EuroVelo 10 finnische Westküste: Radreise von Oulu nach Turku

EuroVelo 10 finnische Westküste bei Kokkola

2025 habe ich erste intensive Erfahrungen mit dem Ostseeküstenradweg in Finnland gemacht. Vor diesem Fahrrad-Abenteuer ahnte ich nicht, was für ein steiles Auf und Ab mich auf dem EuroVelo 10 zwischen Turku und Helsinki erwarten würde. Nach dieser sportlichen Radreise beschließe ich: 2026 fahre ich den EuroVelo 10 finnische Westküste. Im Netz lese ich, dass die Landschaft im Westen von Finnland flacher sei. Das trifft zwar auf die nördlichen Etappen des Weges zu, doch auf dieser Strecke lauern ganz andere Herausforderungen und sogar Ärgernisse.

EuroVelo 10 finnische Westküste ohne Kemi

Mein ursprünglicher Plan: den gesamten EuroVelo10 finnische Westküste von Kemi bis Turku zu bezwingen – wie immer aus eigener Körperkraft auf meinem guten alten Trekking-Bike, das mich seit 2019 begleitet. Laut Google sind das rund 1.000 Kilometer.

Es kommt jedoch anders. Wegen einer Kajak-Tour in Oulu verwerfe ich die anfangs anvisierte Route, bleibe einen Tag länger in der Europäischen Kulturhauptstadt 2026 und wähle Oulu als Start. Angereist bin ich mit der finnischen Bahn, die Fahrräder gegen einen Aufpreis befördert. Da die Stellplätze in den Zügen sehr begrenzt sind, ist es für Radreisende in Finnland ratsam, Fahrrad-Fahrkarten möglichst früh online zu kaufen.

Ich nehme einen direkten Intercity von Rovaniemi nach Oulu und steige erst wieder in einen Zug, als ich das Ziel der Radreise erreicht habe. Wie die Suchmaschine behauptet, hat der EuroVelo 10 finnische Westküste zwischen Oulu und Turku eine Länge von etwa 800 Kilometern. Das ist aber nur ein Schätzwert. In der Realität kommt es während der Radtour immer wieder zu Abstechern und Streckenänderungen. Letztere sind der Tatsache geschuldet, dass bis Vaasa Ausschilderungen für den EuroVelo fehlen, die Straßenverhältnisse entweder für ein beladenes Trekking-Bike unzumutbar sind oder es direkt am Fernradweg an bezahlbaren Unterkünften mangelt.

Windmühle in Korsnäs
Windmühle in Korsnäs, Foto: Reise-Liebe

Wie viele Etappen für EuroVelo 10 finnische Westküste?

EuroVelo 10 finnische Westküste Wegweiser bei Oulu
Wegweiser bei Oulu

Die Anzahl der Etappen auf dem Ostseeküstenradweg im Westen von Finnland lässt sich kaum pauschalisieren und hängt davon ab, wie fit man sich fühlt und auf welchem Fahrrad-Typ man die Eurovelo 10 Radreise antritt.

Im Nachhinein gebe ich zu, dass ich mich bei der Etappenplanung ein bisschen verschätzt habe und fast jeden Tag 100 Kilometer und mehr durch die Gegend strampele. Manche Radreisende mögen diese Strecken für Katzensprünge halten: Zum Beispiel berichtet mir auf Instagram ein Radreise-Autor, er lege täglich „nur“ 200 Kilometer zurück, weil er ja sooo langsam unterwegs sei. Für mich dagegen sind 100 Kilometer eine ganze Menge, während anderen auf einer 20 Kilometer langen Radtour schon die Puste ausgeht. In welchem Spektrum bewegst du dich? Sobald du auf diese Frage eine Antwort gefunden hast, kannst du mit der Reiseplanung starten.

Beste Stopps an Finnlands Westküste

Bevor du aufbrichst, sei dir über eines im Klaren: Finnlands Westen ist sehr dünn besiedelt. Die kleineren Ortschaften am EuroVelo 10 finnische Westküste bestehen häufig nur aus einem oder wenigen verstreuten Häusern. Dazwischen kommt zig Kilometer nichts und weckt Erinnerungen an die baltischen Staaten.

Das Leben mit einer gut ausgebauten Infrastruktur konzentriert sich auf kleine bis mittelgroße Städte, die sich als Etappenziele für Radreisende ohne Camping-Ausrüstung eignen – solche wie mich. Auch mitten in der Natur locken Plätze, wo es sich lohnt, zwischen den Etappenzielen Zeit zum Durchatmen zu verbringen. Einen Überblick bekommst du hier.

Tallink Silja

Oulu

Die Europäische Kulturhauptstadt 2026 punktet im Sommer mit viel Grün, Erholungsgebieten am Wasser und einem vorbildlichen Radwege-Netz. Das Aufgebot an Wegweisern macht es Radfahrern fast unmöglich, sich in Oulu zu verfahren.

Einer der beliebtesten Sandstrände im Norden von Finnland befindet sich wenige Kilometer außerhalb des Stadtzentrums: Nallikari. Hier erwarten dich ein ikonischer Leuchtturm, mehrere Lokale und die Möglichkeit, an geführten Ausflügen wie Kajak- oder Fatbike-Touren teilzunehmen.

Leuchtturm von Nallikari in Oulu
Leuchtturm von Nallikari in Oulu, Foto: Reise-Liebe

Liminganlahti

Meine erste längere Pause auf der Etappe von Oulu nach Raahe gönne ich mir in Liminganlahti, der Bucht von Liminka. Diese große flache Meeresbucht an der Bottnischen See gilt als eines der bedeutendsten Feuchtgebiete in Europa. Jedes Jahr kommen Zehntausende Zugvögel in das rund 12.000 Hektar umfassende Natura-2000-Gebiet, so dass Liminganlahti auch Vogelbeobachter begeistert.

Während einer Radel-Pause kannst du auf den ausgeschilderten Wegen durch die Natur spazieren, an gepflegten Picknick-Plätzen mitgebrachtes Essen verspeisen und das Naturzentrum besuchen. Wie in Finnland üblich, gibt es überdachte Rastplätze mit gemütlichen Feuerstellen zum Grillen. Ein Paradies für Naturliebhaber!

Liminganlahti im Norden von Finnland
Aussicht in Liminganlahti

Raahe

In Raahe beziehe ich mein erstes Nachtquartier am EuroVelo 10 finnische Westküste. Ich finde Unterschlupf in einem fast leeren Wohnhaus, das nur mit dem Nötigsten ausgestattet ist und so dem Ambiente eine etwas unheimliche Note verleiht.

Zu meinem Glück ist gerade Juhannus – das in Finnland wichtige Fest der Sommersonnenwende. Mittsommerfeuer (finnisch: kokko) werden jedoch nirgends angezündet – oder ich bekomme es nicht mit. Viele Menschen versammeln sich in kleineren privaten Gruppen und verbringen zusammen eine schöne Zeit am Wasser. Während sie trinken, Musik hören und quatschen, bleibe ich in der nachtlosen Nacht stille Beobachterin, schaue aufs Archipel und radele durch die Altstadt.

Juhannus in Raahe
Juhannus in Raahe, Foto: Reise-Liebe

Das alte Stadtzentrum ist wegen der historischen Holzhäuser der touristisch interessanteste Teil von Raahe – vor allem der Pekkatori. Dieser zentrale Platz wurde nach einem verheerenden Stadtbrand im Jahr 1810 im Renaissance-Stil angelegt. Die heutigen Wohnhäuser beherbergten einst zahlreiche Kaufmannsläden, und in der Mitte des Platzes steht eine Statue des Stadtgründers Per Brahe.

Pekkatori in Raahe
Pekkatori in Raahe, Foto: Reise-Liebe

Pyhäjoki

Als ich die Radreise an der finnischen Westküste am nächsten Morgen fortsetze, durchquere ich ein verschlafenes Nest namens Pyhäjoki. Im Zentrum denke ich: „Wie langweilig!“

Doch dann komme ich zum eigentlichen Rückgrat des Ortes: Dabei handelt es sich um den Fluss Pyhäjoki (deutsch: heiliger Fluss), der hier mit tosenden Stromschnellen in den Bottnischen Meerbusen fließt. Also entscheide ich mich, nicht gleich weiter zu rasen und mache einen Abstecher zu einer bemerkenswerten Holzbrücke: Die 77,5 Meter lange Etelänkylän Isosilta aus dem Jahr 1837 ist Finnlands älteste Sprengwerkbrücke, die eine wunderschöne Aussicht auf dem Fluss gewährt.

Pyhäjoki am EuroVelo 10 finnische Westküste
Der tosende Pyhäjoki, Foto: Reise-Liebe

Kalajoki

Selfie mit Helena in Kalajoki
Selfie mit Helena in Kalajoki, Foto: Reise-Liebe

Die zweite Etappe der Finnland Radreise führt mich nach Kalajoki, wo ich in einem heimeligen Mökki einige Kilometer außerhalb der Stadt eine Nacht verbringe. Während meines kurzen Aufenthalts entdecke ich zwei Highlights: zum einen das farbenfrohe Holzhausviertel Plassi, zum anderen die atemberaubende Sanddüne.

Plassi liegt an der Mündung des Flusses Kalajoki (deutsch: Fischfluss) und war zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert ein wichtiger Handelsplatz für Teer als Haupthandelsgut. Später wandelte sich das Viertel zu einem Wohnort für Fischer und Handwerker. Bei meinem Besuch wirkt es wie ausgestorben – schließlich ist das Juhannus-Wochenende eine Zeit, in der sich die meisten Finnen mit ihren Familien zurückziehen und privat den Beginn des Sommers zelebrieren.

Trotzdem finde ich Gesellschaft: Auf Instagram wird Helena auf meine Posts vom EuroVelo 10 finnische Westküste aufmerksam. Sie macht Marketing für Kalajoki und lädt mich am Morgen meiner Abreise auf einen Kaffee ein. Weil Helena nahezu akzentfrei Deutsch spricht, halte ich sie zunächst für eine ausgewanderte Deutsche. Aber weit gefehlt: Sie ist Finnin, hat mehrere Jahre in Deutschland gelebt, gearbeitet und sogar studiert. Bevor wir uns voneinander verabschieden, machen wir noch ein Selfie vor der herrlichen Kulisse des Sandstrands von Kalajoki. Hier würde ich gerne einen langen Spaziergang machen, doch dafür hätte ich besser einen zweitägigen Aufenthalt einplanen sollen.

Sandstrand von Kalajoki am EuroVelo 10 finnische Westküste
Sandstrand von Kalajoki, Foto: Reise-Liebe

Kokkola

Kokkola ist an die Intercity-Verbindung zwischen Helsinki und Rovaniemi angeschlossen – die Bahnstrecke, an die auch Oulu angebunden ist. So hast du die Option, deine EuroVelo 10 Radreise durch Finnland in Kokkola zu starken.

Neristan in Kokkola
Holzhäuser in Kokkola, Foto: Reise-Liebe

Die Stadt mit dem geschichtsträchtigen Holzhausviertel Neristan besticht durch ein exzellentes Wege-Netz für Radtouren in der näheren Umgebung. Hier bin ich glücklich, zwei Tage zu bleiben und ohne Fahrrad einen Ausflug zur Leuchtturm-Insel Tankar zu machen. Während meiner Kooperation mit Visit Kokkola war es leider nicht möglich aus dem Eiland zu übernachten. Sollten jedoch Zimmer frei sein, ergreife unbedingt die Gelegenheit und erlebe im Sommer die Mitternachtssonne auf Tankar.

Leuchtturm von Tankar
Leuchtturm von Tankar, Foto: Reise-Liebe

Jakobstad

Die Strecke zwischen Kokkola und Jakobstad ist nur knapp 40 Kilometer lang – meine kürzeste Etappe auf dem EuroVelo 10 finnische Westküste. Der Ostseeküstenradweg schlängelt sich hier durch eine wunderschöne Schärenlandschaft.

Während ich von Insel zu Insel radele, mache ich immer wieder kurze Foto-Stopps. Der einzige Wermutstropfen ist, dass sich der Radweg auf einer abgetrennten Spur an einer Autostraße befindet. Ohne Verkehrslärm kommt man also nicht von Kokkola nach Pietarsaari, wie das Etappenziel auf Finnisch heißt.

Holzhäuser in Jakobstad
Holzhäuser in Jakobstad, Foto: Reise-Liebe

Aber warum zwei Namen? An Finnlands Westküste ist die schwedische Sprache wesentlich präsenter als das Finnische. Gerade in Jakobstad fällt diese Tatsache stark auf. Während ich im Rahmen meiner Kooperation mit Visit Jakobstad durch das Holzhausviertel Skata spaziere, fühle ich mich wie in einen nostalgischen Bilderbuch-Ort in Schweden. Überhaupt könnte man meinen, man wäre auf dem Fernradweg im westlichen Nachbarland – mit dem Unterschied, dass die Straßenverhältnisse und die fehlenden Ausschilderungen in Finnland oft eine Zumutung sind.

Das genaue Gegenteil ist allerdings der nordische Traumstrand Fäboda – das beliebte Naherholungsgebiet und Herzstück von Jakobstad. Zu diesem Strand mit lauschigem Kiefernwald, Granitfelsen, Vogelbeobachtungsturm und Café mit Meerblick gelangt man durch einen etwa drei Kilometer langen Abstecher vom EuroVelo 10 Richtung Vaasa. Auf den Fotos wirkt der Strand wie eine perfekte Idylle, in der mich ein böenartiger kalter Wind empfängt. Auf dieser Radreise ist eben nichts so perfekt, wie es scheint …

Weg zum Vogelbeobachtungsturm in Fäboda
Holzbohlenweg von Fäboda, Foto: Reise-Liebe

Nykarleby

Die lange Etappe von Jakobstad nach Vaasa entpuppt sich vor allem wegen fehlender Wegmarkierungen, Gegenwind und schlechter Straßenverhältnisse als Wagnis. Einen Lichtblick beschert mir die sonnengelbe Holzkirche von Nykarleby. Sie liegt direkt am Fluss, den ich überquere, um auf dem EuroVelo 10 zu bleiben. Überhaupt ist Nykarleby mehr Fluss-Stadt als Küstenstadt.

Wenn du etwas Zeit mitbringst, kannst du das Nykarleby-Stadtmuseum besuchen und eine Fahrt in die Vergangenheit mit der Museumsbahn machen. Die Dampflokomotive fährt jedoch nicht täglich, so dass der Aufenthalt gut abgepasst werden sollte.

Kirche von Nykarleby am EuroVelo 10 finnische Westküste
Kirche von Nykarleby, Foto: Reise-Liebe

Vaasa

Laut der Online-Karte des EuroVelos soll das letzte Drittel der Etappe von Jakobstad nach Vaasa durch den Schärengarten führen. Als ich sehe, wie holprig die Strecke ist, mache ich eine Kehrtwende und lasse mir von meinem Google Navi eine Alternative vorschlagen. Auch kein Weg des Glücks, aber wenigstens komme ich heil am Ziel an und mache am nächsten Morgen einen Tagesausflug mit der Wasaline nach Umeå in Schweden.

In der City von Vaasa
In der City von Vaasa, Foto: Reise-Liebe

Dementsprechend wenig Zeit habe ich nach meiner Rückkehr, Vaasa intensiv kennenzulernen. Das wäre aber mit Sicherheit interessant, weil es sich um das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum der finnischen Westküste handelt. Hervorzuheben ist, dass das geschäftige moderne Vaasa nicht das ursprüngliche ist. Im Jahr 1852 kam es zu einem Brand, der die ganze Stadt zerstörte. Das alte Vaasa (finnisch: Vanha Vaasa) existiert nach wie vor als Ruinengebiet rund sechs Kilometer außerhalb – für mich aufgrund des Zeitmangels und der Länge der nächsten Etappe, auf der sich heftiger Regen ankündigt, zu weit außerhalb für eine Erkundungstour.

Vor dem Theater von Vaasa
Vor dem Theater von Vaasa, Foto: Reise-Liebe

Kaskinen

Pause in Kaskinen
Selfie in Kaskinen, Foto: Reise-Liebe

Südlich der finnischen Gemüseanbau-Stadt Närpes gelange ich in eine pittoreske Kleinstadt namens Kaskinen. Die Sonne scheint, es ist warm – einfach optimal, um am Meer mit Blick auf das Archipel die Seele baumeln zu lassen.

An diesem herrlichen Sommertag Ende Juni findet zudem ein Fest am Ufer statt – mit Kunsthandwerksständen und Einblicken in alte Bootshäuser. Mit seinen farbenfrohen Holzhäusern im schwedischen Stil wirkt Kaskinen angenehm aus der hektischen Gegenwart gefallen – ein Städtchen für nostalgische Gefühle und einen ausgedehnten Stopp auf dem EuroVelo 10 finnische Westküste.

Kristinestad

Auch Kristinestad (finnisch: Kristiinankaupunki) ist – bezogen auf die Größe – ziemlich überschaubar, punktet aber ebenfalls mit einer erstaunlich dichten Kombination aus malerischen Holzhäusern, schwedischer Küstenkultur, Schären und Seefahrt.

Vor der Ankunft nehme ich mir vor, in Kristinestad eine Kaffeepause zu machen. Nach einem Café brauche gar nicht lange zu suchen – auf dem lauschig grünen Platz neben der Kirche werde ich in einem roten Holzhäuschen fündig. Aus dem Inneren schallen groovige Motown-Songs, und die Betreiberinnen sind Afro-Amerikanerinnen, die anstelle von Zimtschnecken und Co. amerikanische Kuchenspezialitäten kreieren. Also genieße ich einen leckeren Mango Cheesecake, der farblich gut zu den zahlreichen sonnengelben Holzfassaden in Kristinestad passt.

Café in Kristinestad
Café in Kristinestad, Foto: Reise-Liebe

Als ich weiterfahre und mich durch die Altstadt treiben lasse, stelle ich fest, dass der Ort auf einer schmalen Halbinsel zwischen zwei Buchten liegt und von Wasser umgeben ist. Die historischen Häuser sind keineswegs ein Freilichtmuseum, sondern werden zum Wohnen, als Läden und Cafés genutzt. Und was hat Kristinestad mit Raahe gemeinsam? Beide Städte wurden 1649 von Per Brahe gegründet.

Kirchplatz von Kristinestad
Kirchplatz von Kristinestad, Foto: Reise-Liebe

Merikarvia

Merikarvia gehört zum Natura-2000-Netzwerk und wirkt als Ortschaft auf den ersten Blick unspektakulär. Im Zentrum steht jedoch eine riesige Holzkirche aus dem Jahr 1899. Tatsächlich handelt es sich um eine der größten Holzkirchen in Finnland mit Sitzplätzen für rund 2.400 Menschen. Addiert man die Länge aller Kirchenbänke, ergibt sich eine überraschende Gesamtlänge von 979 Metern Sitzbank.

Das maritime Herz von Merikarvia ist der Boots- und Fischereihafen Krooka. Hier gibt es eine Räucherei, einen Gasthafen und in den Sommermonaten immer wieder Veranstaltungen mit Bezug zum Meer.

Hafen von Merikarvia am EuroVelo 10 finnische Westküste
Hafen von Merikarvia, Foto: Reise-Liebe

Rauma

Altstadt von Rauma
Spaziergang in Vanha Rauma, Foto: Reise-Liebe

Nachdem ich Pori auf dem EuroVelo 10 finnische Westküste eher als mäßig interessante Betonwüste empfunden habe, überrascht mich Rauma auf angenehme Weise. Was Holzhäuser betrifft, ist diese Stadt ein echtes Schwergewicht.

Die Altstadt Vanha Rauma wirkt nicht nur hübsch, sondern zählt auch zum UNESCO Weltkulturerbe – als eine der am besten erhaltenen Holzstädte in Nordeuropa. Auf rund 30 Hektar stehen über 600 historische Gebäude, darunter 200 Wohnhäuser und viele urige Läden mit individuellem Charme. Teilweise datiert die Stadtstruktur in Rauma bis ins Mittelalter zurück.

Wenn du viel Zeit hast, solltest du einen Ausflug in den Schärengarten machen – zum Beispiel zur Leuchtturm-Insel Kylmäpihlaja. Zu den kleinen Inseln im Archipel fahren in den Sommermonaten in regelmäßigen Abständen Ausflugsboote.

Uusikaupunki

Dank einer Kooperation mit Visit Uusikaupaunki bekomme ich auf dem EuroVelo 10 finnische Westküste die Gelegenheit, Uuusikaupunki (deutsch: Neustadt) etwas intensiver zu erkunden – inklusive Restaurants, Museen und Saunakultur.

Was die Anreise von Rauma angeht, rate ich dir, die letzten 20 Kilometer auf der Velhovesi Ring Route zu radeln. Der EuroVelo 10 läuft ab Pyhäranta über eine gewöhnliche Landstraße mit Autoverkehr. Zwischendurch gibt es es nur Wald und weder Ortschaften noch Sehenswürdigkeiten. Die Alternative schlängelt sich dagegen durch den Schärengarten von Uusikaupunki.

Das charmante Holzhausviertel in der Altstadt umfasst mit etwa 600 Gebäuden einen Radius von nur einem Kilometer. Das ist sehr kompakt, wurde aber als eine der schönsten Altstädte in Finnland ausgezeichnet.

Alte Kirche in Uusikaupunki
Alte Kirche in Uusikaupunki, Foto: Reise-Liebe

Turku

Mein letztes Ärgernis auf der EuroVelo 10 Radreise an Finnlands Westküste ist Turku. In der Innenstadt erwarten mich Anfang Juli gefühlt an jeder Ecke Baustellen. Darüber hinaus sorgt lang anhaltender Regen für schlechte Stimmung auf dem Sattel. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, endlich einmal die Burg von Turku zu besichtigen. Stattdessen ziehe ich mich zum Arbeiten in ein Fast-Food-Restaurant zurück und hake den EuroVelo 10 finnische Westküste als beendet ab.

Herausforderungen auf dem Ostseeküstenradweg

Nach der sehr sportlichen, aber durchgehend positiven Erfahrung auf dem EuroVelo 10 zwischen Turku und Helsinki habe ich dazu geneigt, den wesentlich längeren Abschnitt an der Westküste zu romantisieren und verallgemeinernde Gedanken mit mir herumzutragen: „Die finnischen Radwege sind super. In Finnland wird so viel Wert auf umweltfreundliches Reisen gelegt.“

Stattdessen lehrt mich die Realität eines Besseren: Auf sämtlichen Etappen lauern frustrierende Herausforderungen. Und wer einen Ostseeküstenradweg mit Meerblick erwartet, der wird bitter enttäuscht.

Wegweiser-Mangel am EuroVelo 10 finnische Westküste

Wegweiser am EuroVelo 10 finnische Westküste
EuroVelo 10 Wegweiser, Foto: Reise-Liebe

Als ich die Finnland Radreise in Oulu beginne, bin ich an jeder Ecke von klar verständlichen Wegweisern für Radfahrer umgeben. Deshalb fällt es mir in der Innenstadt leicht, den EuroVelo 10 Richtung Süden zu finden. Ich verlasse das Stadtzentrum, durchquere Kempele, dann Lumijoki – und schwupp – verschwinden die Wegweiser! Von nun an bin ich gezwungen, mich an der EuroVelo 10 Online-Karte zu orientieren oder den Google Navi zu benutzen.

Der Navi ist jedoch alles andere als vertrauenswürdig. Immer wieder versucht diese vor Inkompetenz strotzende KI, mich auf sandige Waldwege in der Mitte von Nirgendwo zu lotsen. Dass ich mich hier und da verfahre, ist somit vorprogrammiert – bereits auf der allerersten Etappe von Oulu nach Raahe.

Eine durchgehende Wegmarkierung bis Turku gibt es erst hunderte Kilometer weiter südlich. Die blauen Schilder starten in Vaasa, was allerdings nicht automatisch bedeutet, dass sie den EuroVelo 10 finnische Westküste zu einer besonders radfahrerfreundlichen Strecke machen.

Archipel bei Pori am EuroVelo 10
Archipel bei Pori am EuroVelo 10, Foto: Reise-Liebe

Schlaglöcher, Schotter, dünne Besiedelung

Wiederholt gerate ich auf dieser Radreise in Finnland in Situationen, die mich an die problematische Radtour durch Lettland ein Jahr zuvor erinnern. In der Westküsten-Region ist es gang und gäbe, dass Nebenstraßen weder asphaltiert sind noch durch Straßenarbeiten gepflegt werden. Alle paar Meter lauern Schlaglöcher. Auf solchen Schotterwegen wird mir bewusst, warum sich elektrische Fatbikes in Finnland so großer Beliebtheit erfreuen: Sie sind optimal fürs Gelände geeignet und bringen Radreisende schnell von A nach B.

Aber auf einem Trekking-Bike mit Gepäck ohne Elektromotor? Einmal befürchte ich, dass mir sämtliche Speichen aus den Rädern springen. Der Himmel hat sich mit bedrohlich dunklen Wolken zugezogen, mindestens 50 Kilometer kämpfe ich mich durch strömenden Regen durch den Wald. Es ist die kürzeste Strecke nach Teuva, die mir Google vorgeschlagen hat. Teuva? Moment mal, dieses Nest liegt doch nicht am EuroVelo 10, oder? Richtig, denn in Närpes finde ich nur wenige und dementsprechend überteuerte Nachtquartiere. Folglich fahre ich einen abenteuerlichen Umweg ins Landesinnere, um dort zu schlafen. Mehr hat Teuva nicht zu bieten.

Die dürftige Besiedelung zwischen den lohnenswerten Stopps mag dafür sorgen, dass man das Gefühl hat, auf dem EuroVelo 10 finnische Westküste kaum voranzukommen. Der heftige Gegenwind, der sich als mein ständiger Begleiter entpuppt, tut dabei sein Übriges. Die endlos wirkenden Landstraßen durch Wälder erwecken den Anschein, alles schon mehrfach gesehen zu haben. Und treffe ich andere Radreisende? Die Antwort lautet nein. Häufig 20, 30 Kilometer am Stück nur Straße und Wald. Die einzigen Radfahrer sind offensichtlich Einheimische – in den Ortschaften und in deren Nähe. Immer wieder überholen mich Wohnmobile.

Natur bei Jakobstad
Natur bei Jakobstad, Foto: Reise-Liebe

Radfahren auf der Küstenstraße 8

Wenn du mit einem motorisierten Fahrzeug wie einem Wohnmobil die Westküste von Finnland erkundest, reist du mit Sicherheit auf der Küstenstraße 8. Diese Europastraße dient im Westen des Landes als Nord-Süd-Verbindung, so dass sie während der Sommerurlaub-Saison stärker befahren wird.

Zu meinem Leidwesen habe ich mehrfach das „Vergnügen“, auf der Küstenstraße zu radeln. Weiter im Norden – wie beispielsweise zwischen Raahe und Pyhäjoki – existiert ein abgetrennter Radweg mit Picknickbänken. Die nervigen Motoren dröhnen zwar neben mir, doch ich fühle mich sicher auf meinen zwei Rädern.

Das ist keine Selbstverständlichkeit: Südlich von Vaasa lenken die EuroVelo 10 Wegweiser Radreisende mehrmals auf die Achter-Straße ohne gesonderten Radweg. Immer nur wenige Kilometer, die jedoch ausreichen, um in brenzlige Situationen zu geraten. Manchmal fühle ich mich auf dem EuroVelo 10 finnische Westküste auf die gefährliche Via Baltica zurückkatapultiert.

Lohnt sich der EuroVelo 10 finnische Westküste?

Picknick am EuroVelo 10 in Finnland
Picknick am EuroVelo 10, Foto: Reise-Liebe

Würde ich den EuroVelo 10 an der finnischen Westküste nach meinen Erfahrungen aus vollem Herzen weiterempfehlen? Für die gesamte Strecke von Oulu nach Turku sage ich mit dem Wissen von heute ganz entschieden: auf keinen Fall!

Mehr Spaß und Flexibilität auf der gleichen Reiseroute durch Finnland genießt man sicherlich im Wohnmobil mit Fahrrädern an Bord. Längere Distanzen durch Einöde ohne radfahrerfreundliche Infrastruktur überwindest du mit PS unter dem Sitz wesentlich schneller und hast an attraktiven Orten die Option, dir die Gegend auf dem Fahrrad anzuschauen – zum Beispiel das zauberhafte Archipel zwischen Kokkola und Jakobstad oder die Velhovesi Ring Route bei Uusikaupunki.

Mit dem Zug ist es fast unmöglich, die gesamte finnische Westküste zu bereisen. Viele der oben genannten Orte sind nicht an das VR-Bahnnetz angeschlossen, und die meisten Fernbusse im Land transportieren keine Fahrräder. Was letztere betrifft, habe ich zwischen Uusikaupunki und Turku Glück: Die finale Etappe der Finnland Radreise an der Westküste überspringe ich mit einem Bus. Erstens schüttet es an diesem Tag wie aus Eimern, zweitens möchte ich mich vor der Saimaa Radreise zwischen Mikkeli und Puumala ein bisschen ausruhen.

Das habe ich mehr als nötig, denn im Seenland erwarten mich ganz andere Herausforderungen. Letzten Endes meistere ich sie alle und kann noch lange in wunderschönen Erinnerungen an Etappenziele und Kooperationen mit Tourismuspartnern auf dem Weg schwelgen. Diese Erlebnisse führen mich zu dem Fazit, dass sich der EuroVelo 10 finnische Westküste rückblickend gelohnt hat, obwohl ich mir die Radreise ganz anders vorgestellt hatte. (as)

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