Kronborg: das Hamlet-Schloss in Helsingør

Schloss Kronborg

Wenn du einen Städtetrip nach Kopenhagen machst (oder eine Radreise auf dem Berlin-Kopenhagen-Radweg), solltest du dir einen Ausflug nach Helsingør nicht entgehen lassen. Die kleine, schmuckvolle Stadt an der engsten Stelle des Öresunds bietet eine berühmte Sehenswürdigkeit: Schloss Kronborg. Kronborg Slot, wie die Dänen es in ihrer Landessprache nennen, hat sich vor allem als „Hamlet-Schloss“ einen Namen gemacht. Mit der realen Geschichte hat das zwar wenig zu tun, doch William Shakespeares literarischer Einfallsreichtum überflügelt die Bekanntheit der historischen Persönlichkeiten um Lichtjahre. Und selbst wenn du dich gegen eine Schlossbesichtigung entscheidest, bietet das Stadtzentrum von Helsingør viele malerische Ecken zum Bummeln.



Stadtbummel in Helsingør

Ungefähr alle 20 Minuten fahren Regionalzüge vom Kopenhagener Hauptbahnhof in die dänische Nachbarstadt von Helsingborg in Schweden. Die Reise dauert ungefähr eine Dreiviertelstunde. Wenn du magst und viel Zeit mitbringst, kannst du beide Städte an einem Tag zu besuchen. Direkt neben dem Bahnhof befindet sich der Fährterminal, wo ebenfalls Schiffe zur kleinen schwedischen Insel Ven in See stechen.

Solltest du samstags durch die belebten Einkaufsstraßen von Helsingør schlendern, wirst du mit Sicherheit eine Menge Schwedisch hören. Vor allem die Wein- und Spirituosenhändler der Stadt exponieren ihre Angebote, vor denen sich Trauben schwedischer Gäste bilden. Schwedens Alkohol-Shop System Bolaget ist nämlich an Wochenenden geschlossen und in Dänemark sind alkoholische Getränke wie in Deutschland auch in Supermärkten frei verkäuflich.

Sofern du günstig allen möglichen Krimskrams einkaufen möchtest, bekommst du dafür auf einem Flohmarkt Gelegenheit. Rund um Kopenhagen fällt auf, dass in vielen kleineren Städten Gebrauchtes an Marktständen die Besitzer wechselt. Immerhin bewegen sich die Preise in Dänemark sowohl für Gegenstände des täglichen Gebrauchs als auch für Lebensmittel auf einem recht hohen Niveau. Ob man sich in Helsingør ein Eis kauft oder in eines der zahlreichen Restaurants und Straßencafés einkehrt, mag man sich also zweimal überlegen.

Egal, ob du dir Reiseproviant mitbringst oder auswärts essen gehst, Helsingør ist bunt und gemütlich – oder hygge, wie die Dänen sagen würden. Ich fühle mich deshalb wie in einer guten Stube. Vor deinem Besuch von Schloss Kronborg empfehle ich dir einen Besuch des St.-Olai-Doms und der Marienkirche mit dem Liebfrauenkloster, das im Jahr 1430 von Karmeliten erbaut wurde. Beide Sakralbauten haben wegen ihrer rötlichen Backsteinarchitektur einen typisch nordischen Touch. Oder darf es ein Aquarium, ein Stadtmuseum oder ein Seefahrtsmuseum sein? Eifrige Museums-Gänger kommen in Helsingør auf jeden Fall auf ihre Kosten und sollten mindestens zwei Tage bleiben, um alle Museen zu erkunden.

Kanonen vor Schloss Kronborg
Kanonen vor Schloss Kronborg, Foto: Reise-Liebe

Aus Krogen wurde Kronborg

Ich habe es auf Kronborg abgesehen – das wuchtige Schloss, das einem sofort ins Auge sticht, wenn man das Bahnhofsgebäude verlässt. Auf der grünen Landzunge, auf der es erbaut wurde, wirkt es bis heute wie ein Bollwerk gegen die Schweden. Und die auf Helsingborg gerichteten Kanonen veranschaulichen die einstige Feindschaft zwischen den beiden Völkern eindrucksvoll.

Der allererste Bauherr des Schauplatzes von Hamlet war Erich von Pommern. Um 1420 errichtete er an der Stelle des heutigen Schlosses Kronborg die quadratische Festung Krogen. Im Jahr 1574 beauftragte der dänische König Frederik II. den flämischen Architekten Hans van Paeschen, eine mittelalterliche Festung im Stil der nordischen Renaissance zu bauen. Per königlichem Dekret fand am 24. Januar 1577 eine Namensänderung statt: Aus Krogen wurde Kronborg.

Die Mauern, die man heute zu Gesicht bekommt, stammen allerdings zum größten Teil aus dem 17. Jahrhundert. Wegen einer Unachtsamkeit zweier Arbeiter ging das Schloss 1629 fast komplett in Flammen auf. Nur die Schlosskapelle blieb von dem Brand verschont und die Rekonstruktion unter König Christian IV. sollte zehn Jahre dauern.



Eines von vielen Dänen-Schlössern

Ich gönne mir für 125 dänische Kronen (rund 16,80 Euro) ein Ticket für Schloss Kronborg und schnappe während der Besichtigung viele interessante Fakten aus der dänischen Geschichte auf. Unter anderem erfahre ich, dass die dänischen Monarchen Reisende waren, die sich niemals permanent in einem Schloss aufhielten. Um in allen Landesteilen von Dänemark zu schalten und zu walten, unterhielten sie mehrere Schlösser. Wie Nomaden zogen sie von einem Wohnsitz zum anderen und nahmen jedesmal ihren gesamten Hofstaat und die Inneneinrichtung mit.

Gar nicht so viel anders als mein eigener Lifestyle, denke ich mir und bin etwas geschockt, während ich über König Frederik II. lese: Im Alter von 38 Jahren habe er sich unsterblich in die erst 14-jährige Sophie von Mecklenburg verliebt. Angeblich sei die daraufhin arrangierte Ehe besonders „glücklich“ gewesen. Mit 16 bekam Sophie ihr erstes Kind Elisabeth und bis 1583 sollten sechs weitere Nachkommen folgen, darunter der legendäre König Christian IV. Dass solch ein Leben für eine so junge Frau von „Glück“ erfüllt gewesen sein soll, kann ich mir schwer vorstellen, doch immerhin befinden wir uns im 16. Jahrhundert und nicht im skandalträchtigen Jahr 2023.

In Jetzt-Zeit wandele ich durch verschiedene Wohn- und Banketträume von Schloss Kronborg und sehe, wie sich die Inneneinrichtung im Laufe der Jahrhunderte verändert hat. Im Innern gibt es auch einen langen Gang, in dem die dänischen Königinnen Spaziergänge gemacht haben sollen. Die frische Luft hätten sie aus einem bestimmten Grund gemieden: um draußen nicht ihre Schuhe zu ruinieren! Am Rande des Ganges entdecke ich einen kleinen Papageien-Käfig und lese, dass der Transportkäfig für die Reisen des Vogels noch winziger gewesen sei …

Dänischer Thronsaal
Thronsaal auf Schloss Kronborg, Foto: Reise-Liebe

Düstere Kasematten unter Kronborg

Neben der prächtigen, goldverzierten Kapelle und einer Schlossküche, in der mitgebrachtes Essen verzehrt werden darf, gibt es auf Schloss Kronborg eine düstere Unterwelt. In den Kasematten haust der Riese Holger Danske in Form einer wuchtigen Steinskulptur. Diese dänische Sagengestalt ist in ganz Skandinavien bekannt und erlangte durch Hans-Christian Andersens Märchen „Holger Danske“ aus dem Jahr 1845 auch internationale Popularität. Laut einer Legende verspürte der unbesiegbare Krieger so starkes Heimweh nach Dänemark, dass er nach einem Feldzug zurückkehrte und in einem Tiefschlaf versank. Es heißt, dass Holger erst erwache, wenn sein Land wieder ernsthaft von Feinden bedroht wird. In Kronborgs Kasematten könnte ihn lediglich das Geschnatter der zahlreichen Touristen wecken.

Aussicht genießen auf dem Schlossturm

Von ganz unten geht es hoch hinaus. Über 140 Stufen hat der Schlossturm von Kronborg und wenn du sie bezwingst, darfst du eine fantastische Aussicht über die Schlossanlage, die Stadt Helsingør und den Öresund genießen. Der Blick fällt auch auf Helsingborg und die schwedische Westküste. Alles liegt sehr nah beieinander und wirkt an einem sonnigen Samstagnachmittag trotz der Kanonen vor dem Schloss absolut friedlich. (as)

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