Berlin-Kopenhagen-Radweg: Durch Dänemark bis zum Ziel

Fahrrad auf dem Berlin Kopenhagen Radweg

Am Überseehafen in Rostock geht der Berlin Kopenhagen Radweg per Fähre nach Gedser weiter. Schon am Nachmittag vor der Abfahrt radele ich zum Fährterminal, um bei Scandlines mein Ticket zu kaufen. Der Herr am Schalter erklärt mir jedoch, dass dies erst am Tag der Abfahrt möglich sei.

Am nächsten Morgen versammeln sich viele andere Radfahrer vor dem Terminal. Auch sie wollen über den Fernradweg in die dänische Hauptstadt reisen. Ein Vater-Sohn-Gespann ist so begeistert von der Strecke, dass es bereits zum zweiten Mal zu dieser Tour aufbricht. Ein Radler aus Leipzig will sogar noch weiter bis Norwegen.

Für 29 Euro bringt die Fähre mich und mein Fahrrad in knapp zwei Stunden über die Ostsee. Kurz bevor sie in Gedser anlegt, werden über Lautsprecher Passkontrollen angekündigt. Laut Erzählungen der anderen Radfahrer kontrolliere die Grenzpolizei auch Buchungsbestätigungen. Gemäß der dänischen Corona-Verordnungen müssen Touristen vorab für mindestens sechs Nächte Unterkünfte reservieren.

Fähre Rostock Gedser
Fähre von Rostock nach Gedser, Foto: Reise-Liebe

Als ich das Schiff verlasse, folge ich dem Schwarm der anderen Radler. Es gibt weder Passkontrollen noch werden Buchungen kontrolliert. Das Rostocker Regenwetter hat sich verflüchtigt und die Farben wirken intensiver. Es weht eine steife Brise und ich habe wohl noch nie so viele Windräder gesehen wie in Dänemark. Sie fallen mir schon von Weitem auf, ehe die Fähre im Hafen einläuft.

Der Berlin-Kopenhagen-Radweg, der nun mit EuroVelo 7 identisch ist, hat auf dänischer Seite so hervorragende Ausschilderungen, dass ich mich kein einziges Mal verfahre und meinen Navi nur benötige, um zur nächsten Unterkunft zu gelangen. Ich bin zum allerersten Mal in Dänemark – weder eine Zwischenlandung in Kopenhagen noch „Butterfahrten“ ohne Landgänge in meiner Kindheit zählen für mich. Als erstes nehme ich die weiten, goldenen Kornfelder wahr. Sie sollen mich bis Kopenhagen begleiten, ebenso der kräftige Seewind.

Die Landschaft ist hügeliger als erwartet, so dass ich es keineswegs bereue, meine Fitness-Studio-Mitgliedschaft in Berlin gekündigt zu haben. Sport mache ich seit Mitte März nur noch draußen auf dem Fahrrad und fühle mich fitter, ausdauernder, gesünder und jünger!

Nykøbing Falster
Fußgängerzone von Nykøbing Falster, Foto: Reise-Liebe

Berlin Kopenhagen Radweg auf EuroVelo 7

Meine erste Dänemark-Etappe auf der Insel Falster ist vergleichsweise kurz. Eigentlich möchte ich sie in der gemütlichen Hafenstadt Nykøbing enden lassen, doch dort habe ich keine Unterkunft mehr bekommen. Während ich durch die gut gefüllte Innenstadt flaniere, ahne ich den Grund. Ich höre fast nur Deutsch! Weil ich mich wohlfühle, bleibe ich eine Weile, ziehe vorbei an Fachwerk- und Backsteinhäusern, einem Wasserturm und der Klosterkirche.

In einem Supermarkt besorge ich mir meine erste Essensration. Falls Du preiswert auf dem Berlin Kopenhagen Radweg reisen willst, ist das absolut empfehlenswert, denn Restaurants in Dänemark verlangen sehr viel höhere Preise als in Deutschland. Außerdem empfinde ich das Einkaufen als entspannt, weil keine Maskenpflicht besteht. Mit den „Hold afstand“-Hinweisen am Eingang und an der Kasse kann ich leben.

Nach meinem Stadtrundgang in Nykøbing Falster habe ich noch 14 Kilometer zu strampeln. Eine Strecke, die vom Berlin-Kopenhagen-Radweg abweicht. Der Grund war meine etwas schwierige Suche nach Unterkünften. Schließlich lande ich in einem Hostel kurz vor Nørre Alslev – nicht nur ich, auch das Vater-Sohn-Team!

Berlin Kopenhagen Radweg in Dänemark
Dänisches Kornfeld, Foto: Reise-Liebe

Berlin Kopenhagen Radweg nach Møn

Am nächsten Morgen lotst mich mein Navi durch Dörfer wie Eskilstrup in das Fischerdorf Hesnæs, wo ich endlich wieder auf die Ostsee und EuroVelo 7 treffe. Ich genieße ein paar Minuten den Sandstrand und das Meer und schaue mir die strohbedeckten Häuser an, für die der Ort bekannt ist. Der Radweg verläuft nun nah an der Küste, teilweise über Schotterwege und durch einen Wald.

Im Städtchen Stubbekøbing endet er an einem weiteren Fährterminal. Im Juli ist die Überfahrt zur Insel Bogø für Fußgänger und Radfahrer gratis. Sie dauert 15 bis 20 Minuten und vor der Abfahrt des Schiffes hat man, je nach Ankunft, noch Zeit, im Café im Hafen eine Kleinigkeit zu essen und Kaffee zu trinken. Die Fähre transportiert auch Autos und Motorräder. Wenn man aufs Sonnendeck klettert, hat man einen weiten Blick über die Ostsee, während der Wind die Haare zerzaust.

Fähre nach Bogø
Fähre nach Bogø, Foto: Reise-Liebe

Nur wenige Kilometer schlängelt sich der Radweg nach Kopenhagen über Bogø. Über eine Dammstraße komme ich auf die Insel Møn. Die Fahrt ist mir unangenehm, weil unmittelbar neben den Radlern Autos vorbeizischen. Erst auf Møn schicken mich die Wegweiser wieder auf ruhige Nebenstraßen, die den Berlin Kopenhagen Radweg sonst meist auszeichnen. Malerische Kirchen und unzählige Kornfelder begleiten mich auch meinem Weg zum Etappenziel Stege.

Ich habe aber noch viel mehr vor auf Møn. Da ich nicht weiß, ob und wann ich zurückkehre, möchte ich auch die Kreidefelsen der Insel besuchen – Møns Klint. Von Stege sind sie noch über 20 Kilometer entfernt. Man hat die Wahl zwischen zwei Wegen, die beide ziemlich bergig sind und der Kondition einiges abverlangen. Als Alternative kann man in Stege einen Bus nehmen. Das erfahre ich jedoch erst, als ich längst unterwegs bin.

Kräftig trete ich in die Pedale und auf den letzten Metern vor den Klippen schiebe ich stückchenweise. Am Ziel erwarten mich Heerscharen von anderen Urlaubern, die Dänemarks längste Treppe hinabsteigen, um den besten Blick auf die weißen Felsen zu erhaschen. Kaum bin ich unten am Strand angekommen, rieseln ein paar Tropfen aus den regenschwangeren Wolken, die sich zu meinem Glück nicht wirklich entladen.

Møns Klint, Berlin Kopenhagen Radweg
Møns Klint, Foto: Reise-Liebe

Als ich die Treppe nach oben erklimme, lausche ich den Streitereien eines deutschen Pärchens: „Verdammt noch mal, wenn ich gewusst hätte, wie viele Stufen das sind, wäre ich diese Treppe nie gegangen!“, keift die Frau.
„Hör doch mal auf!“, antwortet der Mann.
„Nein, hör du auf!“
Nach all den bereits überwundenen Hügeln und denen, die noch vor mir liegen, streite ich mich nicht mal mehr mit mir selbst. Im Café des Geocenters besorge ich mir ein kühles Getränk, für die Besichtigung habe ich keine Zeit mehr.

Es ist kurz nach 19:30 Uhr, als ich mein Nachtlager neun Kilometer außerhalb von Stege beziehe. Im verwunschen wirkenden Garten einer Künstler-WG schlafe ich in einem Bauwagen. Das Bad darf ich im Haus benutzen, in meiner abenteuerlichen Behausung empfange ich sogar WLAN. Ich bin in einer anderen Welt und ein klitzekleines bisschen traurig, als ich sie am nächsten Morgen hinter mir lasse.

Kirche am Berlin Kopenhagen Radweg
Kirche auf Sjælland, Foto: Reise-Liebe

Auf zur Insel Sjælland

Nun steht bei reichlich Gegenwind die Überfahrt nach Sjælland auf dem Programm. Auf Dänemarks größter Insel liegt auch Kopenhagen, doch ehe ich am Ziel bin, habe ich noch drei Etappen vor mir. Auf der Brücke von Møn stürmt es gewaltig – mein einziges etwas störendes Wetterphänomen. Die Sonne scheint und über mir am blauen Himmel ziehen dicke Schäfchenwolken vorbei.

Das Radfahren bleibt ein ständiges Auf und Ab durch Kornfelder und Bilderbuchdörfer. Der Berlin Kopenhagen Radweg streift das Stadtzentrum von Præstø, in dem ich eine Pause mache. Es ist ist so farbenfroh und gemütlich wie alle anderen Städte auf meinem Weg.

Dänische Ostsee
Klare Ostsee in Rødvig, Foto: Reise-Liebe

Stevns Klint und klare Ostsee

Eine Strandpause lege ich in Faxe Ladeplads ein, bevor ich in einem idyllischen Dorf mit Reiterhöfen in einem Bed and Breakfast einchecke. Eigentlich wollte ich im zwölf Kilometer entfernten Ferienort Rødvig übernachten. Warum ich dort kein Zimmer mehr ergattert habe, offenbart sich mir am nächsten Morgen. Die Ostsee an Rødvigs Stränden ist so kristallklar und türkis leuchtend wie die Adria in Kroatien! Mit dem Unterschied, dass der Strand sandig ist und Quallen in ihr wohnen.

Stevns Klint
Stevns Klint, Foto: Reise-Liebe

Einige Kilometer außerhalb der Stadt präsentiert sich ein weiteres Natur-Highlight: die Kreidefelsen Stevns Klint, deren Szenerie mit der Kirche an der Kliffkante ein mediterranes Flair ausstrahlt. Erneut bezwinge ich eine steile Treppe und werde mit einem atemberaubenden Panorama belohnt. Der Besucherandrang ist nicht einmal halb so stark wie bei Møns Klint.

Und noch eine Sehenswürdigkeit der Gemeinde Stevns solltest Du auf dem Berlin Kopenhagen Rad einplanen: den Leuchtturm. Die kostenlose Turm-Besteigung beschert Dir einen schönen Rundumblick.

Marktplatz von Køge
Marktplatz von Køge, Foto: Reise-Liebe

Neuer Haarschnitt in Køge

Mein letztes Etappenziel vor Kopenhagen heißt Køge. In der Altstadt haben sich zahlreiche Cafés, Designläden und Frisöre angesiedelt. Ich brauche dringend einen neuen Haarschnitt! Seit dem Lockdown habe ich mich strikt geweigert, mir in Berlin mit Mund-Nasen-Burka die Haare schneiden zu lassen. Da Dänemark auf den Lappen des politischen Terrors verzichtet, nutze ich die Chance in Køge. Danach lasse ich mich durch die gut erhaltene Mittelalterstadt treiben – vorbei an Fachwerkhäusern, Kirchen und Backstein-Bauten. Das Zentrum ist umgeben von einem Wassergraben. Ich gehe auch auf dem Wall spazieren und logiere in einem Hostel direkt am Fernradweg, der noch knapp 60 Kilometer lang ist.

Mit dem Fahrrad nach Kopenhagen
Ziel erreicht, Foto: Reise-Liebe

Endspurt nach Kopenhagen

Über Haupt- und Nebenstraßen führt mich die Strecke in eine küstennahe, grüne Natur-Oase wenige Kilometer vor dem Ziel meiner langen Reise. Noch einmal raste ich am Strand, dann presche ich nach Kopenhagen vor und fühle mich auf dem Hauptplatz vor dem Rathaus ganz schön ernüchtert. Ich habe es wieder einmal geschafft – wie zuvor auf Usedom und in Polen. In mir wütet ein Drang noch viel weiter nach Norden zu fahren, ohne mir irgendein Ziel zu setzen. Stattdessen tanke ich drei Tage in Kopenhagen positive Energie, doch davon berichte ich Dir erst im nächsten Blogartikel. (as)

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