Göteborg zwischen Stadtkultur und Schärengarten

Gustav Adolfs Torg in Göteborg

Als Schwedens zweitgrößte Stadt ist Göteborg ein beliebtes Reiseziel für Kurztrips. In den Straßen tummeln sich Menschen aus der ganzen Welt. Ein interessanter Sprachen-Mix strömt mir entgegen, während ich durch das Zentrum flaniere.

Die Nordsee-Metropole verfügt über eine hervorragend ausgebaute Infrastruktur für Reisende. Eine Fährverbindung ab Kiel macht sie zu einer Top-Destination für Mini-Kreuzfahrten. Außerdem verkehrt ab Kopenhagen der Öresundtåg. Dabei handelt es sich um einen dänisch-schwedischen Schnellzug, der auch in Malmö und Helsingborg hält.

Ende Mai steige ich an der Stockholmer Centralstation in einen Snabbtåg; normalerweise braucht dieser Zug ungefähr drei Stunden bis Göteborg. Wegen Gleisarbeiten fährt ab Alingsås ein komfortabler Bus, so dass ich etwa eine halbe Stunde länger unterwegs bin. Der Schienenersatzverkehr ist glücklicherweise bestens organisiert. Nach all den negativen Erfahrungen in Deutschland (und insbesondere Berlin) bin ich angenehm überrascht!

Stadtspaziergang durch Göteborg

Als ich an Göteborgs Centralstation ankomme, habe ich die Wahl, mich entweder zu Fuß ins Getümmel zu stürzen oder eine Tageskarte für den öffentlichen Nahverkehr zu kaufen. Mit den blauen Straßenbahnen und Bussen von Västtrafik kommt man überall schnell hin. Solch ein Ticket hebe ich mir für den nächsten Tag auf, weil ich unbekannte Orte am liebsten bei Spaziergängen auf mich wirken lasse.

Direkt vor dem Bahnhof entdecke ich prompt einen roten Wegweiser für den Fernradweg Kattegatleden, der über 390 Kilometer an der Küste bis Helsingborg führt. Bei dem Anblick steigt meine Vorfreude: Am 7. Juli werde ich wieder vor diesem Schild stehen. Mit meinem Fahrrad, das momentan noch im Dunkel eines staubigen Berliner Kellers auf mich wartet. Die Menge an Straßenbahnschienen signalisiert mir allerdings schon jetzt: absolute Vorsicht beim Radfahren in Göteborg! Seit ich in Brandenburg an der Havel mit den Reifen in einer Schiene stecken geblieben und aufs Pflaster geknallt bin, weiß ich, wovon ich rede.

Ich bin froh, dass ich schon mal die Möglichkeit habe, die Gegebenheiten für Radfahrer auszuloten. Ähnlich wie in Malmö und Kopenhagen gibt es superbreite Radwege – richtige Radler-Autobahnen. Ein Störfaktor sind jedoch die Baustellen in Göteborg. An so vielen Ecken verunstalten sie das Stadtbild, das von einem Mix aus alter Bausubstanz und modernen Bausünden geprägt ist. Sogar eines der Wahrzeichen ist wegen Bauarbeiten eingemottet: die architektonisch imposante Fischkirche, in der sonst der Fischmarkt stattfindet.

Domkyrka in Göteborg
Domkirche von Göteborg, Foto: Reise-Liebe

Buntes Kulturprogramm am Samstag

In anderen Kirchen kannst Du mit einem bunten Kulturprogramm auf Spendenbasis rechnen. Samstag ist in Göteborg der Tag der Mittagskonzerte. In der Domkirche lausche ich einer Pianistin, die Werke von Bach, Chopin und Debussy spielt. Kurz darauf singt in der Haga Kirche ein Chor, der seine Darbietung mit bombastischer Orgelbegleitung ausklingen lässt. Von alledem weiß ich vorher nichts und freue mich über die musikalische Überraschung, die sich offensichtlich bei Einheimischen längst etabliert hat.

Musik erklingt auch auf der Straße – beim Bluegrass Festival im malerischen alten Stadtteil Haga. In der Nähe der Straßencafés, die mit Riesen-Zimtschnecken speziell für Touristen aufwarten, treten tagsüber Bands auf und sorgen für Besucher-Hotspots. In Göteborg pulsiert das blühende Leben und sogar die Gäste aus Deutschland scheinen vergessen zu haben, dass so viel Kultur bis vor Kurzem gar nicht selbstverständlich gewesen ist. In mir macht sich in dem Moment ein tiefes Gefühl von Dankbarkeit breit.

Straße in Haga
Flaniermeile in Haga, Foto: Reise-Liebe

Abgesehen von dem Straßenfestival hat Göteborg eine lebendige Szene voller kleiner Theater, Restaurants und Kneipen mit Live-Musik. Wenn man die Prachtmeile Avenyn entlangläuft, gelangt man zur Oper und zum Konzerthaus. Neben letzterem lockt das Kunstmuseum mit weltbekannten Gemälden. Weil das Wetter recht schön ist und meine Zeit begrenzt, besuche ich kein einziges Museum.

Göteborger Stadtmuseum
Stadtmuseum Göteborg, Foto: Reise-Liebe

Skansen Kronan und Slottskogen

Falls du aber schon mal in Haga gelandet bist, ist es nur noch ein Katzensprung bis zur Festung Skansen Kronan. Auf dem grünen Hügel Risåsberget gelegen, ist der achteckige Turm eine der ältesten Militäranlagen der Stadt. Auf den Schanzen sind noch heute Kanonen gen Dänemark gerichtet. Während du sie auf dem Hof besichtigst, genießt du die wohl beste Aussicht über Göteborg. Am besten umrunde den Turm, dann bekommst du das Stadtpanorama aus verschiedenen Blickwinkeln zu Gesicht.

Sehnst du dich nach einer grünen Lunge, solltest du im Park Slottskogen spazieren gehen. Sein Name bedeutet auf Deutsch Schlosswald und genau das ist der Slottskogen: ein hügeliger Wald mitten in der Stadt. Die beiden Hauptattraktionen sind der Wildpark und das Robbenbecken. Wenn du Glück hast, sichtest du neben Hirschen, Rehen und zahlreichen Wasservögeln sogar Elche! Eigentlich bin ich kein Fan von Zoos, doch die Tiere haben dort reichlich Auslauf und die Gehege wirken gut gepflegt.

Skansen Kronan in Göteborg
Festung Skansen Kronan, Foto Reise-Liebe

Der Schärengarten von Göteborg

Nachdem ich mir einen ersten Eindruck vom urbanen Leben geholt habe, besorge ich mir am nächsten Tag für umgerechnet elf Euro eine Tageskarte von Västtrafik. Zu den öffentlichen Verkehrsmitteln gehören nämlich auch die Pendelboote, die zu den Inseln im Göteborger Schärengarten schippern. Sie starten auf der Halbinsel Saltholmen, wohin du mit der Straßenbahn fahren kannst. An einem Sonntag mit Sonnenschein und frühsommerlichen Temperaturen bin ich mit dieser Ausflugsidee alles andere als allein.

In Saltholmen erwarten dich mehrere Bootslinien. Womöglich fragst du dich: Welche Insel lohnt sich am meisten? Immerhin ist die Auswahl riesig. Ich entscheide mich für Donsö und Styrsö im südlichen Schärengarten, denn die beiden sind durch eine Brücke miteinander verbunden. So habe ich die Möglichkeit, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.

Hafen auf Styrsö
Hafen auf Styrsö, Foto: Reise-Liebe

Lauschiger Natursteig auf Donsö

Ich nehme also das Boot nach Donsö, das kurz vor meinem Ausstieg auch auf Styrsö anlegt. Im Hafen gibt es einen ICA Supermarkt, wo du dich vor der Insel-Erkundung mit Proviant eindecken kannst. Als ich mir ein bisschen Obst gekauft habe, folge ich den Wegweisern zum Naturreservat. Der Weg führt durch ein idyllisches Dorf voller bunter Häuser. Ich fühle mich ein bisschen wie in „Ferien auf Saltkrokan“.

Der Natursteig im südlichen Donsö ist bewaldet und bietet tolle Ausblicke auf den Kattegat. Ähnlich felsig wie der Stockholmer Schärengarten, kommst du voll auf deine Kosten, wenn du skandinavische Landschaften und Schwedenhäuser liebst. Sowohl Donsö als auch Styrsö sind autofrei: Man kann zu Fuß gehen, Rad fahren oder sich mit einem Elektromobil wie auf dem Golfplatz fortbewegen.

Stora Rös auf Styrsö
Aussicht genießen auf Stora Rös, Foto: Reise-Liebe

Aussicht genießen auf Styrsö

Auf Styrsö solltest du unbedingt nach Stora Rös wandern. Der höchste Punkt der Insel beschert dir ein traumhaftes Schärengarten-Panorama. Lass dich einfach mal auf einem sonnengewärmten Felsen nieder und die Aussicht auf dich wirken. Sicher denkst du dann ganz automatisch: Das Leben ist schön. Ich denke es auch, während ich durch den Wald marschiere, im Hafen Pizza esse und viele andere lauschige Plätze ausfindig mache. Die Großstadt scheint mir ganz weit weg, obwohl sie durch die häufigen Bootsverbindungen optimal angebunden ist.

Deshalb schaffe ich es, sechs Stunden auf den Inseln zu verweilen und rechtzeitig am Abend den Bus und Zug nach Stockholm zu erreichen. Meine kommende Schweden-Radtour werde ich natürlich wie die vorigen Radreisen filmen. Das heißt, dass ich dir demnächst sicher noch ein paar bewegte Bilder von Göteborg präsentieren werde. (as)

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