Helsingborg: Festungsstadt am Öresund

Helsingborg

An der engsten Stelle des Öresunds im Nordwesten von Skåne liegt Helsingborg. Die dänische Insel Sjælland bildet das gegenüberliegende Ufer der Meerenge, das im April 2021 wegen politischer Machtspiele unerreichbar erscheint. Es ist eine Zeit, in der ich mich in Schweden am sichersten und wohlsten fühle. Von Malmö ist es auch ganz leicht, die achtgrößte Stadt des Landes zu erreichen. Nahezu halbstündlich fahren Züge – Regionalbahnen und der schnellere Öresundståg, der Reisende aus Südschweden nach Kopenhagen bringt und umgekehrt. Mit dem Regionalzug Pågatåg dauert die Fahrt anderthalb Stunden. Auf dem Rückweg erwische ich die internationale Bahn, mit der ich weniger als eine Stunde unterwegs bin.

Letzte Ausfahrt 2020 Annika Senger

Sankt-Marien-Kirche in Helsingborg

Als ich an einem Sonntagmorgen Mitte April in Helsingborg ankomme, wirkt die Innenstadt noch sehr verschlafen. Den Mix aus mittelalterlichen Fachwerkhäusern und schmuckvoller Jugendstil-Architektur empfinde ich als gemütliche Kulisse für einen längeren Spaziergang. Eines der dominierenden Gebäude ist die älteste Kirche der Stadt, die Sankta Maria Kyrka (zu Deutsch: Sankt-Marien-Kirche). Auffällig sind die treppenförmigen Giebel des wuchtigen dreischiffigen Ziegelbauwerks, das für Besucher seine Pforten geöffnet hat.

Im Licht der einfallenden Morgensonne erstrahlt das Innere der Kirche golden. Der vergoldete Flügelaltar aus dem 15. Jahrhundert trägt mit seinem Glanz zu dieser warmen Atmosphäre bei. Er zeigt Szenen aus dem Leben von Jesus und Maria. Im Morgenlicht kommen die bunten Glasmalereien ebenfalls gut zur Geltung. Die Künstler Erik Olsson, Einar Forseth, Ralph Bergholtz und Martin Emond haben sich im 20. Jahrhundert kreativ an den Kirchenfenstern ausgetobt.

Sankta Maria Kyrka in Helsinborg
Sankt-Marien-Kirche in Helsingborg, Foto: Reise-Liebe

Helsingborgs Wahrzeichen Kärnan

Nach meiner Stippvisite lasse ich mich zum Stortorget, dem zentralen Platz von Helsingborg, treiben. Wie so oft bei meinen Ausflügen, habe ich kein wirkliches Ziel im Visier. Trotzdem finde ich meinen Weg zum Wahrzeichen der Stadt. Im Laufe der Jahrhunderte tobten in der Region viele Kriege – vornehmlich zwischen Dänen und Schweden. Folglich entwickelte sich Helsingborg zu einer Festungsstadt, deren Schloss von Karl XI. verwüstet wurde. Übrig geblieben ist nur der Turm Kärnan.

Am Stortorget stehe ich vor einer breiten Treppenanlage und steige dann deren Stufen zum Kärnan hinauf. Von den Balkonen genieße ich eine fantastische Aussicht über die Prachtbauten auf dem großen Platz bis zum Hamntorget und dem Öresund im Hintergrund. Der 35 Meter hohe Burgturm des zerstörten Helsingborger Schlosses hat über vier Meter dicke Mauern und Zinnen, die mit Sicherheit weitere wundervolle Ausblicke garantieren. Weil in ihm aber seit 2020 ein Killervirus haust, bleibt der Kärnan zum Zeitpunkt meines Besuches verschlossen.

Kärnan in Helsingborg
Kärnan, Foto: Reise-Liebe

Spaziergang auf der Landsborgspromenade

Also schlendere ich durch den weitläufigen Park, in dem die Frühlingssonne die Natur weckt und Teppiche von blauen Blumen sprießen. In dieser Grünanlage entscheide ich mich spontan, über die Landsborgspromenade zum Schloss Sofiero nördlich der Stadt zu wandern. Rund fünf Kilometer lang ist der Weg, auf dem ich den Öresund immer zu meiner Linken sehe. Rechts von der Promenade wechseln sich noble Villen und Mehrfamilienhäuser ab. Außerdem findest du an der Landsborgspromenade eine Wassermühle und durchquerst vor der Ankunft am Schloss Sofiero einen Wald.

Schloss Sofiero
Schloss Sofiero, Foto: Reise-Liebe

Prachtgarten einer Prinzessin

Wenn du durch den Schlosspark flanieren möchtest, kostet dich dieses Vergnügen 120 schwedische Kronen (etwa zwölf Euro). Das dürfte sich vor allem im Frühsommer lohnen, wenn der Prachtgarten mit dem künstlich angelegten Rhododendron-Flusstal in Blüte steht. Ein paar Knospen haben sich im April schon geöffnet, sowohl an den Rhododendron-Büschen als auch an den Kirschbäumen.

Es lässt sich erahnen, was für ein märchenhaft verwunschenes Bild Sofiero bietet, wenn alles grün und voller bunter Blüten ist. Prinzessin Margarete (1882 – 1920), die erste Frau des späteren schwedischen Königs Gustav VI. Adolf, gestaltete den Garten nach ihren Vorstellungen. Für sie war er ein Rückzugsort, in dem sie nicht nur gärtnerte, sondern auch malte und fotografierte. Während dieser Zeit wohnte das royale Paar im Schloss, das heute ein Restaurant und ein Café beherbergt. Um es von innen zu sehen, gönne ich mir Kaffee und Kuchen.

Nach einem ausgiebigen Streifzug durch den Garten von Sofiero fühle ich mich ziemlich fußfaul und nehme einen Bus zurück ins Zentrum von Helsingborg. Auf der Rückfahrt erhasche ich aus den Augenwinkeln einen sandigen Stadtstrand, wo mit Sicherheit im Sommer viel los ist. Die wärmeren Monate werde ich in Skåne wohl erst erleben, wenn ich in einem der nächsten Jahre zu einer Südküsten-Radtour aufbreche. Helsingborg gilt als nordwestlicher Startpunkt. (as)

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