Berlin-Kopenhagen-Radweg: Deutschland-Etappe bis Rostock

Berlin Kopenhagen Radweg

Nach meinem Polen-Abenteuer folgt keine zwei Wochen später der Berlin Kopenhagen Radweg. Obwohl die Panikmache volle Kraft weitergeht und Politiker täglich versuchen, Urlaubern ein schlechtes Gewissen einzureden, hat mich die Reiselust fest im Griff. Mit einer Radtour durch Dänemark habe ich schon seit Ende 2019 geliebäugelt. Auf einer Reisemesse in Leipzig hat mich ein Touren-Anbieter zu diesem Trip auf zwei Rädern inspiriert. „Wir fahren ab Oranienburg“, erklärt er mir im November am Stand. „Das ist angenehmer als im Berliner Stadtverkehr zu starten.“

Das finde ich auch! Am 17. Juli fahre ich das erste Stück der Deutschland-Etappe mit der Regionalbahn. Auch meine Tour auf dem Berlin-Usedom-Radweg habe ich in Bernau gestartet und nicht in der Hauptstadt.

Berlin Kopenhagen Radweg bis Neustrelitz

Bis abends ist es ein recht trüber, aber trockener Tag. Für meine Verhältnisse habe ich mir eine lange erste Etappe vorgenommen – über 100 Kilometer bis Neustrelitz. Wegen meiner sehr spontanen Entscheidung für diese Radreise dauerte es einen ganzen Morgen, mir bezahlbare und möglichst nah am Radweg gelegene Unterkünfte zu organisieren. Die meisten Tourenplaner im Netz empfehlen, Etappe eins auf dem Fernradweg nach Kopenhagen in Fürstenberg an der Havel enden zu lassen. Ich habe allerdings das Ziel, möglichst schnell Dänemark zu erreichen.

Finowkanal am Berlin Kopenhagen Radweg
Finowkanal, Foto: Reise-Liebe

Am Bahnhof in Oranienburg entdecke ich sofort den ersten Wegweiser. Er lotst mich nach links Richtung Zehdenick und dann auf eine Fahrradstraße, die zuerst an der Havel und schließlich am Finowkanal entlangführt. In den Radweg verliebe ich mich auf Anhieb. Auf glattem Asphalt gleite ich durch Wälder, malerische Dörfer und kleine Städte wie Liebenwalde. Als Wasserliebhaberin komme ich voll auf meine Kosten, denn die brandenburgische Landschaft ist voller Seen. Immer wieder halten mich ihre Ufer zu einer kurzen Rast an. Mit Blick auf einen See picknicke ich wenige Kilometer vor dem Ziegeleipark Mildenberg. Reisende auf dem Berlin-Kopenhagen-Radweg werden mitten durch ihn hindurch geleitet.

Wegweiser im Park verraten mir, dass ich seit Oranienburg 40 Kilometer geradelt bin, über 500 Kilometer liegen noch vor mir. Der Ziegeleipark in der Nähe von Zehdenick ist eine Freizeit-Location für die ganze Familie. Du kannst an Führungen durch hundert Jahre Ziegelei- und Technikgeschichte an der Havel teilnehmen, mit Feldbahnen fahren und Multimedia-Ausstellungen erleben. Viele Eltern sind mit ihren Kindern angereist, um ihnen die Welt der Ziegel zu zeigen. Ich radele weiter, nachdem ich mich ein bisschen auf dem Gelände umgeschaut habe.

Ziegeleipark Mildenberg
Ziegeleipark Mildenberg, Foto: Reise-Liebe

Bei Zabelsdorf komme ich wieder an den Wentowsee, an dessen Ufer ich auf meiner Radtour zum Stechlinsee zu Himmelfahrt ein Picknick gemacht habe. Wer auf dem Berlin Kopenhagen Radweg reist, hat ebenfalls die Option, einen Abstecher nach Neuglobsow zu machen und den kristallklaren Stechlinsee zu erleben. Nun will ich einfach nur weiter, mein innerer Kompass ragt steil nach Norden.

Ich durchquere Dannenwalde und lege eine Kaffeepause in Fürstenberg ein. Die Havel-Stadt ist umgeben von Wasser. Ihre Wahrzeichen sind ein herzogliches Schloss des Architekten Julius Löwe und die Stadtkirche von Friedrich Wilhelm Buttel. Letztere steht am Markt, wo ich mir einen Cappuccino schmecken lasse, um für den letzten Teil der Strecke Kraft zu sammeln.

Energie habe ich dringend nötig, weil die Landschaft ab Fürstenberg immer hügeliger wird. Sobald man bergab gedüst ist, wartet bereits der nächste Hügel und das soll sich auch auf der Strecke durch die Mecklenburgische Seenplatte nicht ändern. Der Name wirkt ironisch. Sie ist das absolute Gegenteil von einer flachen Platte. Ab Wesenberg lädt aber auch eine Vielzahl von Seen zum Urlaubmachen ein.

Als ich in Neustrelitz ankomme, bin ich erschöpft. Im Touren-Video sieht man es mir an: Ich habe tiefe Augenringe. Trotzdem mache ich am Abend noch einen Spaziergang durch die Stadt, die bis heute ausstrahlt, dass sie einst den mecklenburgischen Herzögen als Residenz diente.

Neustrelitz
Neustrelitz, Foto: Reise-Liebe

Hügelige Mecklenburgische Seenplatte

Auf der zweiten Etappe habe ich mir erneut eine Menge vorgenommen, noch mehr als am Vortag. Ich will es unbedingt mit dem Fahrrad bis Güstrow schaffen. Der Grund ist, dass in Krakow am See alle erschwinglichen Unterkünfte ausgebucht sind. Nicht einmal ein Campingplatz hat noch Kapazitäten frei, um mich zu beherbergen. Bei Penzlin scheine ich mich irgendwo zu verfahren. Über Hügelpartien säumt sich der Berlin Kopenhagen Radweg durch verwunschene Dörfer, die wie aus einer anderen Zeit wirken.

Mecklenburgische Seenplatte
Mecklenburgischer See, Foto: Reise-Liebe

Immer wieder schreit ein See am Wegesrand: „Bade in mir!“
Ja, ich würde mich so gerne im Wasser abkühlen, doch jeder Blick auf die Landkarte suggeriert mir, dass Güstrow nach wie vor in weiter Ferne ist. Selbst der Weg nach Waren an der Müritz kommt mir auf den abgelegenen Landstraßen wie eine Weltreise vor. Es gibt auch in keinem der Dörfer Cafés, Restaurants oder Bistros für Radreisende. Erst sieben Kilometer vor Waren kehre ich endlich in einen Imbiss ein. Der Magen hängt mir schon bis in die Kniekehlen und mir ist klar, dass ich zu ausgepowert bin, um den Radweg bis Güstrow zu meistern. Stundenlang bin ich ständig auf und ab gestrampelt. Meinen Beinen langt es!

Waren an der Müritz
Waren an der Müritz, Foto: Reise-Liebe

In Waren brauche ich einen Besenwagen. Ich nehme die Regionalbahn, die die beiden Städte innerhalb von 30 Minuten miteinander verbindet. Bliebe ich auf dem Berlin-Kopenhagen-Radweg, lägen noch über 60 Kilometer vor mir.

Ich bin frustriert, weil ich viele traumhafte Seen nicht zu sehen bekomme. Trotzdem höre ich auf meinen Körper und mache zwei Stunden Pause in Waren. Ich esse Eis und lasse am Ufer der Müritz die Seele baumeln. Laut offizieller Touren-Empfehlungen wäre Waren ein Etappenziel. Allen Ernstes hatte ich geglaubt, zwei Etappen an einem Tag zu rocken. Ich hatte die Beschaffenheit der Landschaft unter- und mich selbst überschätzt!

So habe ich in Waren und in Güstrow reichlich Zeit für Stadtrundgänge. Mein herbeigemogeltes Etappenziel Güstrow ist ebenfalls eine Residenzstadt mit einer wunderbar erhaltenen Altstadt. Ich übernachte in einem Hostel am Markt und spaziere am Abend vor der Weiterfahrt zum Dom, zum Residenzschloss und vielen anderen Bauwerken, die aus einem Bilderbuch stammen könnten.

Güstrow am Berlin Kopenhagen Radweg
Residenzschloss in Güstrow, Foto: Reise-Liebe

Endspurt nach Rostock

Mein Weg nach Rostock ist meine dritte und letzte Deutschland-Etappe auf dem Berlin Kopenhagen Radweg. Nachdem ich Güstrow verlassen habe, erstreckt sich zu meiner Rechten der Güstrow-Bützow-Kanal. Bis ich Bützow erreiche, bewege ich mich an seinem Ufer fort. Die Landschaft ist bis kurz vor Rostock flacher als innerhalb der Mecklenburgischen Seenplatte. Ein Wermutstropfen: Es gibt keine Seen mehr, nur Felder, Wiesen und ein paar Wälder! Mit der Bahn habe ich sie alle hinter mir gelassen, allerdings auch die Vielzahl von Hügeln. Bergiger wird es erst wieder hinter der Stadt Schwaan.

Neuer Markt Rostock
Rostock, Foto: Reise-Liebe

Die ersten Ausläufer von Rostock wirken dörflich: reetbedeckte Häuser und eine Backsteinkirche. Pittoresk ist auch die Rostocker Altstadt mit dem Steintor, dem Neuen Markt und dem Universitätsplatz. Sie hat sich den Charme einer alten Hansestadt bewahrt. Im Stadthafen dreht sich ein Riesenrad, es wird flaniert, in den Bars getrunken, gegessen und Schlagermusik gespielt.

Rostocker Stadthafen
Riesenrad im Rostocker Stadthafen, Foto: Reise-Liebe

Raus aus Maskenland

Etwa alle hundert Meter propagiert jedoch auch das Bundesministerium für Gesundheit die sogenannte „AHA-Formel“: Abstand, Hygiene, „Alltagsmasken“. Sogar in Bäckereien werden Kundendaten gesammelt. Als ich am nächsten Morgen den zehn Kilometer entfernten Überseehafen ansteuere, bin ich erleichtert, für sieben Tage ins maskenfreie Dänemark zu „flüchten“. Diese Geschichte erzähle ich Dir aber erst im nächsten Blogpost. (as)

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