermärkische Seeidylle mit Picknick-Platz.

See in der Uckermark
See in der Uckermark, Foto: Reise-Liebe

In der wunderschönen Uckermark voller verwunschener Wälder und Seen beginnt eine hügelige Endmoränen-Landschaft, die Radlern ein ständiges Auf und Ab beschert. Bei Hitze wie am 16. Juni lohnt es sich, mehrmals am Wasser wie dem Oberuckersee in Warnitz zu halten und sich abzukühlen. Erfrischungen kann man sich auch an Radwander-Rastplätzen besorgen. In Steinhöfel gibt es Apfelschorle für nur einen Euro und selbstverständlich gaaaanz viel Abstand zu anderen Radreisenden.

Mohnfeld in der Uckermark
Mohnfeld in der Uckermark, Foto: Reise-Liebe

Auf dem Weg zum Etappenziel Prenzlau düse ich an riesigen Mohnfeldern vorbei. Wie rote Teppiche stechen sie aus dem Grün hervor und ziehen sich über die Hügel. An Wegesrändern sprießen Mohn- und Kornblumen. Vögel zwitschern, die Luft wirkt klar und ich erkenne wieder einmal, dass das Gute so nah liegt. Während der Weg steil bergauf verläuft, erinnere ich mich an einen Ausspruch meines Onkels: „Wenn es bergauf geht, geht es auch irgendwann wieder bergab.“ Wie Recht er hatte!

Das Etappenziel Prenzlau hat sich einige historische Bauten bewahrt – im Sommer ist das Dominikanerkloster ein beliebter Veranstaltungsort. Nach einer kurzen Stadtbesichtigung zieht es mich für den Rest des Tages an den Unteruckersee.

Unteruckersee
Unteruckersee, Foto: Reise-Liebe

Von Prenzlau bis Eggesin

Am nächsten Morgen radele ich weiter nach Eggesin, die ersten 30 Kilometer bis kurz vor Pasewalk ohne Schatten. Der Berlin Usedom Radweg schlängelt sich durch hügelige Äcker voller Windräder und Dörfer, in denen die Zeit stehen geblieben scheint.

In Bandelow beklagen die Einwohner mit Plakaten das Verschwinden ihres Dorfteiches. Dürre hat ihn teilweise austrocknen lassen und offenbar sind auf kommunalpolitischer Ebene noch keine Schritte zur Regenerierung eingeleitet worden. In einem benachbarten Dorf namens Rollwitz gibt der Dorfteich ein gesünderes Bild ab. Ein schattiger Pausenplatz, wo ich mich von der knalligen Sonne erhole, ehe ich auf einem Umweg nach Pasewalk spurte.

Dorf Bandelow am Berlin Usedom Radweg
Bandelow, Foto: Reise-Liebe

Auf dem Marktplatz erfahre ich, dass die Kleinstadt in Mecklenburg-Vorpommern nach ihrer Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg unter schwedischer Herrschaft stand. Teile der mittelalterlichen Stadtbefestigung sind bis heute erhalten geblieben.

Nach dem Mittagessen überquere ich den Fluss, der in Brandenburg Ucker und in Mecklenburg-Vorpommern Uecker heißt. Als ich dann das Dorf Viereck hinter mir gelassen habe, gelange ich in ein weit gestrecktes Militärgebiet, das bis Torgelow reicht. Kilometerweit habe ich zu meiner Rechten die Abgrenzung eines Truppen-Übungsplatzes. Wiederholt fahre ich an Kasernengebäuden vorbei, bis ich vor den Toren von Eggesin in der Bilderbuch-Welt der Holländerei lande. Wie der Name andeutet, wirkt hier alles ein bisschen niederländisch.

In der Garnisonsstadt Eggesin bade ich im Flüsschen Randow – eine Abkühlung habe ich mir nach der Etappe verdient!

Eggesin
Zentrum von Eggesin, Foto: Reise-Liebe

Von Eggesin bis Usedom

Kühler wird es im Laufe meiner Tour zur Stadt Usedom. Schon am Morgen hängen Wolken am Himmel, doch es bleibt trocken. Vorerst … Nur sieben Kilometer trennen mein Übernachtungsquartier von Ueckermünde. Im Hafen wählen viele Radwanderer eine alternative Route nach Usedom. Sie nehmen die Fähre nach Kaminke. Ich folge stattdessen dem offiziellen Berlin-Usedom-Radweg, der mich direkt in die farbenfrohe Altstadt lotst.

Ueckermünde
Marktplatz von Ueckermünde, Foto: Reise-Liebe

Das Herzstück von Ueckermünde ist der Marktplatz, an dem sich Hotels und Cafés angesiedelt haben. Bekannt ist die Stadt auch für ihr Strandbad am Stettiner Haff, einen Strand steuere ich aber erst bei Gramblin an. Ich genieße das Rauschen der Wellen, wate mit den Füßen durchs kalte Wasser und radele durch Orte wie Mönkebude und Leopoldshagen weiter am Haff entlang. Zum Teil verläuft der Berlin Usedom Radweg auf Waldwegen.

Stettiner Haff
Stettiner Haff, Foto: Reise-Liebe

Ein Natur-Highlight kurz vor Anklam ist das Anklamer Stadtbruch. Die Moorlandschaft umfasst rund 1.500 Hektar und gilt laut NABU als eines der letzten großen Wildnisgebiete, die Deutschland noch zu bieten hat. In ihm leben Seeadler, Kraniche, Wendehälse, Zwergschnäpper, Karmingimpel und Tüpfelsumpfhühner ein von Menschen nahezu ungestörtes Leben. Auch Biber, Moorfrösche und Fischotter sind im Anklamer Stadtbruch zu Hause. Auf einem Aussichtsturm überblicke ich das Hochmoor, von allen Seiten schnattern Wasservögel.

Anklamer Stadtbruch am Berlin Usedom Radweg
Anklamer Stadtbruch, Foto: Reise-Liebe

Die Musik aus ihren Schnäbeln begleitet mich noch eine Weile, während ich mich auf dem groben Schotterweg nach dem Turm abstrampele. Die Anstrengung ist gemein und die landschaftliche Schönheit entschädigt. In Anklam bin ich so hungrig, dass ich mir am Marktplatz eine fettige Pizza einverleibe.

Beim Mittagessen fallen die ersten Tropfen. Und wie es Petrus will, regnet es auf den letzten 25 Kilometern meiner Etappe. Die Hoffnung auf einen kurzen Schauer ist vergeblich, trotzdem gönne ich mir am Wegesrand noch ein Pfund Erdbeeren und erlebe die Überfahrt nach Usedom auf der Zecheriner Brücke bei nassem Gegenwind. Erst am Abend beruhigt sich die Wetterlage, so dass ich noch einen Spaziergang zum Usedomer See mache.

Stadt Usedom
Stadt Usedom, Foto: Reise-Liebe
Usedomer See
Usedomer See, Foto: Reise-Liebe

Von Usedom nach Peenemünde

Auf der Insel bleibt es feucht und trüb. 55 Kilometer trennen mich von meinem letzten Nachtquartier im Ostseebad Zinnowitz. Allzu traurig bin ich über den Wetterumschwung nicht, weil ich einen Großteil des Radwegs schon bei meiner Usedom-Radtour im Oktober 2018 kennengelernt habe. Damals schien die Sonne. Nun sehe ich die Felder, Hügel, Wälder und Seen in einem gedämpfteren Licht und bin trotzdem selig, als ich schließlich am breiten Zinnowitzer Sandstrand barfuß spazieren gehe und die Füße im Sand vergrabe.

Hafen von Peenemünde, Ende Berlin Usedom Radweg
U-Boot in Peenemünde, Foto: Reise-Liebe

An der Ostseeküste radele ich sowohl an der Seepromenade als auch auf hügeligen Waldwegen – das letzte Stück bis Peenemünde auf einem Feldweg. Im Hafen am U-Boot U-461 endet der Berlin Usedom Radweg und ich bin stolz, ihn ab Bernau in Gänze geschafft zu haben. Mit Sprühregen im Gesicht klopfe ich mir auf die Schulter. Während ich am Bahnhof auf die Usedomer Bäderbahn warte, braut sich ein Starkregen zusammen. Eine Verlängerung der Tour zum Bahnhof in Züssow klemme ich mir.

Auf meinem YouTube-Kanal kannst Du Dir Videos von allen Etappen dieser Radreise anschauen! (as)

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