Sydkustleden: Schweden Radreise rund um die Südküste

Sydkustleden Radreise bis Simrishamn

Der 390 Kilometer lange Kattegatleden zwischen Göteborg und Helsingborg war eine echte Herausforderung: Gegen- und Seitenwind, was das Zeug hält! Als ich am Ende des Radwegs mein rotes Gefährt im Fahrradraum des Helsinborger Hostels parke, sage ich zu ihm: „Dich will ich jetzt erst mal nicht mehr sehen!“ Ja, zumindest bis zum nächsten Morgen. Dann geht meine Schweden Radreise nämlich auf dem Sydkustleden weiter.

Der Südküstenradweg mit der Nummer Drei ist 260 Kilometer lang und führt von Helsingborg an der Westküste bis ins Städtchen Simrishamn in der Provinz Österlen. Auf dem Weg zur Ostküste umrunde ich die schwedische Südküste komplett und gewinne tiefe Einblicke in die Landschaften der Region Skåne (zu Deutsch: Schonen).

Gemäßigtere Winde am Sydkustleden

Nachdem ich mich auf dem Kattegatleden ordentlich abgestrampelt habe, sehnt sich mein Körper nach Entspannung. Deshalb kommt es mir sehr gelegen, dass die erste Etappe auf dem Sydkustleden ein 27 Kilometer langer Katzensprung bis Landskrona ist.

Auf den ersten Kilometern spüre ich bereits eine Veränderung. Der Wind bläst nicht mehr ganz so kräftig wie weiter im Norden. Auch das Meer am Öresund wirkt lieblicher. Während ich an Sandstränden wie in Rydebäck immer wieder Pausen einlege, leuchtet das Wasser türkis und erscheint so klar, dass man bis zum Grund schauen kann. Eine angenehme Seebrise weht mir durch die Haare, während ich ein leichtes Gefühl von „Heimat“ wahrnehme. Immerhin habe ich 2021 zwei Monate in Malmö gelebt und bin zwischen Rydebäck und Landskrona an der Küste entlang gewandert.

Schon bald trennt sich der schwedische Südküstenradweg vom orange markierten Wanderweg Skåneleden. Während die Wanderroute immer in Strandnähe bleibt, macht der Sydkustleden einen Schlenker ins Hinterland. Da die Landschaft recht hügelig ist, wird die kurze Etappe zwischen Helsingborg und Landskrona auf der offiziellen Website der Radtour als mittelschwer klassifiziert. Ich habe Glück, dass ich in Helsingborg losgefahren bin: Auf dem steilsten Berg lasse ich mich gemütlich abwärts rollen und genieße dann am Strand von Borstahusen den Blick auf die Ostsee. Dort trennen mich nur noch drei Kilometer von meinem Etappenziel Landskrona.

Wegweiser am Sydkustleden
Wegweiser am Sydkustleden, Foto: Reise-Liebe

Malerische Festungsstadt Landskrona

Es lohnt sich, in Landskrona zu übernachten. Sehenswert sind vor allem das malerische Zentrum und die Zitadelle aus dem 16. Jahrhundert, die im Herzen der Stadt thront. Bei letzterer handelt es sich um eine der am besten erhaltenen Festungsanlagen Nordeuropas. Sie liegt inmitten einer blühenden Gartenkolonie, wo es nach dem Radfahren sehr erholsam ist, gemütlich spazieren zu gehen. Du kannst die Zitadelle einmal umrunden und den Innenhof besichtigen – der Eintritt ist frei.

Um die Festung Landskrona ranken aber auch düstere Geschichten. Seit Beginn des 18. Jahrhunderts diente sie ausschließlich als Gefängnis für Kriegsgefangene und zu lebenslanger Haft Verurteilte. Eine stadtbekannte Kindermörderin wurde in der Zitadelle hingerichtet. Diese Schauergeschichte erzählt eine Infotafel am Gemäuer.

Nun zurück zu fröhlicheren Geschichten am Sydkustleden: Im Sommer hast Du die Möglichkeit, von Landskrona einen Bootsausflug zur Insel Ven zu machen. Zwar bleibe ich in der Stadt, aber vielleicht hast Du Lust, zwei Übernachtungen einzuplanen, um zusätzlich die Insel auf dem Fahrrad zu erkunden. Ob Ven ein lohnenswertes Ziel ist, werde ich Dir erst 2023 verraten. Unter der Voraussetzung, dass während meines Helsingborg-Aufenthalts im April schon Fähren auf dem Öresund verkehren und sonniges Wetter herrscht!

Zitadelle von Landskrona
Zitadelle von Landskrona, Foto: Reise-Liebe

Genussradeln bis Malmö

Nach einem zünftigen Frühstück mit Hafenblick breche ich am nächsten Morgen Richtung Malmö auf. Die Etappe ist 57 Kilometer lang und für mich ein gutes Beispiel für Genussradeln. Nachdem ich auf dem Kattegatleden kaum Wälder durchquert habe, läuft die Strecke nun öfters durch bewaldete Abschnitte und streift das Wandergebiet Järavallen. In mir kommen Erinnerungen an Winterwanderungen in Skåne hoch und allmählich wirkt die Umgebung immer vertrauter.

Zwischendurch verläuft der Sydkustleden durch üppige Kornfelder und schlängelt sich dann zurück zu hübschen Küstenorten wie Barsebäck und Lomma. Rund um den Hafen von Lomma gibt es zahlreiche Lokale und der feine Sandstrand scheint ein Besuchermagnet für die Stadtbevölkerung von Malmö zu sein. Aus der Stadt strampeln mir jedenfalls eine Menge Radfahrer entgegen.

Meine „alte Heimat“, über die ich vergangenes Jahr schon einen Blogartikel inklusive Video geschrieben habe, ist ein Traum für Radler. Überall in der Stadt gibt es breite Fahrrad-Autobahnen und hilfreiche Ausschilderungen. Wer in Malmö lebt und ein Fahrrad besitzt, kann getrost auf Busse verzichten und gelangt schnell von A nach B. Ich genehmige mir endlich wieder einen Saunabesuch in Ribersborgs Kallbadhus und gehe nach dem Schwitzen in der erfrischenden Ostsee baden. So wie ich es während meiner Malmö-Episode jede Woche getan habe.

Auf dem Südküstenradweg nach Malmö
Auf dem Südküstenradweg nach Malmö, Foto: Reise-Liebe

Hightlights zwischen Malmö und Trelleborg

Am nächsten Tag steht eine Doppel-Etappe auf dem Programm. Eigentlich wäre sie in Skanör auf der südwestlichen Halbinsel Falsterbo zu Ende, doch die Suche nach bezahlbaren Unterkünften war aussichtslos. Zu Recht! Skanör und Falsterbo sind Highlights auf dem schwedischen Südküstenradweg. Doch bevor ich dorthin gelange, unterquere ich die Öresundbrücke, die Malmö mit Kopenhagen verbindet.

Die weltweit längste Schrägseilbrücke (insgesamt 7.845 Meter) wurde am 1. Juli 2000 eröffnet und ermöglicht es seitdem Auto- und Bahnreisenden, ohne Fähre nach Schweden bzw. Dänemark zu fahren. Die Brücke ist in zwei Stockwerke aufgeteilt. Im unteren verkehren Züge, im oberen Kraftfahrzeuge wie Autos, LKWs und Camper. Das Überqueren der Öresundbrücke mit dem Fahrrad ist übrigens nicht erlaubt – nur im Fahrradabteil des Öresundtågs. Obwohl die Brücke erst 22 Jahre auf dem Buckel hat, ist sie längst zu einem Wahrzeichen von Malmö avanciert.

Nachdem ich sie hinter mir gelassen habe, liegt das idyllische Vogelbrutgebiet von Bunkeflostrand zu meiner Rechten. Kurz nach der Ortschaft macht der Radweg einen Knick ins Landesinnere und bietet wenig Spannendes rechts und links der Strecke. Ich strampele durch Kornfelder, habe nun wieder mit heftigem Gegen- und Seitenwind zu kämpfen und könnte, wenn ich wollte, kurz vor der Kanalbrücke nach Falsterbo, sofort Richtung Trelleborg abbiegen.

Entspannen am Sydkustleden
Entspannen am Strand von Falsterbo, Foto: Reise-Liebe

Auf dem Sydkustleden nach Falsterbo

Das würde jedoch bedeuten, dass ich den schönsten Abschnitt der Etappe verpasse. Falsterbo ist ein Surferparadies mit traumhaften Sandstränden, Häusern wie aus dem Bilderbuch, Wald und feuchten Wiesen, wo man bestimmt zwei oder drei Tage mit Wanderungen ausfüllen könnte. Es gibt keine Bahnverbindung zur Halbinsel, doch von Malmö und Trelleborg verkehren Busse. In Falsterbo lasse ich im weißen Sand einfach mal Fünf gerade sein. Nach dem Entspannungsmoment führt der Sydkustleden auf dem gleichen Weg zurück zur Kanalbrücke.

Auch auf den letzten knapp 20 Kilometern bis Trelleborg entdecke ich wunderschöne Sandstrände, von denen mich viele zu Stopps animieren. Ich betrachte nur die Ostsee, zum Baden ist sie mir zu kalt. Das Wetter zeigt sich bei meiner Ankunft in Trelleborg eh von seiner raueren Seite. Ich spaziere kurz durch die Fußgängerzone. Viel mehr gibt es in der Hafenstadt mit Fährverbindungen nach Deutschland eh nicht zu sehen. Ich habe es schon 2021 geschrieben: Trelleborg ist das Tor zu Schweden. Die meisten Gäste kommen mit dem Schiff an und fahren sofort weiter.

Kirche in Trelleborg
Kirche in Trelleborg, Foto: Reise-Liebe

Rückkehr nach Smygehuk

Wie ich am nächsten Morgen – und zwar knapp 50 Kilometer bis Ystad. Auf dem Weg passiere ich Schwedens südlichsten Punkt Smygehuk. Für mich ein schicksalhafter Ort, denn nach meiner „Flucht“ aus Deutschland habe ich dort über einen Monat verbracht und mir häufiger vorgestellt, wie ich irgendwann im Rahmen einer Radreise auf dem Sydkustleden zurückkehre. Der 314 Kilometer von Berlin entfernte Ort präsentiert sich mir im Sommer von seiner belebteren Seite. Im Köpmansmagasinet besuche ich eine Kunstausstellung und bummele durch Läden für Kunsthandwerk. Die Wiese blüht, während sie im Januar wie der Schauplatz eines Schweden-Krimis wirkte.

Köpmansmagasinet in Smygehuk
Köpmansmagasinet in Smygehuk, Foto: Reise-Liebe

Ystads sommerliches Gesicht

Apropos Schweden-Krimis: Wenn Du Kommissar Wallander magst, solltest Du eine Reise nach Ystad machen, wo Du auf seinen Spuren wandeln kannst. Die Ypsilon-Stadt habe ich einst verregnet kennengelernt. Im Juli blühen überall im farbenfrohen Stadtzentrum Rosen und ich kann gar nicht anders, als an den üppigen Blüten zu schnuppern. Auf dem Marktplatz kaufe ich frische Erdbeeren, während alte Feuerwehrautos und Touristen-Bimmelbahnen kleine und große Besucher durch die Stadt chauffieren. Ystad ist im Sommer ein Urlaubsziel, ohne dabei unangenehm überlaufen zu wirken. Es sind auch viele Segler unterwegs, wie ich in der Marina feststelle. Ich schlafe nämlich auf einem alten, ausrangierten Segelboot.

Altes Feuerwehrauto in Ystad
Stadtrundfahrt durch Ystad mit einem alten Feuerwehrauto, Foto: Reise-Liebe

Kornfelder und gemütliche Fischerdörfer

Nach meiner kuscheligen Übernachtung in der Bug-Kabine trommeln dicke Regentropfen aufs Dach und sie begleiten mich noch bis zum Nachmittag. Auf meiner letzten Etappe bis Simrishamn gerate ich wiederholt in verregnete Phasen. Zu meinem Glück wechseln sich Regenwolken und strahlender Sonnenschein auf meinem Weg durch Schwedens Kornkammer Österlen ab. Die Landschaft ist jetzt von steileren Hügeln geprägt und das Meer wirkt ruhiger als im Westen. An der Küste gibt es malerische Fischerdörfer wie Brantevik und Skillinge, wo ich im Hafen picknicke.

Der Sydkustleden endet nach einer 53 Kilometer langen Etappe in Simrishamn, wo ich erneut einen Streifzug durch das pittoreske Zentrum mache. Meine Schweden Radreise setze ich aber am nächsten Morgen fort: auf dem Sydostleden. Freut euch also auf weitere Abenteuer auf dem Fahrrad! (as)

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