(Blogger-Kooperation, enthält Werbung) Stell dir vor, von einer mächtigen Felswand im Wald ragen gelbliche Eiszapfen wie Stalagtiten. Derweil scheint Frau Holle ihre Kissen kräftig zu schütteln, und der Schnee gefriert in den Haarsträhnen, die unter der Mütze hervorlugen. Das knirschende Weiß unter den Winterstiefeln bedeckt die Holzplanken über dem zugefrorenen Moor, während der See unter einer dicken Eisschicht ruht. Willkommen beim Winterwandern in Finnland.
In Kooperation mit dem Tourismusverband Visit Kotka Hamina mache ich in der Nähe der historischen Eisenhütte von Strömfors (finnisch: Ruotsinpyhtää) eine Winterwanderung durch einen abenteuerlichen Wald – komm mit!
Winterwandern in Finnland auf dem Kukulinreitti
Wie im Winterschlaf wirkt das Bilderbuchdorf Strömforsin Ruukki, als mich die Wildtier- und Naturführerin Merja an einem Samstagmorgen Ende Januar auf dem Parkplatz bei der Kirche empfängt. Sie betreibt die Website Musta Tuntuu, auf der sie Outdoor-Aktivitäten wie Wandern und Kayaking anbietet. Für uns beide steht Winterwandern in Finnland im Programm – auf dem neun Kilometer langen Rundweg Kukulinreitti.
Diese mittelschwere Strecke ist exzellent mit roten Wegweisern markiert und führt in eine von der letzten Eiszeit geprägte Wildnis, die Wandererfahrung und Kondition voraussetzt. Obwohl sich die Landschaft unter einer dicken Schneeschicht versteckt, lässt sich erahnen, was für ein abwechslungsreiches Kunstwerk Mutter Natur hier geschaffen hat.

Unter Holzplanken schlummert ein Sumpfgebiet. Während es stundenlang schneit, erklimmen wir steile Auf- und Abstiege, und Felstrolle mit Schneemützen scheinen uns dabei zu beobachten. Einmal ist das Gefälle so stark, dass wir uns zur Sicherheit an einem im Stein verzahnten Seil festhalten. Manchmal bringt mich der Kukulinreitti vor Anstrengung zum Schnaufen, doch malerische Aussichten belohnen den körperlichen Einsatz.
An einer Art Gipfelkreuz mit einem wunderschönen Ausblick machen wir eine Wanderpause. Merja reicht mir meine Trinkflasche, allerdings ist das Wasser darin längst am Gefrieren. Im Anbetracht der Minustemperaturen hätte ich es mir denken können. Ja, bei einer Winterwanderung in Finnland erweist es sich als sinnvoller, eine Thermoskanne mit heißem Tee oder Kaffee im Rucksack zu haben. Glücklicherweise ist Merja als erfahrene Wanderführerin bestens vorbereitet und schenkt mir eine Tasse Früchtetee ein. Die Wärme in der Kehle tut gut und spendet Kraft, weiter durch das Winterwunderland zu stapfen.
Grillen im Schnee am Kukuljärvi

Vor uns liegen noch rund vier Kilometer, ehe wir die Grillhütte am See Kukuljärvi erreichen. Es handelt sich um den zweiten der beiden ausgewiesenen Rastplätze auf dem Kukulinreitti. Der erste befindet sich am Ufer des Flusses Kymijoki, wo ich für das Titelbild dieses Artikels auf einem Felsen posiere.
Wie ich es schon am Vortag beim Ski-Langlauf im Nationalpark Valkmusa genießen durfte, zelebrieren Merja und ich den Winter in Finnland bei einem Mittagessen an der offenen Feuerstelle. Für die wohlverdiente Stärkung hat sie zu Hause eine Gemüsesuppe mit Kokosmilch vorbereitet. Merja braucht sie nur noch in einem Kessel über den Flammen zu erhitzen, während auf dem Rost finnische Roggenbrote schmoren. Ein köstliches Mahl!
Fun Fact am Rande: Weil ich beim Wandern ganz schön ins Schwitzen geraten bin, habe ich die Handschuhe unter der Überdachung der offenen Hütte ausgezogen. Als wir das Geschirr zusammengeräumt haben und ich sie mir wieder über die in Stulpen gehüllten Hände streifen will, stelle ich fest, dass sie gefroren sind. Und was lernen wir daraus? Beim Winterwandern in Finnland die Handschuhe immer nah am Körper tragen, auch wenn man das Bedürfnis verspürt, sie kurzzeitig auszuziehen.

Historische Eisenhütte Strömfors
Unser Start- und Endpunkt der Wanderung ist ein geschichtsträchtiger Ort voller roter Holzgebäude und bei meinem winterlichen Besuch im Tiefschlaf versunken. Die Geschichte der Eisenhütte Strömfors begann im Jahr 1695. Heute zählt sie zu den ältesten Eisenhütten in Finnland, deren Historie Sommergäste in einem Freilichtmuseum ergründen können.
Es hat den Anschein, als wäre Strömforsin Ruukki aus der modernen Zeit gefallen. Kein Wunder, denn das idyllische Dorf mit Brauerei, Ziegelei, Kunstgalerie und Schmiedemuseum hat sich im Laufe der Jahrhunderte kaum verändert. Deshalb steht es unter Denkmalschutz. Rund um das noch funktionierende Mühlrad der alten Schmiede haben sich zahlreiche Cafés und Restaurants angesiedelt. Falls du beim Winterwandern in Finnland nach Strömfors kommst, kannst du die meisten nur von außen betrachten – wahrscheinlich mit Vorfreude auf lange Sommertage, wenn das Dorf wieder zum Leben erwacht.

Übernachtungstipp zum Winterwandern in Finnland
Zum Aufwärmen im Winter gibt es jedoch eine zweistöckige Holzvilla gegenüber des Parkplatzes: Strömfors Bed & Bistro. In diesem altehrwürdigen Herrenhaus übernachte ich nach der Wanderung auf dem Kukulinreitti. Im Gegensatz zu anderen gastronomischen Betrieben in Ruotsinpyhtää begrüßt das Hotel ganzjährig Gäste – mit lokaler Küche und diversen Veranstaltungen wie einem Krimi-Dinner am Abend meines Aufenthalts.

Ich beziehe ein gemütliches Einzelzimmer in der zweiten Etage, wo sich 15 weitere Zimmer und zwei gut gepflegte Gemeinschaftsbäder mit Dusche und WC befinden. Neben der Treppe zu diesen Räumlichkeiten hängen Ahnengemälde der früheren Bewohner, die von WLAN im Haus nur träumen konnten – so wie ich in meinem Domizil für die Nacht. Im Erdgeschoss dagegen habe ich Zugriff auf schnelles Internet. Auf dieser Etage hinter dem Eingangsportal erwartet die Besucher ein großer und ein grüner Saal, eine Bibliothek und eine Sauna für zehn Personen.

Das edle Ambiente strahlt mit geschmackvollen Details wie Kerzenständern und einer akustischen Gitarre hinter einem purpurroten Plüschsessel Wärme und Geborgenheit aus. In dieser einladenden Atmosphäre erlebe ich ein aus drei Gängen bestehendes Abendessen und am Morgen ein reichhaltiges Frühstücksbuffet – ideal, um nach dem Winterwandern in Finnland die Energiereserven wieder aufzuladen und zur Ruhe zu kommen. (as)
