Bootstour durchs Swinedelta mit dem Fischer Eddy

Bootstour durchs Swinedelta

Dieser Ausflug ist DAS Highlight meines Ostsee-Kurztrips nach Usedom. Weil ich nur drei Tage Zeit habe, informiere ich mich vor der Reise auf YouTube über die Sehenswürdigkeiten der Insel. Ziemlich schnell steht fest, dass ich eine Bootstour durchs Swinedelta mit Fischer Eddy Stoll machen möchte. Das Nordlicht mit dem Ausflugsboot „Carmen Calypso“ tritt in mehreren Usedom-Dokus auf. Das Ziel der Tour zieht mich sofort in seinen Bann: ein schilfiges Vogelbrutgebiet im Stettiner Haff, wo sich der Fluss Swine an 44 Inseln vorbeischlängelt.

Bootstour Swinedelta
Foto: Reise-Liebe

Transfer ab Bansin

Kurz recherchiere ich im Internet und werde prompt fündig. Den Ausflug mit Eddy kann man beim Promenadenhotel Admiral im Kaiserbad Bansin online buchen. Die Bestätigung flattert noch am gleichen Tag in meine Mailbox – unter dem Vorbehalt, dass die Mindestteilnehmerzahl von zwölf Personen noch nicht erreicht sei und die Tour bei schlechtem Wetter abgesagt wird.

Ich habe Glück. Am 10. Oktober zeigt sich kaum ein Wölkchen am norddeutschen Himmel und die Sonne lacht den lieben langen Tag. An der Seepromenade fahre ich an diesem wunderschönen Morgen mit meinem Mietrad von Heringsdorf nach Bansin. Das Hotel Admiral hat Meerblick in der allerersten Reihe, so dass man es gar nicht verfehlen kann. An der Rezeption bezahle ich die Bootstour durchs Swinedelta mit Bargeld – 50 Euro, kein Pappenstiel für einen Halbtagesausflug ohne Essen. Die Natur, die ich zu Gesicht bekomme, ist mir die Investition aber wert.

Pritter auf Wollin
Foto: Reise-Liebe

Abfahrt im Swinemünder Hafen

Kurz vor halb zehn geht es im Minibus zum Hafen im polnischen Swinemünde – oder Swinoujście in der Landessprache. Es ist eine kurze Fahrt nach Polen, wo sich das Swinedelta auf über 3.000 Hektar erstreckt. Fischer Eddy und sein Steuermann sind schon startklar. Inklusive meiner Wenigkeit begrüßen die beiden 13 Gäste an Bord der „Carmen Calypso“. Es handelt sich also um eine überschaubare Gruppe statt um Massenabfertigung.

Hafen von Swinemünde
Foto: Reise-Liebe

Das triste Hafenpanorama in Swinemünde lässt die Kriegsvergangenheit der Stadt durchschimmern. Eddy erzählt auch als erstes von dem schweren US-Luftangriff am 12. März 1945, als das einst preußische Seebad dem Erdboden gleichgemacht wurde. Laut seiner Erzählung sollen an dem Tag 23.000 deutsche Kriegsflüchtlinge aus Pommern und Ostpreußen ihr Leben verloren haben.

Werft in Swinemünde
Foto: Reise-Liebe

Seemannsgarn von Fischer Eddy

Eine von vielen Geschichten, die der Seemann im Laufe des Ausflugs auspackt. Es macht diesem Usedomer Original offenbar Spaß, in herber Waterkant-Manier mit seinen Passagieren zu plaudern. Eine ganze Weile schippern wir durch den weitläufigen Swinemünder Hafen mit seinen Werften und Fähr-Terminals. Immer wieder treffen wir auf Mini-Fischerboote. Nur ein oder zwei Angler lassen sich darin gemütlich übers Wasser treiben. In Polen sei es unter den Einheimischen noch üblich, sich ihren Fisch selbst zu fangen, kommentiert Eddy den Anblick.

Polnische Fischer in Swinemünde
Foto: Reise-Liebe

Derweil regt er sich mächtig auf, weil die kommerzielle Fischerei auf Usedom nahezu zum Erliegen gekommen ist. Er wettert aber weniger gegen die Überfischung der Meere als gegen die wachsende Population der Kormorane im Swinedelta. Man solle die „Dinger“, wie er die schwarzen Vögel nennt, in großer Zahl abschießen: Erstens fräßen sie den Fisch weg, zweitens töte ihr stark ätzender Kot die Bäume. Dem Klimawandel sei Dank! Außerdem habe Usedom in den Wintermonaten eine Robbenplage, denn allgemein gebe es zu viele dieser Fisch liebenden Meeressäuger in der Ostsee.

Kormorane im Swinedelta
Foto: Reise-Liebe

Die Baum-Skelette voller Kormoran-Kolonien sind unübersehbar. Trotzdem stelle ich meine Ohren auf Durchzug. Ließe ich mich auf eine Diskussion mit dem Kapitän ein, könnte ich extrem aggressiv werden. Eine Bekämpfung der Symptome mithilfe von Gewehren kann einfach keine Lösung sein. Aber wer möchte in einer Welt mit immer mehr Massenkonsum noch die Ursachen beim Schopfe packen?

Kormorane im Swinedelta
Foto: Reise-Liebe

Bootstour durchs Swinedelta voller Vögel

Allgemein posaunt mir Eddy bei der Bootstour durchs Swinedelta zu viele politische Ansichten aus, so dass ich mich irgendwann abwende und mich auf die Natur konzentriere. Neben den Kormoranen brüten hier unter anderem Seeadler und Graureiher. Wenn man die Pupillen spitzt, bemerkt man im hohen Schilf auch Schwäne.

Landwirtschaft im Swinedelta
Foto: Reise-Liebe

Ein Teil der Inseln im Sumpfgebiet zwischen Lebbin, Wollin und Usedom steht unter Naturschutz. Auf anderen wird Landwirtschaft betrieben. Die Bewirtschaftung erweise sich aber wegen des extrem feuchten Bodens als schwierig, erklärt Eddy.

Fischer Eddy Stoll
Foto: Reise-Liebe

Unterwegs präsentiert sich uns das Bilderbuch-Panorama von Pritter (Przytor) auf Wollin. Ein malerisches Örtchen, wo sich seit Öffnung des Eisernen Vorhangs viele Deutsche und Skandinavier niedergelassen hätten. In so eine Idylle mit Kirchturm und ganz viel Wasser möchte ich mich auch immer öfter zurückziehen!

Pritter auf Wollin, Swinedelta
Foto: Reise-Liebe

Süßwasser-Meer Ostsee

Apropos Wasser: Eine Sache lerne ich vom Captain der „Carmen Calypso“. In der Ostsee fließen 70 Prozent Süßwasser und das sei auch der Grund, weshalb sie im Winter in Finnland zufriert. Die dicke weiße Schicht habe ich Anfang 2012 bei Helsinki höchstpersönlich in Augenschein genommen, bin sogar mit meinem damaligen Schatz übers Eis spaziert. An der deutschen Ostseeküste ist das Meerwasser salzig und Packeis eine Unmöglichkeit.

Bootsausflug Swinedelta
Foto: Reise-Liebe

Daran will ich aber bei meiner Bootstour durchs Swinedelta gar nicht denken. Ich kralle mir die Sonnenstrahlen des goldenen Oktobers und die satten Blautöne zwischen Himmel und Meer. Ein Fest für meine Seele, obwohl mein Magen am Ende des Ausflugs knurrt. Eddy verkauft zwar für 2,50 Euro belegte Brötchen, doch die sind alle fleischig. (as)

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