Mittsommer in Schweden: Tanz um die Mai-Stange in Mora

Mittsommer in Schweden

Zur Sommersonnenwende zieht es mich dieses Jahr in die Region Dalarna nordwestlich von Stockholm. Ich verbringe ein Wochenende in Mora am Siljan-See, um zum allerersten Mal Mittsommer in Schweden zu zelebrieren. Vor 2020 strömten jedes Jahr Ende Juni tausende von Menschen an diesen idyllischen Ort, doch seit dem Ausbruch der vermeintlichen Pandemie ist alles ein bisschen anders. Trotzdem lassen es sich die Schweden nicht nehmen, ihre Bräuche und Traditionen zu pflegen – wenngleich ein bisschen intimer als ohne das absurde C-Theater, von dem man in dem skandinavischen Land relativ wenig mitbekommt.

In Mora gilt Letzteres auch für den schwedischen Mittsommer. Nur weil mir zufällig in einem Supermarkt ein Stadtmagazin in die Hände flattert, erfahre ich von einer Feierlichkeit auf einem Campingplatz in der Nähe des Sees. Als ich dort gegen Mittag ankomme, singt ein Alleinunterhalter mit Gitarre ein Lied meines schwedischen Lieblingssängers Ted Gärdestad. Publikum hat er kaum, doch ich bin eh ziemlich früh dran. Eine halbe Stunde später tummeln sich schon viele Familien mit kleinen Kindern auf dem Platz. Derweil wird in einem Festzelt Gegrilltes und Pizza schnabuliert.

Immer wieder fordert der Mann mit Gitarre die Menge auf, Abstand voneinander zu halten. Ich habe den Eindruck, dass er dies tut, weil es ihm irgendjemand von „oben“ eingetrichtert hat. Die Menschen strahlen trotzdem Gelassenheit und Lebensfreude aus. Niemand legt eine Maßlatte an und keiner der Anwesenden maskiert sich.

Mittsommer in Dalarna
Mittsommer-Tanz in Mora, Foto: Reise-Liebe

Familien feiern Mittsommer in Schweden

Bei einem kurzen Spaziergang zum Siljan begleite ich sie mit meiner Kamera. Wie es sich für einen typischen Mittsommer in Schweden gehört, spielt eine Musikgruppe in Dalarna-Trachten dabei volkstümliche Melodien. Ihre schiefen Töne versuche ich zu überhören und beobachte das Geschehen. Am Seeufer liegt die Mai-Stange, um die bei einem traditionellen Mittsommerfest bis spät in die Nacht getanzt wird, wenn die angebliche Tanzpartnerin nicht gerade Corona heißt.

Mehrere große und kleine Leute packen sich die Stange und tragen sie zusammen zum Campingplatz. Die Spielleute musizieren weiter – immer die gleiche Melodie und ich erfreue mich an den pinken und violetten Lupinen am Wegesrand. Frauen und Mädchen haben sich aus den Sommerblumen Kränze gebastelt, schmücken damit ihr Haar und die Männer stellen auf dem Campingplatz die Mai-Stange auf.

Dann beginnt der Mittsommer-Tanz. Wie der Alleinunterhalter klarstellt, dürfen sich nur Familien die Hände reichen und unterhaken. Ich ahne mal wieder den Grund: Das tödlichste Killervirus der Menschheitsgeschichte ist ein Partyluder, das beim Tanzen und allen anderen spaßigen Aktivitäten so richtig aufdreht. #Satire #Comedy!

Der Sänger und die Trachtenkapelle spielen schwedische Kinderlieder, die Familien tanzen Ringelreihen, machen Mätzchen … Und das Virus? Tja, darüber lässt sich nach Manier von „Dr. Pfosten“ lediglich spekulieren. Zumindest ein paar Minuten haben die Eltern und ihr Nachwuchs Spaß. Nach ungefähr fünf Liedchen verstummt die Musik und jeder geht seiner Wege. Im klaren, erfrischenden Wasser des Siljan-Sees feiere ich mit mir selbst weiter Mittsommer in Schweden und bin dankbar für diese Erfahrung, meine Freiheit und das wunderschöne Wetter. (as)

 

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