(Blogger-Kooperation, enthält Werbung) Einheimische bezeichnen Jakobstad (finnisch: Pietarsaari) liebevoll als Lilla Stockholm – zu Deutsch: Klein Stockholm. Obwohl das Städtchen am Bottnischen Meerbusen in Finnland liegt, dominiert hier Schwedisch sowohl die Sprache als auch die Kultur und die malerische Holzhaus-Architektur.
Während einer Radreise auf dem EuroVelo 10 an der finnischen Westküste bekomme ich in Kooperation mit Visit Jakobstad Pietarsaari die Möglichkeit, einige Facetten der Stadt intensiv kennenzulernen – knapp 40 Kilometer nach meinem Aufenthalt in Kokkola.
In diesem Artikel beleuchte ich einige der schönsten Ecken im Zentrum von Jakobstad, nehme dich mit an den arktischen Traumstrand Fäboda und gebe neben kulinarischen Tipps Empfehlungen für Unterkünfte, die deinem Finnland-Urlaub mit oder ohne Fahrrad die Extra-Portion Komfort verleihen.
Ein Stück Schweden in Finnland
Falls du schon mal Ambitionen gehabt hast, Finnlands zweite Amtssprache Schwedisch zu lernen, kannst du deine Sprachkenntnisse in Jakobstad wieder auffrischen. Über 55 Prozent der rund 20.000 Einwohner sind schwedischsprachig, während knapp 35 Prozent Finnisch als Muttersprache sprechen. Die restlichen zehn Prozent wachsen mit anderen Sprachen auf.
Wirft man einen Blick in die Geschichte von Jakobstad, fällt dieser als erstes auf Ebba Brahe. Die schwedische Geschäftsfrau gründete die Stadt im Jahr 1652, nachdem sie im gleichen Jahr ihren Ehemann Jakob de la Gardie verloren hatte. Somit ist der schwedische Name des Ortes eine Hommage an Ebbas verstorbenen Gatten.
Ein gravierender Unterschied zu dem finnischen Namen Pietarsaari, der frei ins Deutsche übersetzt „Peters Insel“ bedeutet. Der Grund dafür ist, dass die Bevölkerung schon lange vor der Stadtgründung die Region rund um Jakobstad als Pedersöre bezeichnet hatte. Urkundlich wurde sie erstmals 1348 erwähnt und gilt damit als eine der ältesten Gemeinden in Österbotten.

Holzhäuser & Jugendstil in Pietarsaari
Während ich zum ersten Mal durch das moderne Zentrum von Jakobstad radele, fallen mir rund um das Rathaus mit der Touristen-Information mehrere schwedische Einkaufsketten auf. Die funktionale Architektur aus den 1960er Jahren ist zwar nicht unbedingt ein Besuchermagnet, doch in der angrenzenden Nachbarschaft betritt man eine farbenfrohe Parallelwelt wie aus einem Astrid-Lindgren-Klassiker.
Die Rede ist von Skata (offiziell auch Norrmalm), das zu den schönsten und am besten erhaltenen Holzhausvierteln in Finnland gehört und seit 1982 unter Denkmalschutz steht. Während einer Führung durch die rund 40 bunten Häuserblocks fühle ich mich wie auf einer Zeitreise in eine Küstenstadt des 18. oder 19. Jahrhunderts. Noch immer erzählen einige Spionspiegel an den Fenstern von den heimlichen Beobachtungen des Lebens auf der Straße.
Trotzdem hat sich die Erde bis heute weitergedreht: Skata ist alles andere als ein Freilichtmuseum. Es handelt sich um ein lebendiges Wohngebiet mitten in Jakobstad. Zwar sind die Geschäfte von früher verschwunden, doch die Bewohner pflegen ihre Holzhäuser und Vorgärten mit Liebe. Viele hängen im Sommer Blumenschmuck an den Eingängen auf. Wer seine Fassade in einem anderen Farbton streichen möchte, benötigt dafür eine Genehmigung und hat sich beim Neuanstrich an das traditionelle Farbschema in Ockergelb, Hellblau, Altrosa, Rot oder Grün zu halten. Ein Barbie-Holzhaus in Neonpink? Solch ein Vorhaben wäre in Jakobstad verboten!
Folglich wirkt Skata wie ein Hafen für Menschen, die alte Traditionen bewahren möchten. In der Vergangenheit wohnten in diesen Holzhäusern die Arbeiter der benachbarten Tabakfabrik Strengberg, wo hauptsächlich Frauen unter schwierigen Bedingungen schufteten. Im Zuge der wirtschaftlichen Rezession ging das 1762 gegründete Unternehmen in den 1990er Jahren bankrott.
Die Geschichte lebt jedoch weiter: Wenn du dich für Tabak und dessen Verarbeitung interessierst, kannst du in einem Jugendstilgebäude aus dem frühen 20. Jahrhundert das Strengberg Tabakmuseum besuchen. Es war Teil der Fabrik, auf deren Dach eine fotoreife Uhr thront.

Gemütliches Café Skorpan

Auf die Geschichte und den Konsum von Tabak verzichte ich und genieße stattdessen ein leckeres Frühstück bei Skorpan. Das gemütliche Café in Skata erfreut sich bei Einheimischen und Gästen enormer Beliebtheit. Wegen des Andrangs zur Frühstückszeit sollte man möglichst zeitig erscheinen, um wie in Schweden mit einem herzhaften Smörgås (deutsch: belegtes Butterbrot) und einer süßen Zimtschnecke aus der Hausbäckerei in den Tag zu starten.
An warmen Sommertagen lohnt es sich, draußen zu frühstücken und mit den Sitznachbarn zu plaudern. Das Skorpan mag vielleicht etwas eng erscheinen, ist aber ein geselliger Ort voller Nostalgie, egal ob zum Frühstück oder zum Mittagessen. Ein wichtiger Hinweis für Naschkatzen: Seit 2015 stellt das Café Skorpan auch eigenes Eis her.

Idyllische Gärten in Jakobstad
Eine heimelige Gartenidylle umgibt mich beim Frühstück, und Jakobstad bietet noch mehr grüne Ecken. Mitten in der Stadt floriert eine Gartenkultur, in die ich an zwei bezaubernden Orten eintauche.
Skolträdgården

Direkt neben dem städtischen Gymnasium befindet sich der Schulgarten – einer der nördlichsten botanischen Gärten der Welt. In dieser 1,35 Hektar großen Oase mitten in Jakobstad ist es möglich, stundenlang zu flanieren, auf Bänken am Koi-Karpfen-Teich zu entspannen und sich Kenntnisse über Pflanzen anzueignen.
Von Mai bis in den Herbst sprießt im Skolträdgården eine wechselnde Blütenpracht in unterschiedlichsten Farben und Formen. Der Park ist in Themenbereiche (darunter ein Rosengarten) unterteilt, lockt auf einer Freilichtbühne mit sommerlichen Veranstaltungen und spendet mit alten Bäumen und Sträuchern Schatten.
Dass diese grüne Lunge im Zentrum von Pietarsaari existiert, hat die Stadt einer Schenkung der Apothekerfamilie Schaunman zu verdanken. Victor und Elise Schaunman interessierten sich beide leidenschaftlich für Botanik und waren bestrebt, den Pflanzenkunde-Unterricht an der benachbarten Schule zu unterstützen. Der Landschaftsarchitekt Bengt Schalin realisierte ihre Pläne aus dem 19. Jahrhundert zwischen 1916 und 1932.

Aspegrens Trädgård
Ein zirka zehnminütiger Spaziergang trennt den Schulgarten von einem mannigfaltig blühenden Traumgarten namens Aspegrens Trädgård in Rosenlund. Dieser fünf Hektar umfassende Barockgarten aus dem 18. Jahrhundert geht auf den evangelischen Geistlichen Gabriel Aspegren zurück.
Im Zentrum steht ein malerischer gelber Gartenpavillon; über einen sprudelnden Bach schwingt sich eine weiße Holzbrücke. Es ist ein Bild wie aus einem Naturmärchen, in dem Mitglieder eines Gartenvereins in Parzellen Blumen, Gemüse und Beeren ziehen, selbstverständlich ohne Einsatz von Pestiziden.
Als besonderes Highlight in Aspegrens Trädgård gilt ein Kräutergarten mit Pflanzen, die in der Bibel erwähnt werden – passend zu einem der ältesten Pfarrgärten Finnlands.

Nordischer Traumstrand Fäboda

Das maritime Herzstück von Jakobstad liegt fast zehn Kilometer außerhalb. Fährt man mit dem Rad auf dem EuroVelo 10 Richtung Süden, gelangt man zu einer Abzweigung. Wer hier rechts abbiegt und noch drei Kilometer in die Pedale tritt, kommt am Ende der Straße nach Fäboda.
Es ist DER Traumstrand für Stadtbewohner, die in der näheren Umgebung von Pietarsaari Entspannung am Meer suchen. Der Kontrast der Landschaft macht Fäboda zu einem Naturjuwel – mit langen Sanddünen, glatt geschliffenen Granitfelsen aus der Eiszeit und einem Holzbohlenweg, der sich durch einen duftenden Kiefernwald zu einem Vogelbeobachtungsturm schlängelt.
Als ich Fäboda erreiche, weht eine steife Meeresbrise, die mir ordentlich die Haare zerzaust. Die Schönheit des Strands lässt mich die arktische Kühle aber fast vergessen. Auf der Terrasse von Fäbodas Kaffestuga erwartet mich ein vegetarisches Abendessen mit Meerblick. Während ich es mir munden lasse, erhole ich mich von der Tatsache, dass mich mein Google Navi vor der Ankunft auf extrem sandige Wanderwege geleitet hat. Was lerne ich daraus? Besser den Straßenschildern nach Fäboda folgen, statt sich auf sein Smartphone zu verlassen.

Wo übernachten in Jakobstad?
Auf dem Rückweg zu meinem Nachtlager in Jakobstad bin ich klüger. Das Handy darf nun in der Lenkertasche ruhen, und nach zig Kilometern des Gegenwinds im Gesicht bläst der Seewind endlich mal gegen meinen Rücken.
Im Folgenden präsentiere ich dir zwei außergewöhnlich komfortable Plätze, um Camping in Finnland mit Annehmlichkeiten auf hohem Niveau zu erleben. Perfekt für Radreisende, die sich nach mehr sehnen als einem Zelt in der Wildnis.

Old Harbor Park & Camping in Jakobstad
Durch die Holzhäuser von Skata führt die Straße zum Old Harbor Park & Camping, wo ich die Nacht in einem Campingwagen verbringe. Klingt spartanisch? Ist es aber nicht. Meine typisch nordisch eingerichtete Unterkunft in Jakobstad ist mit zwei Schlafzimmern, einer Wohnküche mit Backofen und einem Badezimmer mit Waschmaschine ausgestattet. Außerdem eröffnet mir der Wagen eine fantastische Aussicht auf Wasser, ganz viel Grün und Holzhäuser.



Einziger Wermutstropfen: Es gibt kein WLAN, zumindest nicht in den privaten Räumlichkeiten. Während der Öffnungszeiten der Rezeption kann ich mich im Hauptgebäude in das schnelle Netz einloggen. Allzu lange halte ich mich jedoch nicht im Internet auf, denn auf dem Campingplatz gibt es eine Sauna. Diese ist – wie in Finnland üblich – nach Geschlechtern getrennt. Ab 17 Uhr darf ich schwitzen und ergreife die wunderbare Gelegenheit vor dem Ausflug nach Fäboda beim Schopfe.
Nach einer Nacht in Jakobstad spüre ich etwas Wehmut, Old Harbor Park & Camping schon wieder zu verlassen. Der Campingplatz wirkt wie Balsam auf meiner Seele, so schön ruhig, privat und mitten im Grünen. Es lohnt sich, hier mehrere Tage zu verbringen und dabei frische Energie zu tanken.

Strandis Smokehouse Village

Etwa sechs Kilometer vor den Toren von Pietarsaari stoße ich in Larsmo auf eine alternative Übernachtungsmöglichkeit am Rande des EuroVelos 10: Strandis Smokehouse Village. In diesem Campingdorf mit Restaurant, Fischräucherei und Craft-Beer-Brauerei empfangen mich Anders Högberg und sein Team.
Anders hat sein Unternehmen seit 1985 mit viel Herzblut und Liebe zum Detail aufgebaut. Werktags serviert Strandis Smokehouse ein täglich wechselndes Mittagsbuffet mit Vorspeise, Hauptgericht und Dessert. An den Wochenenden gibt es im Restaurant Essen und Trinken à la Carte.
Vor oder nach Speis und Trank kannst du in Anders‘ Geschäft Rauchbrot, Räucherfisch, Craft-Biere und andere Lebensmittel und Getränke erwerben. Das erweist sich als besonders praktisch, wenn du dich in einem der voll ausgestatteten Bungalows mit Meerespanorama selbst versorgst. Alternativ besteht die Möglichkeit, bei Strandis in deinem eigenen Camper zu übernachten und die sauberen Gemeinschaftsduschen und -toiletten auf dem Gelände zu nutzen. Darüber hinaus lassen sich Entspannungsmomente in der Sauna buchen – ein Muss für jede Finnland-Reise!

Lohnt sich der EuroVelo 10 nach Jakobstad?
Aber ist es wirklich eine gute Idee, mit dem Fahrrad auf dem EuroVelo 10 nach Jakobstad zu reisen? Auf jeden Fall, wenn du die vergleichsweise kurze Etappe von Kokkola mit dem Rad bestreitest. Der Fahrradweg überquert mehrere Brücken im Archipel, ist glatt asphaltiert und zeichnet sich durch moderate Steigungen aus.
Auch in Jakobstad erwartet mich ein hervorragend ausgebautes Radwege-Netz. Da EuroVelo-Ausschilderungen jedoch bis Vaasa fehlen und auf anderen Streckenabschnitten an der Westküste teils widrige Straßenverhältnisse lauern, treffe ich keine Fernreisenden auf Fahrrädern. Zumindest ist dies meine Spekulation, warum ich so einsam auf weiter Flur durch die Gegend strampele.
Wie Anders berichtet, werden die Radwege aktuell eher auf kürzeren Radtouren befahren. Ob sich dies an Finnlands Westküste in den kommenden Jahren in eine neue Richtung entwickelt, bleibt abzuwarten. Jakobstad ist aber wegen seiner Vielseitigkeit immer eine Reise wert – egal ob mit oder ohne Fahrrad. (as)
