Vulkane auf Lanzarote und Lava-Steinwüsten

Vulkane auf Lanzarote

Vor rund 36 Millionen Jahren rumorte die Erde unter dem Atlantik westlich der marokkanischen Küste. Auf dem Meeresboden spuckte sie Lava, so dass sich ein Landsockel bildete. Etwa 21 Millionen Jahre später wuchs die Insel über die Meeresoberfläche hinaus. Vulkane auf Lanzarote, Steinwüsten und sehr wenig Grün prägen das Landschaftsbild und auf den ersten Blick mag man es als karg und langweilig empfinden. Sobald man intensiver hinschaut, entdeckt man unterschiedliche Schattierungen, Farben und Formen im Gestein.

Um dies wahrzunehmen, empfehle ich Dir, auf der kanarischen Insel wandern zu gehen oder viel Zeit in der Natur zu verbringen. Es existiert ein Netz aus Fernwanderwegen, die sich über ganz Lanzarote schlängeln. Bist Du wie ich zum ersten Mal dort und wünscht Dir eher ein Gesamtpaket aus Stränden, Vulkanen und lokaler Kunst, eignet sich für Dich eine Einsteiger-Route zum Wandern am Vulkan.



Vulkane auf Lanzarote: Volcan El Cuervo

Ein zirka 4,2 Kilometer langer Schotterweg führt einmal um den Volcan El Cuervo herum. Am Rande der Landstraße LZ-56 kann man auf einem Parkplatz den Mietwagen gratis abstellen. Daneben beginnt der Wanderweg, für den ich in meine Wanderschuhe geschlüpft bin. Der Rundweg ist allerdings eben und lässt sich auch in leichten Sneakers bewältigen.

Diese offiziell ausgeschilderte Wanderung zum Thema Vulkane auf Lanzarote wird bei Urlaubern immer beliebter. Vor allem morgens und in den Mittagsstunden wimmelt es auf dem Weg vor Menschen. Marko und machen die Tour am Nachmittag, so dass wir den Vulkan fast für uns haben. Mein Reisebegleiter erzählt mir, dass er sich in der Mondlandschaft wie auf einem anderen Planeten fühle. In der Ferne glühen Vulkanspitzen in einem Rot, das man als Erdling mit dem Mars assoziieren könnte.

Vulkane auf Lanzarote
Wanderweg am Volcan El Cuervo, Foto: Reise-Liebe

Nachdem wir rund drei Kilometer gewandert sind, leitet uns der Weg direkt in den Krater. Die Sonne projiziert unterschiedliche Farbnuancen auf das Gestein, während Teile des Kraters völlig im Schatten verschwinden. Die Sonneneinstrahlung ändert sich im Laufe eines Tages. Am Morgen wirkt der Krater ganz anders als am Mittag und am frühen Abend. Mindestens eine Stunde solltest Du für die Wanderung einplanen. Wir lassen uns zum Filmen, Fotografieren und Beobachten ein bisschen mehr Zeit.

Rundwanderweg Volcan El Cuervo
Marko am Volcan El Cuervo, Foto: Reise-Liebe

Cueva de los Verdes

Obwohl der spanische Name es andeutet, ist die Cueva de los Verdes im Nordosten von Lanzarote nicht wirklich grün. Es handelt sich auch nicht um eine Höhle, sondern um eine sieben Kilometer lange, schätzungsweise 3.000 Jahre alte Lava-Röhre. Weil die Lava nach einem Vulkanausbruch in den unteren Schichten langsamer abkühlte, bildete sich ein unterirdischer Tunnel.

Die einheimischen Künstler César Manrique und Jesús Soto installierten Lichter in der Cueva de los Verdes. Diese Lampen tauchen das Gestein in Grün- und Gelbtöne, damit Besucher die Fließrichtungen der Lava erkennen können. Die Besichtigung des Tunnels ist nur im Rahmen einer Führung möglich. Kosten: 9,50 Euro pro Person.

In diesen 45 Minuten fühlen Marko und ich uns ein bisschen unwohl, denn die Cueva de los Verdes ist ein Magnet für Massen. In einer Gruppe von etwa 50 Personen führt uns ein Spanisch und Englisch sprechender Guide durch den Tunnel. Dass dabei auch wild durcheinander geplappert wird, lässt sich kaum vermeiden.

Anders als erwartet, benötigen wir unter der Erde keine Jacken. Es ist zwischen 18 und 20 Grad warm. Auf der für Besucher geöffneten Strecke durchqueren wir einen unterirdischen Konzertsaal für 300 Gäste. Hier finden regelmäßig Klassik-Events statt. Als der Guide auf die besonders gute Akustik hinweist und fragt, ob jemand singen möchte, trällere ich spontan ein Liedchen. Nach dieser Überraschung für mich selbst und die anderen folgt eine zweite zum Schluss, aber die wird nicht verraten.

Cueva de los Verdes, Lanzarote
Cueva de los Verdes, Foto: Reise-Liebe

Gesteinsformationen Stratified City

Die Steine von Stratified City im Osten der Insel tangieren das Thema Vulkane auf Lanzarote nur am Rande. Da aber Lava die Basis von allem ist, erwähne ich sie trotzdem in diesem Artikel. Stratified City (zu Deutsch: geschichtete Stadt) gehört noch zu den Geheimtipps auf Lanzarote. Ganz wenige andere Touristen treffen wir hier an.

Schon vom Straßenrand der LZ-404 sieht man die mehrschichtigen grauen Gesteinsformationen. Diese surrealistischen Kunstwerke der Natur könnten auch aus einem Fantasy-Film entsprungen sein und erinnern ein bisschen an Monument Valley in den USA.

Jeder dieser Stein-Kolosse hat eine individuelle Form. Im Gesamtbild erwecken sie mit ihren Höhlen, Löchern und Tunneln den Anschein einer Siedlung prähistorischer Häuser. Für den Spaziergang von Felsen zu Felsen nehmen wir uns ungefähr eine Stunde Zeit. Wir bewegen uns von der Straße weg ins Landesinnere und entdecken ein spektakuläres Foto-Motiv nach dem anderen. Sollten wir eines Tages zurückkehren, wird sich uns wahrscheinlich ein etwas anderes Bild zeigen. Die Gesteinsformationen erodieren und ändern somit ihr Aussehen regelmäßig.

Stratified City
Stratified City, Foto: Reise-Liebe

Lava-Felsen Los Hervideros

Reisen wir nun vom Osten in den Südwesten von Lanzarote. Nördlich von Playa Blanca findest Du eine weitere naturbelassene Sehenswürdigkeit der Kanareninsel. Los Hervideros sind noch relativ jung: Bei Vulkanausbrüchen im Jahr 1824 floss bis dato zum letzten Mal Lava ins Meer und erkaltete an der Küste.

Los Hervideros, Lanzarote
Los Hervideros, Foto: Reise-Liebe

Bei einem Stopp wirst Du mit Sicherheit staunen, wie aufbrausend die Wellen des Atlantiks gegen die Felsen schlagen. Dank dieser tosenden Kraft des Meeres sind in der Lava-Landschaft unzählige Tunnel und Löcher entstanden. Jede Welle flutet sie aufs Neue.

Wenn Du auf den Wegen von Los Hervideros spazieren gehst, kannst Du miterleben, wie die Gischt in die Lava-Grotten hineinsprudelt und laute Wellen gegen die Felsen preschen. Im Hintergrund erheben sich die roten Feuerberge des Nationalparks Timanfaya, auf den ich am Ende dieses Blogposts zu sprechen komme.

Los Hervideros
Los Hervideros, Foto: Reise-Liebe

El Golfo und Lago Verde

Fahren wir erst einmal ein paar Kilometer weiter nach El Golfo, wo die Straße in einer Sackgasse endet. In diesem romantischen kleinen Fischerort locken zahlreiche Fisch-Restaurants mit der fangfrischen Ausbeute des Meeres. Mit Blick auf den tobenden Atlantik lassen wir uns eine vegane Paella schmecken. Bei einem Spaziergang stellen wir dann fest, dass sich El Golfo trotz des touristischen Angebots seinen ursprünglichen Charme bewahrt hat.

Natur-Liebhaber interessieren sich wahrscheinlich mehr für den Lago Verde (zu Deutsch: grüner See), der Heerscharen von Touristen in seinen Bann zieht. Die sichelförmige grüne Meerwasser-Lagune in einem teilweise im Ozean versunkenen Vulkankrater speist ihre leuchtende Farbe aus der Alge Ruppia Maritima. Unterirdisch ist der Lago Verde mit dem Meer verbunden und wird ständig neu mit Wasser gefüllt. Nichtsdestotrotz verdunstet er immer mehr und hat bereits einen Teil seiner Größe eingebüßt.

Lago Verde Lanzarote
Lago Verde, Foto: Reise-Liebe

Timanfaya Nationalpark

Das absolute Highlight der Vulkane auf Lanzarote habe ich mir bis zum Schluss aufgehoben: den Timanfaya Nationalpark, zu dem auch der Volcan El Cuervo zählt. 1974 wurde das Gebiet zum achten Nationalpark Spaniens erklärt. Er umfasst eine Fläche von 51,07 Quadratkilometern. Einen beachtlichen Teil dieser atemberaubenden Vulkan-Landschaft kannst Du mit dem Auto oder auf dem Fahrrad kostenlos durchqueren. Die Straßen LZ-56, LZ-67, LZ-703 und LZ-705 führen durch unterschiedliche Abschnitte.

Wenn Du allerdings die berühmten Feuerberge aus nächster Nähe bewundern willst, musst Du an einer kostenpflichtigen Rundfahrt durch den Timanfaya Nationalpark teilnehmen. Von der LZ-67 geht eine Zufahrtsstraße zum Parkplatz ab. Sie liegt hinter einem Kassenhäuschen, wo zehn Euro Eintritt pro Person verlangt werden.

Der Parkplatz befindet sich vor dem 1967 von César Manrique gestalteten Restaurant El Diablo. Nachdem Du das Auto geparkt hast, kannst Du sofort in einen der Busse umsteigen. Etwa 40 Minuten werden die Touristengruppen durch die je nach Sonneneinstrahlung rot-orange leuchtenden Feuerberge mit den insgesamt 32 Kratern chauffiert. Auf der rund 14 Kilometer langen Strecke erhält man per Tonband in mehreren Sprachen Informationen über den Timanfaya Nationalpark, unter anderem auf Deutsch. Ich setze mich zum Filmen auf den Rücksitz und würde eigentlich viel lieber durch die Feuerberge wandern!

Timanfaya Nationalpark
Timanfaya Nationalpark, Foto: Reise-Liebe

Nach der Rückkehr zum Restaurant bekommen wir ein von Menschenhand erzeugtes Naturschauspiel vorgeführt. Ein Nationalpark-Mitarbeiter gießt durch eine Röhre Wasser in den Lava-Boden. Da sechs Meter tiefer Temperaturen von zirka 600 Grad Celsius herrschen, verdampft das Wasser sofort und der Dampf zischt als heiße Fontäne aus der Erde. Kurz sehe ich mich wieder bei den Geysiren in Island und zucke hinter meiner Kamera für den Bruchteil einer Sekunde zusammen.

Nach der gelungenen Show stillt Marko im El Diablo mal wieder seinen Kaffeedurst. Wir könnten dort auch auf vulkanischer Hitze zubereitetes Essen genießen. Über einem Vulkanschlund werden nämlich Hähnchen und Kartoffeln gegrillt.

Als wir die immer voller werdende Touristenattraktion hinter uns gelassen haben, stoßen wir wenige Kilometer entfernt auf eine weitere. Kamele schleppen Urlauber durch den Nationalpark. Die Ausbeutung von Tieren für touristische Zwecke schmeckt und beiden ganz und gar nicht. Wir fahren weiter zu einem Besucherzentrum, erleben einen simulierten Vulkanausbruch und erfahren eine Menge über die Entstehungsgeschichte der Insel, deren Flora und Fauna. Der Eintritt ist frei.

Falls Dich die Vulkane auf Lanzarote faszinieren und der nächste Urlaub noch auf sich warten lässt, schau Dir die Kinderserie „Timm Thaler“ von 1979 an. Lanzarote ist in der Geschichte die fiktive Vulkaninsel Aravanadi, wo der teuflische Baron de Lefeut (lies mal rückwärts!) sein Unwesen treibt. Alle Folgen lassen sich im Internet streamen. (as)

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