Tisno: Ein malerisches Tor zur Insel Murter

Tisno von Murter betrachtet

Rund 27 Kilometer von Šibenik entfernt liegt Tisno. Das idyllische Städtchen in Dalmatien wirkt versteckt, denn wer es auf dem Landweg erreichen möchte, muss von der kroatischen Küstenstraße (Jadranska Magistrala) abbiegen. Sobald du es getan hast, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass dich der Ferienort mit seinem übersprudelnden Charme fesselt und nicht mehr loslässt.

Geteilt zwischen Festland und Insel

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Die malerische Urlaubsdestination zeichnet sich durch eine Besonderheit aus: Sie erstreckt sich vom Festland bis auf die Insel Murter. Wenn du deinen Urlaub in Kroatien auf diesem grünen Eiland verbringst, kommst du mit dem Auto oder Bus unweigerlich durch Tisno.

Die beiden Ortsteile sind seit dem 18. Jahrhundert durch eine Brücke verbunden. In früheren Zeiten nutzten die Einheimischen sie, um mit Eseln Waren nach Murter zu transportieren. Im Jahr 1968 wurde aus praktischen Gründen eine Hebebrücke installiert. Zweimal täglich – in der Regel um 9 Uhr und 17 bzw. 18 Uhr – wird diese Konstruktion nach oben geklappt. So haben Yachten, Motorboote und Wassersportler die Möglichkeit, die Meerenge zwischen dem Festland und Murter zu passieren.

Fun Fac am Rande: Ein Abenteuerlustiger hat sich einmal den Spaß erlaubt, mit seinem Auto über die hochgefahrene Tisno-Brücke zu springen. Den Beweis siehst du im folgenden Video.

Erinnerungen an Tisno

Dieses lustige Filmchen ist viral gegangen und ungefähr genauso alt wie meine Erinnerungen an Tisno. Als ich am 7. April 2026 zum ersten Mal nach fast elf Jahren zurückkehre, wirken sie wie Szenen aus einem anderen Leben. An der Brücke auf Murter steht noch immer das Hotel, dem ich im Wanderurlaub den Namen „Kloaković“ verpasst hatte. Im Juni 2015 stank es in meinem dunklen Zimmer im Erdgeschoss bestialisch nach Insektenspray und Kanalisation. Anscheinend hat mich das so heftig geschockt, dass ich in einem meiner ersten Artikel auf Kroatien-Liebe lang und breit darüber berichte.

In solchen Rentnerhotels logiere ich längst nicht mehr. Anstatt hochpreisige Wander-Pauschalreisen wie damals zu buchen, reise ich günstig und individuell – lieber solo anstatt in Begleitung betagter Mitreisender, die sich in ihrer stereotypen Spießigkeit gegenseitig überbieten. Ja, und dann war da noch der Reiseleiter. Er, der auf jeder Wanderung ein Lied anstimmte und mir die ersten Brocken Kroatisch beibrachte, wenn er nicht gerade vor sich hin sang. Man flirtete, ohne sich wirklich nahe zu kommen. Am Ende ebneten die romantischen Träumereien den Weg in eine neue Richtung – zu Kroatien-Liebe.

Während ich fast elf Jahre danach durch Tisno spaziere und sich die alten und neuen Bilder vor meinem inneren Auge vermischen, wird mir endlich wieder bewusst, was ich an Kroatien liebe. Im Laufe der Jahre hat sich dieses Gefühl stark verändert. Die rosarote Brille ist in den Tiefen des Meeres verschwunden, doch die Adria leuchtet immer noch türkis. Sanfte Wellen umspielen die Felsen am Ufer, und mein Blick fällt auf geschwungene grüne Hügel auf dem Festland. Falls es einen Gott gibt, hat er er diese Landschaft wohl in einer Mußestunde an einem Sonntag erschaffen.

Die Brücke von Tisno
Die Brücke von Tisno, Foto: Reise-Liebe

Traumhafter Felsenstrand Sv. Andrija

Das denke ich, als ich glückselig wie 2015 auf dem Uferweg nach Jezera zum Felsenstrand Sv. Andrija spaziere und mir von Kiefernduft die Nase betören lasse. In der Zwischenzeit wurde die Befestigung dieses Weges optimiert und die Einstiegsstelle für Badegäste verbessert.

Jetzt gibt es sogar einen barrierefreien Zugang zum Meer, so dass auch Rollstuhlfahrer in den Genuss des klaren Adria-Wassers kommen können. Obwohl in den vergangenen Jahren an Kroatiens Küste eine Bausünde nach der anderen hochgezogen worden ist, wirkt diese Veränderung im Einklang mit der Natur. Beim Baden solltest du vorsichtig sein und Badeschuhe tragen: Erstens ist der Grund steinig, und zweitens leben dort Seeigel.

Felsenstrand Sv. Andrija
Felsenstrand Sv. Andrija, Foto: Reise-Liebe

Tisnos Sehenswürdigkeiten

Insbesondere im Ortsteil auf Murter besticht Tisno durch alte Bausubstanz, an der sich enge Gassen vorbei winden. Dort begegnet mir ein süßes, zutrauliches Kätzchen, das kräftig meine Nase anstupst. Die Gemäuer erzählen Geschichten: Vor allem im 18. Jahrhundert erfreute sich der Ort bei reichen Italienern großer Beliebtheit. Diese Familien hinterließen im Zentrum prachtvolle Villen und Paläste, über denen der Glockenturm der Kirche Sv. Duh thront. Sie wurde 1548 errichtet und gilt als die älteste Kirche in Tisno.

Rund um die Altstadt laden mehrere Bars und Cafés zu einem Kaffee am Nachmittag ein. Während ich entspannt meinen Milchkaffee genieße und aufs Wasser schaue, schallt durch Lautsprecher die rauchige Stimme von Oliver Dragojević – die Stimme der Adria. Obwohl Lungenkrebs sie im Sommer 2018 verstummen ließ, bleibt Oliver Kroatiens Musik-Superstar, der überall präsent ist und zu flüstern scheint: „Alles ist gut, du bist jetzt in Dalmatien.“

So ruhig, beschaulich und voller Oliver-Klänge ist es nicht immer in Tisno: Vom 8. bis 14. Juli 2026 steigt wieder das jährliche Love International Festval und verwandelt den Ort in eine Party-Hochburg für Fans elektronischer Musik. Ich bin dann längst über alle Berge und mit meinem Fahrrad bei der Saimaa Cycle Tour in Finnland.

Urlaubsort in Dalmatien
Tisno vom Festland betrachtet, Foto: Reise-Liebe

Wie anreisen nach Tisno?

Radreisen würde ich in Kroatien trotz des EuroVelos 8 an der Küste nicht empfehlen. Eine Infrastruktur für Radfahrer fehlt – meist sind sie gezwungen sich mit Massen von Autos, Bussen und Wohnmobilen die Küstenstraße zu teilen. Deshalb ist es ratsam, mit dem Auto nach Tisno zu reisen. Falls du keinen PKW besitzt, kannst du Murter leicht mit dem Šikbus ab Šibenik erkunden. Fernbusse sind weniger optimal, weil sie an der vier Kilometer entfernten Haltestelle an der Küstenstraße stoppen.

Der Šikbus dagegen durchquert auch Inselorte wie Betina und Murter, wo im Sommer Bootstouren zum Nationalpark Kornati starten. Fürs Erste schwelge in in Tisno in Erinnerungen, doch ich komme bestimmt bald zurück auf die Insel und schreibe darüber im Blog von Kroatien-Liebe. (as)

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