Kaiserbäder auf Usedom: Luxus am weichen Sandstrand

Kaiserbäder auf Usedom Heringsdorf Seebrücke

Im ausklingenden Jahr 2018 will ich unbedingt noch mal Seeluft tanken. Wieder an der Adria? Oder zur Abwechslung mal in Portugal? Nein, falsche Richtung – eine Stimme in mir lotst mich nach Norden, in die „Badewanne von Berlin“. Diesen Spitznamen trugen einst die Kaiserbäder auf Usedom, wo die Berliner Schickeria prunkvolle Villen wie am Wannsee und im Grunewald hinterlassen hat.

In den Seebädern Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck gaben sich Adlige und Prominente aus der Hauptstadt die Klinke in die Hand. Jetzt zieht es auch meine Wenigkeit nach Heringsdorf. Das ist der einzige Ort, den ich mit der Insel verbinde. Von Berlin kommt man sehr preiswert an die Ostsee – mit dem Ostseeticket der Deutschen Bahn, für das ich mit meiner Bahncard 25 nur 36 Euro und ein paar Zerquetschte zahle. Für die Hin- UND Rückfahrt, wohlgemerkt!

Breiter Sandstrand auf Usedom
Foto: Reise-Liebe

Mit Ostseeticket nach Usedom

Am 8. Oktober steige ich morgens in den Regionalexpress Richtung Stralsund. Im verschlafenen Kaff Züssow habe ich sofort Anschluss an die Usedomer Bäderbahn. Ein Segen, denn in Züssow gibt es wirklich nichts, womit man sich bei einem langen Übergang die Zeit vertreiben könnte! In Wolgast überquert der Zug die Peene und hält dann in einem Inselort nach dem anderen. Zuerst merke ich gar nicht, dass ich schon auf Usedom bin. Ich habe noch die Ostsee-Urlaube meiner Kindheit im Gedächtnis – mit Fehmarn-Sund-Brücke und sehr viel mehr Wasser zwischen dem Festland und der Insel.

Strand von Ahlbeck auf Usedom
Foto: Reise-Liebe

Ungefähr vier Stunden nach der Abfahrt in Berlin erreiche ich den Bahnhof von Heringsdorf. Als erstes mache ich einen Spaziergang durch den Ort – zu meiner Unterkunft im Hotel Fortuna in der Nähe der Seebrücke. Am Ankunftstag verlaufe ich mich und habe gleich ein bisschen länger das Vergnügen, die alte Bäderarchitektur auf mich wirken zu lassen.

Prachtvolle Villen

Schon als Kind wollte ich immer in einer Jugendstil-Villa wohnen (was ich bis heute nicht geschafft habe): ein palastartiges Refugium mit Türmchen, Erkern, Säulen, verschnörkelten Steinmetzarbeiten und mehreren Balkonen. Die Kaiserbäder auf Usedom strotzen nur so vor Herrschaftshäusern, die bis heute vom dicken Bankkonto ihrer Bauherren zeugen. Viele dieser Villen aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert werden als Hotels und Ferienhäuser genutzt, auch meine Bleibe in Heringsdorf.

Villa in Heringsdorf
Foto: Reise-Liebe

Paradies für Spekulanten

Wie es scheint, treiben ebenfalls Spekulanten ihr Unwesen in den drei Seebädern. Freie Plätze werden zugebaut. Nicht mit Palästen im Stil der Kaiserzeit, sondern mit dem gleichen seelenlosen architektonischen Dreck, der gerade an jedem anderen touristischen Hot-Spot der Welt aus dem Boden sprießt. Berlin lässt grüßen. 🙁 Ja, es lebe die kulturelle Gleichschaltung, die überall in Westeuropa Authenzität ausradiert. Nicht ich regiere, sondern der schnöde Mammon. Wäre ich Herrscherin über diesen Kontinent, würde ich den Machenschaften ausländischer Investoren sofort einen Riegel vorschieben!

Apropos Kommerz: Vor allem in Heringsdorf kann man locker ein Vermögen verpulvern, wenn man darauf abzielt oder seine Finanzen nicht im Auge behält. Ein Markenladen reiht sich neben den nächsten. Wer im Urlaub an der Ostsee Klamotten, Schuhe und Designer-Accessoires einkaufen will, sollte einen leeren Koffer für die Mitbringsel mitnehmen. Ich kann mir nicht helfen – hin und wieder habe ich das Lied Westerland von den Ärzten im Ohr …

Seebrücke von Heringsdorf
Foto: Reise-Liebe

Seebrücken der Kaiserbäder auf Usedom

Sogar auf der berühmten Seebrücke, die weit ins Meer hineinragt, haben Konsumterroristen in Heringsdorf Anlaufstellen. Auf den Piers in Bansin und Ahlbeck sieht das ganz anders aus. Die Holzbrücken animieren einfach nur zu gemütlichen Spaziergängen mit traumhaftem Ostsee-Panorama.

Seebrücke Bansin auf Usedom
Foto: Reise-Liebe

An der Seebrücke Ahlbeck kommt mir das gleichnamige Restaurant sehr bekannt vor. Weiße Holzplanken, rotes Ziegeldach auf einer Plattform mit Stahlfüßen im Meer. Plötzlich fällt es mir wie Schuppen aus den Haaren: In dem Lokal hat Loriot kurz nach der Wende die skurrile Geburtstagsszene für seinen Film „Pappa ante portas“ gedreht! Eingefleischte Fans des großen Vicco von Bülow sollten also auf der Terrasse der Seebrücke Ahlbeck unbedingt Kaffee trinken.

Seebrücke Ahlbeck auf Usedom
Foto: Reise-Liebe

Lange Spaziergänge am Strand

Die Kaiserbäder auf Usedom inspirieren mich zu ausgedehnten Spaziergängen am Strand. Der sanfte Wind in diesem goldenen Oktober pustet mir die Sorgen aus dem Kopf, während Heerscharen von Möwen um mich herum flattern. Von dem breiten weißen Sandstrand bin ich ganz fasziniert. Ab und zu lasse ich mich hineinfallen und die puderweichen Sandkörner durch meine Finger rieseln. Das fühlt sich verdammt gut an!

Strandkörbe auf Usedom
Foto: Reise-Liebe

An diesem Strand an der Pommerschen Bucht könnte ich die Zeit vergessen. Im Sommer tun das Urlauber auf Usedom stilvoll in Strandkörben, die man in den Seebädern mieten kann. Reise-Dokus auf YouTube zeigen zur Hochsaison riesige Massen von Badegästen. Wie Ölsardinen lassen sie sich nebeneinander eine frische Brise über die Leiber wehen. Jetzt gibt es am Strand nur noch Spaziergänger. Hauptsächlich Senioren und Familien mit Kindern. Manche lassen Drachen steigen. Sind etwa Herbstferien? Asche auf mein Haupt – ich habe die Ferienzeiten nie auf dem Schirm!

Strand von Ahlbeck auf Usedom
Foto: Reise-Liebe

Kostspielige Restaurants auf Usedom

Pünktlich um 18 Uhr startet ein Run auf die Restaurants in Heringsdorf. Man kann quasi die Uhr danach stellen. Was Essen betrifft, sollte man sich auf gesalzene Preise einstellen. In den Lokalen der Kaiserbäder auf Usedom wird kaum ein Gericht unter zehn Euro serviert. Entweder man beugt sich dem Teuer-Faktor oder man versorgt sich in der Ferienwohnung selbst.

Wer zu günstigen Preisen richtig gut essen und nicht selbst kochen will, fährt einfach ein paar Kilometer weiter – ins heute polnische Swinemünde. Weil ich mir für meinen Kurztrip ein Fahrrad miete, bin ich ratzfatz im Nachbarland, aber davon erzähle ich Euch demnächst hier auf Reise-Liebe! (as)

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